über den Pass zum Ararat und der Abschied

über den Pass zum Ararat

Dienstag 07.10.14 – 11. Tag

Das Frühstück ist wieder ausreichend, und wir brechen bei Nieselregen zu unserer letzten Etappe mit Ziel Jerewan auf. Sobald wir das Stadtgebiet verlassen haben, wird der Nebel dichter und so tasten wir uns fast bis zum Vorotan-Pass vor. Die Schafherden übersehen wir fast, die Hirten tun uns ein wenig leid, dick eingepackt reiten sie mit den Pferden neben den Herden.

Ein Reiter hat eine kosaken-ähnliche Mütze an und winkt freundlich, leider können wir ihn wegen des feinen Nebels nicht fotografieren. Auf dem Pass kommt die Sonne fast durch. Wir halten nochmal an und genießen die Sonnenstrahlen auf dem Yermuk Highway und machen in einem Cafe wenig später Pause und wärmen ein wenig die Finger. Wir tanken und fahren über Arpi und Areni und dann auf die H10. Am Wegesrand wachsen auch die berühmten Kornelkirschen, wir hatten schon mehrfach Kornelkirsch-Marmelade zum Frühstück gegessen.

Wir halten auch an einem großen Tabakfeld, wo gerade geerntet wird. Jürgen spricht mit den Männern und gibt eine Runde Zigaretten aus, die Frauen bleiben hinter den großen Tabakblättern stehen und wollen auch nicht fotografiert werden. Der Lkw ist schon fast voll und die Männer erfreuen sich der kurzen Pause mit uns. Nach einer Weile kommen wir auf die H8 und auf die große ausgebaute vierspurige Straße Richtung Hauptstadt.

Die letzte Attraktion auf unserer Tour ist das Kloster Chor Virap, das in Sichtweite der Grenze zur Türkei unterhalb des Berges Ararat liegt. Eigentlich ist dieses Bild auf jedem Prospekt von Armenien-Reiseanbietern zu sehen, und wir hoffen natürlich auch das Kloster mit dem Ararat im Hintergrund gut ablichten zu können.

Wir halten an einem Weinfeld an, einige Leute sind bei der Weinlese und sie rufen uns heran.

Ein Mann erkennt Jürgen, er war ja vor drei Jahren schon mal hier und stoppte an der gleichen Stelle. Auch sie geben uns Weintrauben, die uns dann letztlich auch nicht über den fehlenden Blick zum Ararat hinweg trösten. Der Berg ist in Wolken gehüllt und gibt seinen schneebedeckten Gipfel nur ab und zu mal zu erkennen.

Das Kloster ist nicht weit, wir stellen die Motorräder auf dem Parkplatz in den Schatten und gehen die Treppenanlage hoch zum Kloster. Der Legende zufolge sperrte König Trdat III. im Jahre 288 n. Chr. auf der kleinen Anhöhe Gregor den Erleuchter in eine Höhle ein und hielt ihn dort 13 Jahre lang gefangen, um ihn vom christlichen Glauben abzubringen. Gregor beugte sich nicht, sondern heilte den König von einer unheilbaren Hautkrankheit. Woraufhin sich Trdat III. mit seiner Familie im Jahre 301 taufen ließ und das Christentum als Staatsreligion einführte. Diese Höhle soll unterhalb der Klosteranlage sein, die Gruften sind begehbar aber sehr eng, sodass wir darauf verzichten.

Nachdem wir vergeblich auf den Ausblick zum Ararat warteten und die Anlage komplett besichtigten, fahren über die mehrspurige Straße mit heftigem Verkehr zurück in die Hauptstadt.

Wir geben zunächst die Motorräder ab, sie haben ihren Dienst getan, obwohl ein paar Mängel während der Fahrt aufgetreten waren. Außer tropfende Stoßdämpfer, Ölleckagen bei der Kawa und ein paar klappernde Teile war alles ok.

Der Check der Maschinen fällt aus, Vardan soll uns am Abend die Kaution zurückgeben. Wir werden mit dem Taxi in unser Hotel, das Ararat-Hotel gefahren. Wir duschen schnell und packen die Sachen schon mal zusammen. Helmuth, Bernd und ich gehen noch kurz in die Stadt und suchen ein paar Mitbringsel, so richtig viel fällt uns nicht ein – eine Flasche Ararat und Kornelkirschen-Marmelade.

