29.09. Klöster, Tempel und Mount Aragats

Montag 29.09.2014 – 3. Tag – mit den Motorrädern

Um 8:00 werden wir von Vardan und David abgeholt und zum Vermieter gefahren. Wir übernehmen die Motorräder, drei XT660R, eine KLR600, Vardan fährt die DR650.
Das Gepäck wird im Pkw verstaut und wir fahren durch das Gewusel Jerewans
Wir dürfen zwischen den Autoschlangen hindurch fahren – wir machen es Vardan einfach nach und folgen ihm.
Kurz vor Stadtgrenze hält helmuth an, sein Vorderrad ist platt und schnell sind helfende Hände da um den Schaden zu beheben.
Nach einer knappen Stunde fahren wir weiter über Bergstraßen zum Höhlenkloster Geghard und erhalten schon Bald den Blick auf den Ararat.

Das Kloster wird auch heute noch als ein kulturelles und geistiges Zentrum in Armenien betrachtet und gehört seit 2000 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Der Hl. Gregor, Patron der armenischen Apostolischen Kirche, soll das Kloster im 4. Jahrhundert n. Chr. gegründet haben. Die dunkle Grotte in der Höhle wirkt erschreckend, dazu singt ein Frauenchor typische armenisch apostolische Gesänge, einfach beeindruckend.

Vor den Toren der Klosteranlage sind Stände aufgebaut, wo getrocknete und kandierte Früchte verkauft werden. Wir probieren ein paar Sorten und kaufen schließlich getrocknete Äpfel am Seil.

Wir fahren nun wieder ein Stück zurück zum Tempel Garni, einer Tempelanlage mit 24 gigantischen ionischen Säulen mit kunstvoll ornamentierten Kapitellen und bewundernswerten Steinmetzarbeiten an den Decken der Galerie. Zu dem reich geschmückten Eingang führt eine vielstufige Treppe, die für unsere Gewohnheiten viel zu steil ist. Auch die Mosaiken in dem römischen Bad unweit des Tempels sind noch gut erhalten, und man erkennt noch die einzelnen Figuren.

Der Ausblick auf die Schlucht des Azat-Flusses ist fantastisch, einige Wanderer kommen gerade von unten hoch, sie schwitzen auffällig. Ein Wanderer bewundert uns und fragt nach den Motorrädern, tauschen möchte ich aber im Moment nicht.
Wir gehen zurück in das Dorf, wo wir Frauen in einer Bäckerei bei der Arbeit zusehen dürfen, die Wandergruppe steht auch um den Ofen herum und jeder kann mal das leckere Lavasch (dünnes Fladenbrot) probieren, als Füllung gibt es leckeren Schafkäse.
Leicht gesättigt gehen wir zu den Motorrädern und fahren durch Stadtteile Jerewans, um weiter Richtung Norden zum Mount Aragats zu fahren. Die Durchfahrt durch die Stadt ist beschwerlich, rechts, links, wieder links, dann rechts und an Autoschlangen vorbei. Wir bleiben trotz der schwierigen Verhältnisse in der Stadt zusammen und gelangen auf die Ausfallstraße.

Entspannt fahren wir Richtung Norden und stoppen an einem ungewöhnlichen Skulpturenpark, dem Ajbuben-Park. 2,5-3,0 m große armenische Buchstaben sind aufgestellt. In der Sonne ist das Ganze ein herrliches Lichtspiel.

Wir ziehen nun die warmen Sachen an, denn es geht aufwärts zum Berg Aragats. Die Wolken hängen schon tief, das satte Grün verschwindet und die Landschaft wird bräunlich, ein leichter Graupelschauer fängt an. Der Berg Aragats ist ein erloschener Schichtvulkan und ist mit seinen 4.091 m der höchste Gipfel im Südkaukasus.

Wir kommen am Hochgebirgssee Kari Lich, dem Stein See an. Der See liegt auf 3.190 Metern. Es ist sehr kalt, Schnee liegt hier überall und wir treffen auf Jugendliche aus Kanada und den USA. Sie erzählen, sie seien Mormonen und arbeiten in ihrem sozialen Jahr in Armenien.
Nach kurzem Aufenthalt fahren wir wieder zurück, der Schneematsch ist weniger geworden und wir fahren zum Guest House in Byurakan. Es gibt dann auch das Stiefelbier im Garten, wir hatten uns mit jedem Meter talwärts langsam wieder aufgewärmt und sitzen nun in der Sonne.

Nach Einbruch der Nacht gehen wir zum Byurakan-Observatorium, einer Sternwarte der Armenischen Akademie der Wissenschaften. Eine Besuchergruppe ist noch vor uns, und wir warten im Wachhaus des Pförtners. Nach 20 Minuten springt der alte Mann auf und führt uns mit der Taschenlampe zur Sternwarte, wo uns ein weiterer in Empfang nimmt und auf die Station wo das lange Teleskop steht führt.
Der dunkel gekleidete Mann erklärt die Sterne und das Teleskop in gebrochenem Englisch. „Don‘t lean onnn Telleskopp“ ist der häufigste Satz, den wir bei der Vorführung hören.

Jeder darf mal durch das Teleskop linsen und der eine erkennt mehr, der andere weniger, so wirklich viel sieht man nicht. Wir schlendern zurück und werden vom Gastgeber erwartet. Er zeigt uns mit Stolz sein Winterlager, das mit Langlaufskier und Snowboards voll steht. Dann zeigt er uns seinen Schießstand, wo die Luftgewehre schon parat liegen, die Flaschen in ca. 20m Entfernung sollen abgeschossen werden. Hier zeigt sich, wer eine ruhige Hand hat.
Anschließend zeigt er wieder mit gleichem Stolz sein Planetarium, das er auf dem Dach des Hauses erbaut hat. Die Sterne sind sein Hobby und er hat den runden Kuppelsaal mit Sternzeichen und Göttern der Antike geschmückt. Etwas kitschig, wie wir finden, aber ebenso imposant.
Danach setzen wir uns noch zusammen und trinken eine Kleinigkeit, bevor wir in die Betten fallen.