4.10 – Weinfest, wichtige Steine und Brot

Samstag 04.10.14 – 8. Tag

In Areni ist am Samstag Weinfest, und da wir an diesem Tag keine lange Strecke zu fahren haben, schlägt Jürgen vor das Weinfest zu besuchen. Die Klamotten können wir im Hotel lassen. Wir fahren mit dem Auto nach Areni und sind wieder bei Davids Eltern zum Kaffee eingeladen. Danach bummeln wir langsam an den mittlerweile voll aufgebauten Ständen entlang.

Das Dorf liegt auf ca. 1800 Meter über dem Meeresspiegel, und hier wächst eine der ältesten Weinsorten der Welt, Areni. Trockene, halbtrockene und liebliche Eliteweine werden hier hergestellt. Die Weine haben ein spezielles Aroma und einen speziellen Geschmack aufgrund der Erde und des Klimas in der besonderen Lage.

An den Ständen werden neben den verschiedenen Weinsorten Schnäpse und auch wieder getrocknete Früchte angeboten. Mehrere Stände verkaufen auch Fleischspieß vom Schwein oder gegrillter Hackfleischspieß (Rind- und Lammfleisch). Vardan erklärt uns, dass das Fleisch in einer speziellen armenischen Marinade eingelegt wurde.

Die Fleischspieße werden auf Holz Glut von Rebenholz gegrillt und mit Salat aus Gurke und Tomaten mit feinen Kräutern in das Lavasch gewickelt. „Im Prinzip wie bei den Türken“ sagt Bernd frech und bestellt zwei Spieße. Er gibt mir ein Stück zum Probieren ab und ich bin begeistert, echt lecker.

Wir fahren schließlich wieder zurück zum Hotel, ziehen uns um und fahren mit den Motorrädern los. Eine herrliche Landschaft erwartet uns, die Wiesen sind schon leicht bräunlich. Mehrmals müssen wir Schafherden ausweichen bzw. langsam daran vorbei oder auch mitten durch sie durch fahren. Ab und zu sehen wir auch Rinder und je weiter wir nach Süden kommen, desto öfter sehen wir Pferde auf der Koppel stehen und die Berggipfel werden höher und karger.

Auf dem Weg, die armenische Seidenstraße, nach Sissian überqueren wir dann den 2.344 m hoch gelegenen Vorotan-Pass. Zwei riesige Betonstelen aus der Sowjetzeit sind neben der Straße erbaut und einige Besucher stellen sich davor, um fotografiert zu werden. Vor dem Passhütte sitzen ein paar ältere Männer, die Früchte, Thymian und andere Kräuter und natürlich Schnaps verkaufen.

Vardan kauft ein paar uns nicht bekannte Früchte und verteilt sie unter uns, schmecken ganz gut, z.B. die Korneelkirsche, etwas bitter und mit einem harten Stein. Einige ältere Lkw aus dem Iran kommen uns schon entgegen, anfangs vermutete ich, es gibt nur alte Lkw aber da lag ich falsch, ziemlich gut gepflegte Lkw passieren den Pass, auch neue Busse fahren vorbei.

Es wird kühler und wir fahren bergab. Vardan biegt rechts zu einem Stausee ab, kurze Pause am See meint er und hält am Rand des Sees, ein Stausee des Vorotan. Jürgen fährt weiter am Ufer entlang und gräbt seine XT in den weichen Sand. Vardan läuft hinterher und beide manövrieren die Yamaha aus dem Sand und die XT kann wieder rollen und wir fahren die Piste wieder rauf zur Straße.

Als nächstes stand der Schaki-Wasserfall, kurz vor Sissian auf dem Programm. Der Vorotan-Fluss fällt hier ca. 18 m tief über eine Basalt-Kante. Doch leider gibt es nichts zu sehen. Weil der Fluss nicht genug Wasser führt und lediglich ein paar Tropfen, höchsten aber ein Rinnsal die 18m herunterfallen, fahren wir weiter nach Sissian. Wir suchen die Kirche und finden die kleine Kapelle auf der Anhöhe. Vardan geht zu den Häusern in der Nähe der Kirche während wir anderen uns die Kapelle ansehen. Als wir wieder an den Motorrädern stehen, kommt Vardan wieder.

Er hat eine Tüte in der Hand und sagt wir können dort beim Backen von Lavasch zusehen und zeigt auf eine Blechhütte, die fast ebenerdig ist. Wir klettern über den Zaun und gehen gebückt in die Hütte. Es riecht herrlich nach frisch gebackenem Brot. Zwei Frauen rollen Teigkugeln aus und werfen sie einer dritten Frau abwechselnd zu.

