29.9 durch den Antiatlas bei Regen


Die Frau hat eine nette Abwechslung beim Frühstück, wieder gibt es Leckeres. Nachdem alles verstaut ist, bezahle ich die Rechnung, die nicht gerade klein ausfällt aber die Tage sind es wert.
Zunächst fahren wir den gleichen Weg bis zur Abbiegung nach Ouzouf, wir bleiben auf der R304 bis Azilal. Hier halten wir am Straßenrand an und bestaunen den riesigen Markt – auf mehr als 5km² findet hier ein riesiger Markt statt. Während wir hier pausieren und den Markt beobachten, kommt eine Gruppe der Vogelpartei vorbei, drückt uns einen Zettel in die Hand. Auch hier ist wieder zu beobachten, dass es überwiegend junge Leute sind, ausgestattet mit Laibchen und Kappe, jeweils mit dem Symbol der Partei bedruckt, grölend durch die Straßen laufen. Auf uns macht es den Eindruck, dass die Parteien sich die jungen Leute kaufen um für sich zu werben.
Unterwegs kommen uns auch immer wieder Gruppen mit Auto entgegen, gleiches Schema, junge Leute mit den Utensilien bestückt, grölend mit Fahnen winkend auf und in den Autos.

Die Landschaft ist fantastisch, zunächst fahren wir nördlich am Stausee Barrage Bin-el-Ouidane vorbei – teilweise ist hier militärisches Sperrgebiet, das Schild ist eindeutig – Fotografier-Verbot.
Die Straße führt auf über 1800m, die Farben der Berge wechseln von Rot bis Gelb. Irgendwann machen wir im Schatten eines einzelnen Baumes Pause und essen das Brot, das wir noch in Demnate gekauft haben. Oberhalb der Berge ziehen die Wolken verdächtig schwarz zusammen und wir fahren dann auch weiter und erreichen die N8 bei El Ksiba, die wir dann bis Khenifra fahren wollen. Wir werden aber von einem Regenschauer gestoppt, den wir ja schon von weitem gesehen haben. Es gießt wie aus Eimern, die Straßen stehen schnell voller Wasser, braun-rote Soße fließt überall und wir erkennen kaum noch die Straße geschweige die Schlaglöcher. An einer Tankstelle halten wir an und warten mit hundert anderen auf das Ende des Schauers. Neben mir steht ein verschleiertes Mädchen, sie starrt immer nur auf den Boden, erst als wir wieder aufsteigen und weiter fahren grinst sie kurz rüber. Wir sind trotz fehlender Regensachen nicht wirklich nass geworden und fahren weiter. Auf der Straße liegt nun der Schlamm des Wassers die Schlaglöcher sind mit dem bräunlichem Wasser gefüllt und wir erkennen diese kaum. Wir dürfen eben nicht durch die Pfützen fahren, sie könnten auch tief sein.
Als wir halbwegs in Khenifra ankommen scheint auch wieder die Sonne. In einer Bäckerei kauft Barbara Brot und leckere Kekse ein, bevor wir die ausgesuchte Unterkunft auf der Nebenstraße hinter Khenifra suchen. Die Unterkunft entpuppt sich als verlassene Ruine, kein Wunder, dass wir keine Antwort auf unsere Mail bekommen haben. Obwohl der Reiseführer recht aktuell ist, steht das Hotel als gute Unterkunft beschrieben im Buch. In Realität ist sie seit Jahren verlassen und mittlerweile verfallen, teilweise zugewachsen, der Pool ist trocken und vollgewachsen mit Büschen – da sind alle Zimmer frei.

Wir fahren zurück Richtung Khenifra, wo wir bald ein weiteres Hotel finden – es sieht schon merkwürdig aus, Barbara fragt dennoch und kommt kopfschüttelnd zurück. Also fahren wir wieder nach Khenifra zurück und suchen dort ein Hotel. Wir werden bald fündig, nichts Besonderes – ein großes Haus mit großen Zimmern, die Motorräder stehen sicher im Hof. Auf Abend essen verzichten wir und essen die Brotreste, Tomaten und Gurken. Bei offenem Fenster legen wir uns schlafen und hören wie es draußen wieder regnet.