27.09. über den Atlas

Wir schlafen fest, stehen aber morgens recht früh wieder auf, packen alles und gehen frühstücken. Der alte Pförtner ist schon wieder da und wünscht uns einen guten Morgen. Das Frühstück schmeckt wieder und wir lassen uns Zeit, weil das Essen wieder schmeckt.

Ich hole die Motorräder aus dem Hof und stelle sie auf den Vorplatz, die Koffer sind schnell angebaut und die Rollen sind schnell verpackt. Wir zahlen unsere Rechnung und die beiden alten Herren winken uns zu als wir vom Hof rollen.

Es ist extrem windig und die Motorräder fahren leicht geneigt auf der gut ausgebauten Straße, der N10 bis Boumalne. Danach geht es auf der nicht ganz so breit ausgebauten N10 weiter nach Skoura. Der Wind ist der gleiche und überall wehen Plastikbeutel, Plastikflaschen und Büschel über die Straße. Der Sand peitscht über die Straße. Wir halten gar nicht an und fahren relativ langsam auf der Route de Kasbah, die Route soll eine der schönsten Reiserouten Südmarokkos sein, vorbei an jahrhundertealten Lehmburgen der Berber, ausgedehnten Palmenoasen. Leider ist es dicht bewölkt und stürmisch und die Luft wird durch herum wirbelnde Sandkörnchen getrübt.

Erst in Skoura lässt der Wind nach und wir biegen nach Vorgabe des Navi rechts ab in den Ort. Durchqueren die Händlerstraße und biegen wiederum links ab auf eine kleine Schotterpiste. Barbara ruft von hinten, das könne nicht sein, ich bestehe aber auf die Weiterfahrt und wir kommen an einem Flussbett mit losem Schotter an. Mir macht die Fahrt auch auf dem weiteren leichten Schotterweg richtig Spaß aber werde von Barbara gestoppt. Wir kehren um und fragen nach dem Weg, der alte Mann versucht zu erklären, dass der Weg gar nicht geht und wir sollten zurück auf die Hauptstraße. Dem folgen wir schließlich und fahren auf der N10 bis zur „richtigen“ Abbiegung auf die R307.

Zunächst ist die Straße eher langweilig weil sie endlos gerade ist aber nach etwa 30km geht es aufwärts und die Straße wird kurviger, die Berge sind braun bis schwarz gefärbt und das Ganze wirkt ein wenig wie eine Mondlandschaft.

Auf der schmalen Straße, die sehr unregelmäßig ausgebaut ist, kommen uns immer wieder plötzlich und unerwartet diese kleinen Mercedes-Busse entgegen. Die Busse sind vollgeladen mit Menschen, auf dem Dach werden oftmals Material, Stroh, irgendwelche Pakete gepackt und auch Personen transportiert. Atemberaubend, wie die Busse durch die Kurven preschen, vor allem bergab haben sie echt Tempo drauf, bergauf hat der Motor echt zu arbeiten, was der schwarze Qualm am Auspuff andeutet.

Wir erreichen bald den bis zu 2150m hohen Tizi-n-Outfi-Pass, ab hier ist die Straße auf unserer Karte als besonders schön gekennzeichnet und die Karte lügt nicht. Die Straße wird nun auch zusehend schlechter, Einige Flüsse überfahren wir über kleine Brücken, die bei Regenfällen sich überspült werden. Hier überwiegt die Piste und wenn sich Asphalt durchsetzt, sind tiefe Löcher drin.

Aber die Aussicht ist gigantisch, wir schauen mehrfach in ein Tal und über Bergrücken. Leider kommen auch die Kleinbusse entgegen, in einer Kurve muss ich von der Straße runter und halt am Randstreifen ausweichen, Gott sei Dank ist ein Randstreifen da und ich habe Platz genug. An anderen Stellen wäre es eng geworden.

Ein paar Kilometer vor Demnate halten wir bei der Naturbrücke Imi-n-Ifri an, Die Brücke ist über den Fluss gespannt, der gleichzeitig bei entsprechendem Wasser in die tiefe Schlucht fällt. Wir halten nur kurz an, um uns einig zu werden ob wir in Demnate eine Unterkunft suchen – dem Wasserfall statten wir keinen Besuch ab, zu einem ist es schon wieder richtig warm und der Fluß ist eher ein Rinnsal.

An einer an der Straße liegenden Kasbah halten wir an und Barbara geht hinein um sich das Zimmer anzusehen, während ich draußen mit einem Mann unterhalte. Im gebrochenen Englisch erzählt er mir dass die Kasbah die Beste in der Gegend sei, super Zimmer und „small Price“ hat. Barbara kommt kopfschüttelnd zurück, von außen sieht die Kasbah romantisch und schick aus aber von innen total schmuddelig, für den Preis finden wir was Besseres. Ein paar Kilometer weiter sehen wir das Schild der Maison d’hotes Tizouit. Der Weg ist extrem uneben aber nach eineinhalb Kilometer sind wir am Ziel. Gerade wird ein Auto mit französischen Damen ausgeladen. Barbara geht in die Anlage und kommt grinsend wieder – Wahnsinns Anlage. Wir stellen die Motorräder unter den Olivenbäumen am Weg ab und tragen die Klamotten in unser Häuschen. Die Aubérge besteht aus dem Haupthaus und verschiedenen kleinen Häusern. Unser Haus liegt weiter unten und beherbergt das Schlafzimmer und das Bad, davor ist eine eigene Terrasse mit zwei Schaukelstühlen. Das Häuschen ist super eingerichtet und wir sind uns einig hier mindesten zwei Nächte zu bleiben.

Wir gehen dann auch bald in den Naturpool, kühlen uns ab und genießen auf der großen Terrasse den Blick über die Landschaft. Essen gibt es erst um 20:00 Uhr, so haben wir Zeit genug uns frisch zu machen und uns noch auf ein Bier zu freuen.

Das Abendessen wird im Haupthaus eingenommen – Vorspeise, Hauptspeise und Nachtisch, dazu einen marokkanischen Wein – ein luxuriöser Abend geht langsam zu Ende. Nach der langen Überfahrt auf der R307 haben wir uns dieses Tagesende verdient und gehen auf unsere Terrasse wo wir den Grillen ein Zeit lang zu hören.