26.9. die Schluchten Todra und Dardes

Ich muss in der Nacht doch noch einige Mal raus und bin auch nicht optimal ausgeschlafen aber wir wollen zur Todra-Schlucht und fahren auch zügig nach dem Frühstück los. Am Stadtrand tanken wir voll und fahren bei angenehmen Temperaturen durch die Stadt. Der Verkehr ist schon heftig, überholt wird auf beiden Seiten, da wo Platz ist und wir haben einige Male Glück nicht von der Straße abgedrängt zu werden. Irgendwann sind wir auf der engen Straße Richtung Todra und biegen auf die R703 Richtung Tamtatuchte.

An Straßenrändern sind viele Stände aufgebaut und zig Hinweise auf Kasbahs und Hotels sind zu erkennen. Doch es herrscht kaum verkehr, die Straßen sind fast leer und es sind keine Busse, keine Touristen unterwegs und werden wohl auch nicht erwartet. Schließlich erreichen wir die Todra Schlucht.

Bis zu dreihundert Me­ter hohe Wände ragen rechts und links des Flusses und an der engsten Stelle sind kaum zehn Me­ter Abstand zwischen den Fels­wän­den zu messen. Wir stellen die Motorräder ab und sehen uns die rot-gelben Felsen an. Am Ende der Schlucht kommt eine Frau mit Eseln an, die Wasserbehälter schleppen, um wohl am Fluss Wasser zu schöpfen. Wir fahren weiter und sind von den grünen Flächen beeindruckt. Hier direkt am schmalen Fluss ist Landwirtschaft angesiedelt, in den Feldern arbeiten einige Menschen. Es sind überwiegend die Frauen, die meistens gebückt im Grün stehen und irgendetwas grünes herausrupfen und an der Seite stapeln. Die Männer bewegen die Esel und Maultiere, beladen diese oder reiten mit Beladung auf den Tieren.

Die Felswände entfernen sich vom Fluss und wir sehen noch eine Herd von Schafen und Ziegen einen schwierigen Weg entlang klettern, wie an der Schnur gezogen laufen die Schafe und Ziegen hintereinander den engen Weg am Felsen. Die Schafe haben ein helles Fell, die Ziegen sind in schwarz gehalten – es sieht lustig aus, wenn sie abwechselnd hintereinander her laufen.

Ein Stückchen weiter kommen wir in Tamtatuchte an. Hier könnten wir links die Abkürzung zum Dardestal fahren, die Wegstrecke soll aber nach Hörensagen nicht ohne sein, deshalb entschließen wir uns die R703 weiter nach Agoudal zu fahren. Es wird diesiger und kühler, die Landschaft verliert aber durch die nun gewonnene Weite nicht den Reiz. Wir kommen an vielen kleinen Dörfern vorbei und fahren schließlich in Agoudal ein. Dort fragen wir Jugendliche, die an der Straße stehen nach dem Weg. Ganz stolz zeigen sie auf einen schmalen Weg zwischen zwei Häuser, den wir mit etwas Skepsis folgen. Ein paar Kinder folgen uns und wollen nach Süßigkeiten fragen, wir halten aber nicht wieder an und fahren die Schotterpiste und es ist der richtige Weg.

Der Weg schlängelt sich durch die rot-gelbe Berglandschaft, ab und zu tauchen kleine Dörfer auf, die verlassen wirken. Da überall Schafe herumlaufen, vermuten wir, dass auch hier Menschen leben, sie lassen sich nur nicht blicken. Ab und zu treffen wir auf Frauen, die mit Eseln den Weg herunterkommen. Welten prallen auf einander, wir mit den modernen Motorrädern und die Frauen mit Eseln vom Feld. Als eine Frau bemerkt, dass ich sie von weitem fotografiere, als Barbara an der Gruppe vorbeifahren will, fängt sie an zu schimpfen.