Das Wichtigste ist aber unsere Erinnerung an die Reise, davon nehmen wir vieles mit und gehen in ein kleines Restaurant. Bernd hat Hunger und bestellt sich ein Chorowatz, einen Fleischspieß in Lavasch mit Salat eingewickelt, während wir anderen einen Kaffee zu uns nehmen.

Draußen treffen wir auf einen BMW-Fahrer. Hubert steht mit seiner alten 1100er GS an der Straße, er erzählt ein wenig von seinem Vorhaben. Als Frührentner möchte er fast zwei Jahre bis nach Neuseeland fahren, in seinem Blog Richtung aufgehender Sonne kann man seine Reise verfolgen.

Auf dem Rückweg zum Hotel lernen wir die super Leistung der Jerewaner Polizei kennen. Zwei Polizeiautos fahren an die Kreuzung, Polizisten steigen aus und winken den Autos zu, schneller die Kreuzung zu verlassen, innerhalb von maximal vier Minuten ist die Kreuzung wie auch die ganze Straße leer. Eine Armada von schwarzen Limousinen rauscht nach meiner Schätzung mit hundert Sachen an uns vorbei. Kurze Zeit später ist wieder „normaler“ Verkehr, d.h. Die Straßen sind wieder voll.

Vardan holt uns um 19:00 Uhr beim Hotel ab, und wir gehen durch das Jerewaner Zentrum zu einem Restaurant, wo unser Abschiedsessen sein wird. Die Innenstadt ist gigantisch bei Dunkelheit. Alle großen Gebäude sind beleuchtet, und es herrscht reger Verkehr, sowohl auf als auch neben der Straße.

Nach einer dreiviertel Stunde sind wir am Ziel, ein typisch armenisches Restaurant, nicht wie es auf der Werbung steht, versichert Vardan.

Es ist gemütlich in dem Lokal, im Erdgeschoss spielt eine Gruppe kaukasische Musik. Varche und Vahe, zwei Freunde von Jürgen kommen dazu, und wenig später erscheint auch Milena, die armenische Reiseveranstalterin. Wir essen nationale Gerichte, trinken auch ordentlich, es macht Spaß, uns mit den Reiseleitern auszutauschen.

Milena hat uns ein Abschiedsgeschenk mitgebracht und wir unterhalten uns noch lange, feiern die schöne Reise bis tief in die Nacht.

 

Mittwoch 08.10.14 – 12. Tag

Der Abend ist sehr sehr lang und natülich feucht, wir überlegen ernsthaft ob wir uns nicht in die Bar setzen sollen, um auf das Taxi zu warten. Wir legen uns aber schlafen, werden aber schon nach einer halben Stunde geweckt. Es ist ziemlich heftig.

Pünktlich aber völlig erschlagen kommen wir am Flughafen an und hängen bis zum Abflug um kurz nach vier Uhr herum. Der Flug ist kurz, wir schlafen alle und kommen noch müder in Wien an. Jürgen und ich verabschieden uns von Helmuth und Bernd, die nach Frankfurt weiterfliegen. Unser Flieger geht auch pünktlich, und wir kommen ebenso pünktlich aber total erschlagen in Hamburg an. Ich brauche auch den ganzen Tag um wieder anzukommen.

Noch heute komme ich ins Grübeln über Armenien, über das was wir gesehen und erfahren haben. Armenien ist ein gebeuteltes Land, das trotz seiner Armut reizvoller und überraschender nicht sein könnte. Seit fast 3.000 Jahren sind die Armenier Prellbock zwischen den Kulturen, und vor allem die jüngere Geschichte ist von Konflikten geprägt. Die Vertreibung und Ermordung von 1,5 Millionen Armeniern 1915 durch die Türken, später der Zerfall des Sowjetreichs, verheerende Erdbeben und der immer noch schwelende Konflikt mit Aserbaidschan um die armenische Exklave Berg-Karabach haben das Land in tiefe Krisen gestürzt.

Teile des Landes sind durch dichte Wälder und die hohen Berge unerreichbar, und abseits vom schnellen Leben der armenischen Hauptstadt hinkt die wirtschaftliche Entwicklung sehr nach. Das Land ist wohl auf die etwa acht Millionen Auslandsarmenier angewiesen, die es mit ihren Devisen füttern.

Dennoch es ist ein sehr schönes Reiseland mit extrem freundlichen Menschen. Wir haben uns nie auch nur einmal unwohl gefühlt, im Gegenteil.