28.09. Wir suchen Radio Eriwan

Samstag 27.09.2014 – 1. Tag Anreise

Am späten Nachmittag begleitet mich Barbara zum Flughafen wo ich verabredungsgemäß Jürgen treffe. Nach dem Einchecken und Wartezeiten fliegen wir Richtung Wien. Als wir aus dem Flieger steigen treffen wir auch sofort auf Helmuth und Bernd, die aus Frankfurt anreisen.
Der Nachtflug nach Jerewan dauert nicht lange, aber aufgrund der Zeitverschiebung von zwei Stunden landen wir gegen 3:45 Uhr Ortszeit. Anni, unsere deutschsprachige Reiseführung, holt uns mit Fahrer ab und bringt uns zum Diamond House Hotel. Auf dem Weg erklärt Sie schon einiges über die Stadt. Müde trinken wir noch ein Bier und gehen auf die Zimmer.

Sonntag 28.9.2014 – 2. Tag – Eriwan

Um 11:00 holt uns Anni wieder vom Hotel ab, und wir beginnen die Stadtrundfahrt im Mercedes-Bus. Das Wetter ist gut, Sonne und etwas über 20°C, ideal um die Stadt samt Sehenswürdigkeiten kennen zu lernen.

Die am Fluss Hrasdan gelegene armenische Hauptstadt Eriwan, Yerevan oder Jerewan wurde vor etwa 2.800 Jahren gegründet und zählt wohl mit zu den ältesten Städten der Welt.
Der Mercedes fährt angepasst durch die Straßen, und Anni erzählt uns von der Geschichte Eriwans und erklärt auch einzelne Gebäude, an denen wir auf dem Weg zur Etschmiadsin, dem religiösen Zentrum des Landes, vorbeifahren.

Hier sind viele wichtige sakrale Baudenkmäler wie etwa die Kathedrale von Etschmiadsin zu besichtigen. Die Kathedrale ist ein Paradebeispiel klassischer armenischer Architektur. Sie wurde im Jahre 303 auf den Fundamenten eines heidnischen Tempels erbaut und zählt zu den ältesten christlichen Kirchen der Welt. Heute ist in Etschmiadsin der Sitz des Katholikos aller Armenier, des geistlichen Oberhauptes der Armenischen Apostolischen Kirche. Anni erklärt uns die verschiedenen Bauabschnitte und auch Details des Bauwerkes.

In der Kathedrale wird gerade die mindestens zweistündige Messe zelebriert, wir dürfen eintreten und einen kleinen Einblick bekommen. Wir sind erstaunt über die mystische Atmosphäre in der Kirche und der Ausstrahlung des Priesters.

Wir gehen in das Taufhaus und weiter zur Kirche der Heiligen Hripsime, die vom Katholikos Komitas über dem von Isaak dem Großen gebauten Mausoleum der heiligen Hripsime errichtet wurde. Die Hripsime-Kirche ist gemeinsam mit der Kathedrale und zwei anderen Kirchen von Etschmiadsin seit 2000 als UNESCO-Weltkulturerbe gelistet.

Der Legende nach wurden Hripsime und Gayane hingerichtet, weil sie sich weigerten, ihr Gelübde als Nonne zu brechen und den armenischen König Trdat III zu ehelichen. Diese konsequente Haltung bewirkte, das der König später zum Christentum konvertierte und es in 301 zur Staatsreligion erklärte.

Anni drängt ein wenig, weil wir um 14:00 Uhr einen Führungstermin im Mashtots Matenadaran-Institut, kurz Matenadaran haben. Das Zentralarchiv für alte armenische Handschriften ist nach dem Heiligen Mesrop Maschtoz benannt, der im frühen 5. Jh. das armenische Alphabet mit 36 Buchstaben entwickelte. Eine ältere Dame mit knallrotem Lippenstift erklärt uns mit hohem Engagement im Detail die kleine Ausstellung, die von der UNESCO zum Weltdokumentenerbe erklärt wurde.
Nach knapp zwei Stunden verlassen wir die sehr halligen Räume und fahren zu den Ruinen der Festung Erebuni, die im Jahre 782 vor Christus erbaut wurde und sehr prächtig gewesen sein muss.

Heute sieht man nur noch Reste der Mauern, wir haben aber einen wunderschönen Ausblick über die Stadt.
Leider sehen wir das Denkmal für die Opfer des Völkermords nicht. Das Genozid-Denkmal erinnert an die 1,5 Mio. Opfer des Völkermords von 1915, den die Türkei zu verantworten hatte. Aufgrund der anstehenden 100-Jahre-Gedenkfeier wird es nun restauriert und ist komplett eingerüstet.

Auf geht´s zum Highlight des Tages: Die Ararat Cognac Fabrik. Wir werden von der Führerin empfangen, die junge Dame erklärt uns den Herstellungsprozess des Brandys, der sich in Armenien auch Cognac nennen darf.
Die Ararat Brandys werden ausschließlich mit Trauben aus dem Ararat Tal hergestellt. Der Charakter des Ararat Weinbrands entsteht beim Reifen in den Eichenfässern.

Im Jahre 2002 nahm die Yerevan Brandy Company die Herstellung ihrer eigenen Fässer aus der kaukasischen Eiche, die in Armenien wächst, wieder auf.
Die Reaktion des Brandy mit der Oberfläche des Holzes erzeugt das einzigartige Bouquet des Ararat Brandys.
Nach der Führung durch die Holzfasslagerung werden wir zur Verkostung eingeladen, wir probieren den 5 und den 10 Jahre alten Brandy, dazu wird Zartbitterschokolade gereicht. Das war ein echtes Erlebnis.

Der Name Ararat stammt von dem berühmten Berg Ararat, auf dem Noahs Arche nach der biblischen Flut gestrandet sein soll. Dieser mystische Berg Armeniens ist auf vielen Produkten, unter anderem auch Bier, als Symbol nationaler Kultur und Identität verewigt.
Danach werden wir in ein Restaurant gefahren, wo wir ein köstliches Abendessen erhalten. Im Hotel erwarten uns der Vermieter der Motorräder und unser Tourguide Vardan, um uns über den nächsten Tag zu informieren. Müde sinken wir später in die Betten.