Die Schotterpiste schlängelt sich weiter auf und ab, und wir sehen ab und zu im tiefen Talausschnitt den Fluss Dardes. Mit langen Serpentinen geht es abwärts und wir erreichen in Moussa Wichou das Niveau des Flusses. Ab hier wechselt der Weg die Flussseiten und wir durchqueren das Flussbett mehrfach. Das Wasser ist ganz flach, die Schotterpiste gut geschoben, die Flussbettdurchfahrten sind überhaupt kein Problem. Es mag bei oder nach Regen anders aussehen, wir fahren leicht durch das trockene Flussbett.

In Msemir kommt die Querung von Tamtatuchte, der Beginn der Schotterpiste sieht aber noch leicht aus. Wir blicken mal kurz dahin und  fahren weiter.

Bald treffen wir auf Asphalt, eine herrlich ausgebaute Straße führt uns direkt zur Schlucht. Vorbei an Feldern, wo Bauern hauptsächlich Pappeln, Feigen, Mandeln, Nüsse, Granatäpfel und Gerste ernten. Dies alles wirkt etwas unwirklich vor dem roten Hintergrund.

Der Fluss hat die Berge ausgewaschen, so dass man fast Jahres- oder gar Jahrhundertringe in den Steilhängen erkennen kann. Dann erreichen wir das eigentliche Highlight – die Dardes Schlucht – in der engen und beeindruckenden Stelle der Schlucht ragen die Gebirgswände steil empor, die schmale Straße verläuft nun parallel zum Fluss und wir halten zum x-ten Fotostopp an. Die Straße schlängelt sich zwischen Felsen und Fluss hindurch und steigt schließlich in schönen Serpentinen in die Höhe.

Wir treffen auf das strategisch günstig gelegene Restau­rant, von dem wir einen gi­gan­tischen Blick hin­unter in die Schlucht und auf die Ser­pen­ti­nen haben. Wir halten an, suchen uns einen schönen Platz mit Blick auf die Schlucht und bestellen einen Café. Wir genießen die Aussicht und lassen uns einfach mal Zeit, die Gegend auf uns wirken zu lassen. Der Blick auf die Uhr und auf das Navi verrät uns, dass wir uns doch nicht mehr so gehen lassen sollten, wenn wir nicht im Dunkeln ankommen wollen. Wir kaufen noch 3 Postkarten und 2 Marokko-Aufkleber und bemerken erst auf der Abfahrt, dass wir abgezockt wurden – für 2 Kaffee, 3 Postkarten du 2 kleinen Aufklebern haben wir 19€ gezahlt – so eiskalt. Wir belassen es aber bei dem Ärger – doof bleibt doof.

Die Serpentinenabfahrt ist nicht so toll, da auf halber Strecke Straßenreparaturen stattfinden und die Straße wegen der Staubentwicklung nass gehalten wird und so den Belag spiegelglatt ist. Ganz vorsichtig fahren wir über die nasse Fläche und freuen uns als es wieder geradeaus geht.

Am Ende des Tales kommen wir in Boumalne de Dades an, vorher halten wir an einem Parkplatz, von wo aus ich eine witzige Felsformation fotografieren möchte. Ein in grün gekleideter Mann steht im Bild, bewegt sich auf uns zu, als er nah genug herangekommen ist kann ich ihn ausblenden und die Landschaft fotografieren. Als motorradfahrender Ire stellt er sich vor und erzählt mit heftigem Dialekt über seine V-Strom und fragt uns nach den Heidenaus. Wir gucken auf die Uhr, der Ire hat Verständnis und wir fahren in Boumalne auf die N10 Richting Tineghir. Die Straße ist breit ausgebaut und wir kommen mit knapp 110km/h gut voran.

Kurz vor Tineghir tanken wir und kommen gegen 18:30 an und werden vom Pförtner begrüßt. Sie haben sich schon Sorgen gemacht und er fragte wor wir gewesen sind. Wir unterhalten uns kurz und der alte Mann bewundert uns: „very long distance“

Den Abend lassen wir bei einem leckeren Bier – Casablanca- und Fleischspieße mit Reis zu Ende gehen.