Sie wirft den Fladen mehrfach durch die Luft und legt den Teig schließlich auf ein mit Stoff umspanntes Brett und bückt sich in den heißen Erdbackofen, klatscht dabei den Teig an die heiße Wand oberhalb des Feuers aus Weinrebenholz. Ein Mädchen holt das Lavasch mit einem Haken von der Wand herunter, schwenkt es kurz über das Feuer und legt es auf einen Stapel.

Die Frauen erzählen sich was und müssen lachen. Vardan erzählt später, dass die Männer weg sind und dann lachen die Frauen über sie. Die Frauen können sich kaum halten vor Lachen und erzählen, kichern weiter aber backen immer weiter ihr Lavasch.

Wir dürfen das dünne Fladenbrot probieren und nehmen auch noch drei Lavasch mit. Die Frauen wollen kein Geld dafür und lachen weiter.

Wir klettern wieder über den Zaun und gehen zurück zu den Motorrädern. Vardan öffnet die Tüte und holt eine Wurst und ein Stück Käse aus seiner Tüte, schneidet alles in mundgerechte Stücke. Wir genießen das leckere Lavasch mit Wurst und Käse, ein super Mittagessen.

Nachdem wir gesättigt sind fahren wir zurück zur Hauptroute und kommen schließlich bei dem Zoro Karer einem bronzezeitlichen Gräberfeld an. Übersetzt heißt Zora Karer Steinarmee oder Stein-Sammlung und wird oft mit dem englischen Stonehenge in Verbindung gebracht. Es gibt zahlreiche Legenden über diesen Kreis aus Steinen.

Das etwa 7 ha große Feld liegt auf einem Höhenvorsprung auf dem sich ca. 30 zum Teil sehr große Kammergräber sowie Mauerreste einer Siedlung befinden.

Eine Reihe aus ca. 150 aufrecht stehenden Felsbrocken (Megalithen) begrenzt die Siedlung. Insgesamt befinden sich 223 solcher Felsbrocken in verschiedenen Formationen auf dem Gelände. Etwa 40 von ihnen bilden einen Kreis um das zentrale Steinkammergrab des Orts. Sie bestehen aus Basalt, haben eine Höhe von 2-3 m und ein geschätztes Gewicht von bis zu 10 t.

Vom Gräberfeld von Zoro Karer sieht man nicht mehr viel, es wurde schon vor langer Zeit ausgeraubt und bei den meisten Gräbern fehlen die Decksteine. Wir flanieren entlang der Megalithen, schießen Fotos und sind von der wunderschönen Landschaft begeistert.

Bei herrlichem Wetter fahren wir weiter Richtung Gorris, die Landschaft ist unheimlich weit. Auf und neben der Straße werden viele Schaf- und Kuhherden von Hirten auf Pferden in Begleitung ihrer großgewachsenen Hunde getrieben.

Als wir über einen Hügel kommen sehen wir im Tal eine dicke Wolke hängen. Wir kommen näher und es wird kälter und feuchter, bis wir mitten in der dicken Suppe fahren. Goris liegt in einer Talsenke, und es ist tief nebelig als wir das Hotel erreichen. Als wir auf den Hinterhof fahren, zeigt Helmuth auf sein Hinterrad.

Im Reifen steckt eine dicke Schraube, er ist platt. Vardan wartet nicht lange und packt das Werkzeug aus, vor dem Tor spaltet ein Mann Holz, wir nehmen einen Stumpen Holz, hieven das Motorrad darauf und ruckzuck ist das Hinterrad demontiert. Vardan fährt zum Reifenflicken und wir gehen schon mal duschen. Nach einer halben Stunde ist er wieder zurück und hat das Rad auch schon fast fertig montiert als wir frisch geduscht, helfend daneben stehen.

Es ist schon dunkel als wir zum Abendessen in den kalt wirkenden Saal gehen. Mehrere Tische sind von kleinen Gruppen besetzt. Die Atmosphäre in den Essbereichen der Hotels ist eher kühl und irgendwie wird auf die Zeremonie Abendessen kaum Wert gelegt.

Das Essen wird auf den Tisch gestellt, zunächst der Salat und Beilagen, nach fünf Minuten kommt die Hauptspeise dazu. Jeder fängt auch einfach an zu essen. Nicht nur bei unserer Gruppe fängt einer einfach an das Essen einzunehmen.

Die Teller werden je nachdem ob er schon leer ist abgeräumt, ungeachtet derer die noch essen. Das wäre bei uns fast undenkbar. Wir sitzen noch bei einem Bier und Schnäpschen zusammen, während sich der Saal geleert hat aber so ganz alt werden wir auch nicht.