30.09. Durch das Erdbebengebiet nach Stepanavan

Dienstag 30.09.2014 – 4. Tag

Das Frühstück ist üppig und findet statt in einem Saal mit Gemälden aus der griechischen Mythologie, sehr verwegen das Ganze. Schon um 8:30 fahren wir los, es geht über Asphaltstraße in Richtung nördliche Provinz Lori. Wir fahren zunächst talwärts und dann die Hauptstraße nach Aparan, wo wir im Zentrum an der neu gebauten Großbäckerei halten.

Wir beobachten den Bäcker, der sich im Minutentakt Hals über Kopf in den traditionellen Ofen hängt und den Brotteig an die heiße Tonwand des Ofens presst. Genauso sportlich holt er die fertig gebackenen Brote wieder heraus. Wir nehmen ein wenig Gebäck mit Käsefüllung mit und fahren weiter über den Spitak-Pass nach Spitak.

Wir durchfahren auf einer super angelegten Straße eine wunderschöne Landschaft, mit unheimlich weitem Blick in die Täler.
Im Gebiet um Spitak gab es am 7.Dezember 1988 ein schweres Erdbeben, bei dem nach Schätzungen mindestens 25.000 Menschen umkamen und ca. eine Millionen Menschen obdachlos wurden.

Auf einem Berg in der Stadt wurde gleich nach dem Erdbeben eine Metallkirche aufgebaut, um den Trauernden einen Ort der Zusammenkunft zu bieten. Rund um die Kirche liegt der Friedhof, auf vielen Grabsteinen sind Abbildungen der Verstorbenen und die Todesursache, nämlich eingestürzte Häuser abgebildet. Viele junge Menschen und Kinder sind dargestellt, einige halten Uhren mit der Uhrzeit des Erdbebens in den Händen.

Wir fahren mit den Enduros auf die Anhöhe und besichtigen die seltsam anmutende Kirche. „Das ist das erste Mal dass ich auf einem Friedhof Enduro fahre“ merkt Helmuth an und wir fahren zurück in die Stadtmitte, um in einem YMCA-Cafe eine Pause ein zu legen und den dicken Wolken zu entgehen, die sich tief schwarz am Himmel entwickeln. Wir erreichen gerade das Café, als es anfängt in Strömen zu regnen.
Wir warten den Schauer ab und fahren weiter Richtung Gyumri.

Der Regen hat die Schlaglöcher mit Wasser gefüllt, und die nasse Straße lässt es kaum zu, diese Schlaglöcher rechtzeitig zu erkennen, deshalb knallt es ab und zu mal. Jürgens Hinterrad verliert Druck, in Gyumri halten wir deshalb an einer Tankstelle, die eigentlich nur aus einem Container besteht. Hier werden Cola-Flaschen mit Benzin und Öl auf Stühlen angeboten, der Boden ist von Öl, Benzin oder Diesel schon mächtig gesättigt. Wir führen den Zustand auf das Erdbeben zurück, denn überall sind Ruinen aus der Zeit zu sehen, teilweise stehen neue Häuser daneben.

Auf einer Kreuzung hält Vardan an, sofort kommen ein paar Männer und fragen, ob wir Hilfe benötigen. Vardan verneint das und meint zu uns, dass es möglich wäre die Piste zum Wasserfall Trchkan zu fahren – wir nicken sofort und fahren durch eindrucksvolle Landschaften auf engsten Pfaden, einfach herrlich. Die Strecke ist sehr eng, einige Matschkuhlen sind zu umfahren.

Schließlich haben wir eine Wasserdurchfahrt durch den gleichnamigen Flusses Trchkan und sehen vom Rand der Schlucht den wegen Wassermangel nur dünn strömenden Wasserfall. Die Landschaft ist genial, und es macht einfach Spaß über die engen Wege weiter runter zu fahren.
Die Schwierigkeit besteht während der Fahrt darin, die großen Schlammlöcher zu umfahren oder nicht stecken zu bleiben. Das meistern aber alle gut, und gemeinsam freuen wir uns über die schöne Etappe.

Auf der Hauptstraße fahren wir dann weiter zum Lori Hotel in Stepanavan. Freundlicherweise dürfen wir unsere Motorräder in den Schuppen stellen.
Wir werden freundlich empfangen und genießen erstmal das Stiefelbier, was auch das letzte Bier am Abend sein wird, da das Hotel nichts mehr hat. Nach dem Abendessen ist die Küche, wo der Kühlschrank steht, geschlossen, und die Köchin ist weg. So bleibt uns nur der Schnaps.