23.9. ab in die Wüste

Am Morgen kommt das GRAUEN: Die Chinesen haben den gesamten Speiseraum eingenommen und sind schon am Frühstücken, sie haben wirklich jeden Platz belegt. Das Buffet ist wie leer gefegt, es gibt kaum noch etwas, der Brotkorb ist fast leer, es gibt nichts Besonderes zu holen. Der Kellner bringt aber schon schnell Omeletts und legt Brot nach. Der Kaffee ist nur dünn und schmeckt nicht wirklich. Da wo ein Platz frei wird ist eine Schlachtfeld geblieben. Das Geschirr mit Essensresten, Servietten zusammengeknüllt und jede Menge Krümel und Brotreste. Wir nehmen  Platz, den eilige Chinesen schon mit ihren riesigen Koffern zum Bus gestartet sind und den wir räumen die Reste vom Tisch und nehmen unser Frühstück in aller Ruhe ein.

Dann ziehen wir uns auch um, bezahlen und fahren Richtung Erg Chebbi. Das erste Stück ist sehr langweilig und die Straße zieht sich schnurgerade Richtung Horizont. Wir durchfahren einige Dörfer und ich halte in Enzala, einem kleinen Dorf an und fotografiere eine Häuserzeile. Ein kleines Mädchen kommt zu mir gelaufen, die Mutter folgt ihr. Ich fotografiere die Kleine und zeige den beiden das Foto auf dem Display – sie freut sich darüber und lacht, die Mutter wird ernst und will Geld dafür. Ich rede mit Ihr darüber aber sie versteht mich natürlich nicht, ich sehe nicht ein für das Foto Geld zu zahlen und fahre los. Wenig später halten wir auf einem Pass um ein Foto von der wunderschönen Landschaft zu machen. Eine Frau mit großen aber total schiefen Zähnen im Mund taucht am Straßenrand auf, sie drückt die Fingerspitzen zusammen und zeigt auf ihren Mund – „sie will was zum Essen“ sage ich zu Barbara und sie gibt ihr die Apfelsine, die beim Frühstück übrig war. Auf dem Rücken trug die Frau ein kleines schlafendes Kind und sie ging die Straße wieder aufwärts.

Wir kommen zu einem kurzen Tunnel, dem Tunnel du Légionnaire, der uns in den Gorges Zis bringt. Die Landschaft ist einfach großartig und wir kommen aus dem Staunen kaum raus. Dann treffen wir auf eine langgezogene Oase. Als ich anhalte werde ich prompt von einem SUV-Fahrer auf Deutsch angesprochen, er drückt mir einen Prospekt des Hotels seiner Familie in Merzouga in die Hand – sehr freundlich. Barbara trifft auf Jungs, die nach Stiften und Schreibheften fragen – einige Kinder fragen auch nach Süßigkeiten.

Wenig später kommen wird in Meski an. Hier ist die kleine Palmenoase mit idyllisch gelegenen Campingplatz an den Quellen von Meski.

Mohammed, ein junger Berber, nimmt uns an der Schranke direkt in Empfang und erklärt in ziemlich gutem Deutsch, das er nur von Touristen lernte, die Entstehung der Quellen. Die Blaue Quelle entspringt unterirdisch aus dem Boden, die Fremdenlegion hätte oberhalb der Quelle eine Garnison gehabt und hier ein Schwimmbad gebaut. Überwiegend springen Jungs in das türkisblaue Wasser. Nach dem Rundgang zu den Quellen und entlang des kleinen Flusses kommt Mohammed wieder auf uns zu und will einen Tee ausgeben, der Tee sei im Eintrittspreis enthalten. Das ist schlau, denn wer lässt das aus. Wir müssen ihm in seine „Höhle“, wie er seinen Verkaufsladen nennt, folgen. Mit der Berber Zeremonie schenkt er den Tee ein – oh man, obwohl nur halbsüß ist der auch wieder übersüß und geht auf den Magen. Mohammed erzählt in sehr gutem Deutsch die Entstehung der Quellen, von seiner Familie und vom Leben seiner Familie.

