30.9 Nationalpark und Affen

Das Frühstück ist wie das Zimmer – eher schlecht und bescheiden. Wir brechen auch schnell auf, um den Laden zu verlassen und befahren die Nebenstraße durch den Park National de Aguelmame Azigza. Wir fahren eine Zeit lang parallel zum Fluß Oum er-Rbia, und kommen schließlich an den Quellen des der längsten und wasserreichsten Flusses Marokkos an.

Ich fahre in den kleinen Ort, während Barbara ein Stück die Straße hochfährt. Rings um den Platz mitten im Dorf rauscht das Wasser vorbei, die Quellen sind nicht weit entfernt, sagt mir ein Junge, der mich überreden will, dass er mich hinführt. Von einer Plattform direkt vor den Wasserfällen etwas unterhalb des Weges soll man die Quellen des Oum er-Rbia erkennen. Doch das Motorrad möchte ich nicht alleine lassen und fahre zur Straße zurück.

Am Ufer des Flusses stehen einigen Hütten direkt am bzw. fast im Wasser, einige sind mit Teppichen ausgelegt, wir vermuten, dass hier Teppiche gereinigt werden. Auf der Straße kommen einige Eselskarawanen mit Wasserbehältern entgegen, sie wollen wohl an den Quellen frisches Wasser holen.

Die Straße ist klasse, kurvig, eben und führt durch wunderschöne Landschaft, ähnlich wie im Schwarzwald. Wir kommen an mehreren Zeltdörfern vorbei, wo Schafhirten mit ihren Familien wohnen. Die Schafherden sind so groß, wie wir sie noch nicht gesehen haben, sie verteilen sich aber gut in dem hügeligen Gebiet. In einem Waldstück treffen wir nun auf Berberaffen, die hier in den höhergelegene Eichen- und Zedernwälder einen guten Lebensraum finden. Sie stehen auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten (IUCN). Als ich den ersten Affen sehe halte ich an, wir stellen die Motoren aus und warten. Die Affen sind ja meistens in Gruppen unterwegs und so ist es auch hier, nach und nach kommen die Tiere über die Straße, große Erwachsene und kleine, einige Affen haben ihr Kleines am Bauch. Wir haben nicht gezählt aber es waren bestimmt zwanzig Tiere, die nach und nach die Straßenseite wechseln. Versteckt unter den Eichenbäumen spielen die Jungtiere und tollen umher.
Wir fahren weiter durch den Zedernwald, treffen immer mal auf Schafherden und kommen bald in Azrou an. Wir hatten uns den Campingplatz Camping Amazigh auf halber Strecke zwischen Azrou und Ifrane ausgesucht. Als wir auf den Hof rollen, steigt Amed aus seinem Auto, wo er Mittagschlaf gehalten hatte. Er zeigt uns die Zimmer und wir entscheiden uns für das Erdgeschosszimmer. Ein total einfaches aber sauberes Zimmer mit Bett und zwei Hockern bestückt.
Nachdem wir uns kurz frisch gemacht haben fahren wir zurück nach Azrou. Leider sind wir zu früh und alle Geschäfte sind noch verschlossen. Wir bummeln ein wenig umher, trinken in einem Café eine Cola und gehen wieder umher. Gegenüber von unserem Parkplatz nehmen wir in einem Restaurant Platz und essen wie üblich Spieß und Reis – das können wir am besten vertragen – so gibt es keinen Ärger mit Durchfall hoffen wir.
Gleich neben an ist ein Teppichladen – ein grüner Teppich gefällt uns auf Anhieb, als wir nach dem Preis fragen können wir nur zustimmen – ohne Verhandeln kaufen wir den Teppich, er war für uns 80€ wert, bei uns kriegt man den dafür nicht – im nach hinein fanden wir uns doof, wir hätten handeln sollen aber nun ist´s zu spät. Letztlich sind wir zufrieden und der Teppichhändler erst recht. Er hat nämlich seine Laden geschlossen, nachdem wir weg waren.

Der Bummel durch die nun belebte Medina brachte keine neuen Erkenntnisse und wir gehen durch eine Gasse, wo lauter Frisörgeschäfte aneinander gereiht sind, alle sind voll besetzt. Etwas weiter im gleichen Gang stinkt es widerlich und wir treffen auf völlig überfüllte Hühnerställe, der Gestank ist bestialisch und wir sind froh wieder draußen zu sein. An einem Autokreisel pfeift ein Polizist aus sicherer Entfernung den Verkehr an und glaubt ihn damit zu regeln. Das Chaos ist aber perfekt, alle fahren rein, drängeln und hupen – dazu das Pfeifen des Polizisten – einfach köstlich.
Als der Muezzin noch dazu ruft fahren wir wieder zurück zum Campingplatz, wo mittlerweile ganz schön was los ist. Einige Auto und auch zwei Motorräder stehen auf dem Platz. Wir genießen den Abend noch vor unserer Tür, unterhalten uns noch kurz mit einem der beiden Motorradfahrer und legen uns bald schlafen.