Nun kommt er doch noch zum Geschäft, er breitet den Schmuck aus, zeigt einige Teppiche und ist nicht stinkig wenn wir nichts kaufen, behauptet er. Er war schon sauer als wir ohne ihm etwas abzukaufen aufstehen und schließlich gehen.

Es ist nicht mehr weit bis Erfoud, die Sonne brennt, das Thermometer zeigt 36° an und wir schwitzen heftig.

In Erfoud tanken wir nochmal voll und fahren die neue Asphaltstraße nach Merzouga, in einem Laden kaufen wir Wasser und fragen noch nach dem Weg zum Hotel – wir finden es auch schnell. Barbara mag das Hotel nicht – es ist zu leer und  die Zimmer zu düster. Wir fahren weiter zum Kasbah Erg Chebbi – wieder sind die Koordinaten falsch und das Navi führt uns in die Dünen. Als es sandiger wird, halte ich und prüfe unsere Position. Völlig falsch, das Hotel soll auf der anderen Seite der Düne liegen – das kann natürlich nicht ein, also wieder zurück. Der Tiefsand ist für die F800GS mit Heidenau nichts, du kriegst kaum Druck, das Vorderrad versinkt sofort, beim Wenden haben wir Probleme die Kisten nicht in den Sand zu kippen.

Wir fragen noch mal im Dorf nach und drei Jungs begleiten uns mit ihren Fahrrädern zur Asphaltstraße die zum Kasbah Erg Chebbi führt. Auch hier sind ein paar Sandpassagen auf dem Weg und ich muss all meine Fahrkunst suchen und fahre durch. Die Jungs verlangen logischerweise einen Obolus, wir geben ihnen sechs Dirham, die sie sich teilen sollen aber sie verlangen mehr, was wir aber aufgrund der geleisteten Arbeit nicht einsehen und fahren weiter.

Vor der Kasbah sind auch wieder einige Sandverwehungen und wir kämpfen uns mit den schweren Mühlen durch. An der Hausecke begrüßen uns zwei Enduristen, sie packen auch gerade die Motorräder ab.

Das Zimmer ist bedeutend schlechter als das in der Auberge Sahara aber die Lage des Hotels ist natürlich umwerfend, direkt an der Düne. Und wir haben auch keine Lust mehr wieder umzukehren und uns noch eine Herberge anzusehen.

Wir gehen zum Sonnenuntergang in  die Dünenlandschaft  und genießen die Weite. Der Berber, der in der Kasbah aushilft, kommt uns nach, macht ein Foto von uns und erzählt von sich und der Kasbah. Er schreibt unseren Namen in den Sand und fragt immer wieder wie es geht – irgendwann packt auch er seine Sachen aus dem Sack, Schmuck und geschliffene Steine, Kamele aus Stein, Seifenablagen – alles was man nicht braucht. „Leben und leben lassen“, ist seine Devise, die er mehrfach wiederholt. Er meint wir könnten ihm was abkaufen, damit er und seine Familie leben können. Ist schon logisch.

Nach dem Essen, was wieder der Berber serviert, ist schon dunkel und wir können den Sternenhimmel bewundern, der Hausherr knippst das Licht komplett aus und wir sehen einen kompletten Sternenhimmel, wie wir ihn in Hamburg nie zu sehen bekommen. Das ist schon eine super Stimmung.

Später gehen wir in unser Zimmer – mit kaputter Klimaanlage – und wir schwitzen heftig. Der Berber gibt uns den Tipp auf dem Dach schlafen zu können. Er legt eine Matratze bereit und wir holen die Bettsachen – unterm Sternenzelt schlafen wir auch bald ein. Leider wird es auch richtig kühl, die Bettlagen vermögen uns nicht zu wärmen und wir gehen gegen 2:00 wieder in das warme Zimmer.