01.10. von der Einsamkeit in die Stadt


Wir frühstücken am Tisch vor dem Büro des Chefs und werden gut bedient. Wir packen als bald und bezahlen und erhalten noch zwei schöne Aufkleber des Campingplatzes – Amazigh bedeutet „Die Freien“ und stolz gibt er uns die Kleber und deutet auf unsere Koffer.
Wir fahren direkt auf die N8 über Ifrane in Richtung Fes, überall kommen uns Kolonnen mit Parteiwerbenden entgegen oder sie stehen auf der Straße und verteilen Zettel. In Imouzzer-el-Kandar ist richtig Stau, wir fahren an der Schlange vorbei, weil uns die Autofahrer zu winken. Der Grund des Staus ist eine Parteikundgebung – wieder einmal die Trecker Fahrer. Sie bilden eine schmale Gasse und lassen uns durch. Ein junger Mann drückt mir ein Fähnchen in die Hand und ich stecke sie am Lenker fest und fahre vorsichtig durch Menschenmenge. Alle sind lustig und freuen sich, unter anderem sind sie augenscheinlich auch stolz uns durchzulassen.
An einem Café halten wir und trinken eine Cola bzw. einen Kaffee. Auch hier kommen die Trecker Fahrer und verteilen Flugblätter. Die Fahne war blöderweise vom Motorrad weggeweht und so muss ich ohne Werbung in die Stadt Fes fahren. Es ist nicht viel los und uns fällt es leicht auf der Einfallstraße zum Zentrum zu kommen. Lediglich die Kreisverkehre sind nicht ohne. Während die Straße mehrspurig genutzt wird, werden im Kreisverkehr beide Spuren vereinigt und als nur eine Spur genutzt, die Autofahrer schneiden die Kreisverkehre derart, dass es für einen weiteren Verkehrsteilnehmer keinen Platz mehr gibt. Wir bleiben vor den Kreisverkehren einfach etwas zurückhaltend und lassen die Einheimischen vor. Blöderweise sehe ich zweimal die rote Ampel nicht und knalle bei voll ROT über die Kreuzung – es hat sich aber auch keiner beschwert.

Gegen 14:00 kommen wir nach etlichen Kreisverkehren am Hotel Blue Sky an. Ich gehe ins Gebäude und der Hotelrezeptionistin schickt den Pagen raus, um uns das Tor zur Garage zu öffnen. Blöderweise steht ein Auto vor dem Tor, dass ich die Motorräder über den Bürgersteig bugsieren muss, um in die Garage, die gleichzeitig zum Wäschetrocknen genutzt wird, zu gelangen. Die Motorräder stehen trocken und wir sind froh die Sachen nicht komplett ab rödeln zu müssen.
Wir gehen auf unser Zimmer und duschen kurz, bevor uns die Rezeptionistin den Weg zur Altstadt erklärt. Keine 50m müssen wir zurücklegen, um das Tor zur Medina zu durchschreiten. Ein Getümmel empfängt uns. Da wir hungrig sind, nehmen wir an dem ersten Straßenrestaurant Platz und bestellen Spieß mit Reis. Während wir essen können wir den Trubel in den engen Gängen beobachten, wie die Touristen von den Kellnern überredet werden, Platz zu nehmen und etwas zu verzehren. Zu gleicher Zeit kommt ein Gaukler und singt, tanzt und haut Schellen zusammen, echt krass – das Publikum fühlt sich von dem herum hüpfenden Mann nicht belästigt, er belustigt nur.
Wir gehen dann weiter in die Medina Richtung südlichem Stadttor und sehen jede Menge Kleiderstände, Geschirr- und Porzellan und später Obststände, Wassermelonen sind in drei bis vier Etagen aufgetürmt. „Wenn ich die unterste Melone haben möchte, rollen alle runter“ denke ich bei mir. Es folgen Stände mit gerupften Hühnern und an Haken hängenden Lämmern.
Der Platz an dem Tor ist voller Kleinbusse, Autos, Eselkarren und Menschen. Ware wird angeliefert und abgeholt, es herrscht reger Austausch. Das Tor ist mit Mosaik verziert und ist wunderschön anzusehen, wie übrigens alle Tore, die in die Medina hineinführen. Wir gehen wieder zurück in die Medina und kommen wieder durch die Vielfalt der Stände, an dem Gewürzstand probieren wir die Gerüche aufzunehmen aber irgendwie riechen die Proben wie alles hier, man kann es kaum unterscheiden.

In einem Schuhladen kauft Barbara Schlappen aus Leder, sogenannte „Babuschen“ für ganze sieben Euro, ein paar Euros hatte sie doch noch abgehandelt – die Kaufleute wollen das auch so.
Wir besichtigen die islamische Hochschule Medersa Bou Inania, die zwischen 1350 und 1357 erbaut wurde. Der Gründer Sultan Abou Inan wollte hier eine Koranschule errichten, die an Größe und Schönheit aller bereits vorhandenen übertreffen sollte. Von 1995 bis 2004 wurde die Schule renoviert und die aufwändigen Fayence-Mosaike, Holzschnitzarbeiten konnten wir an den Wänden und Böden bewundern. Der Eintritt von 10DH war es wert.

Die Teppichhändler in den Gassen wittern Ihr Geschäft als wir vorbeischlendern und auf die an den Wänden hängenden Teppiche blicken. Aber wir bleiben hart und kaufen nichts – wir haben ja schon einen. Wir merken aber schnell, dass wir für unseren Teppich eindeutig zu viel bezahlt haben – egal, er gefällt uns.

Die engen Gassen in der Medina beherbergt alles, kleine Cafés, Lederwaren-, Kleidung-, Porzellan- und Zigarettenhändler, dazwischen hämmern Kupferschmiede ihre Kessel und Lampen. Vor einem Café an dem schönen Platz „Place Seffarine“  trinken wir eine Kaffee und beobachten das Treiben – mehrere Schmiede haben sich auf dem Platz breit gemacht und sind oft Fotomotiv für die internationalen Touristen – für uns ja auch. In der Mitte des Platzes ist der öffentliche Brunnen, mit dem aufwendigen Zelije-Mosaik aus dem 17.Jahrhundert platziert.
Die Händler sind schon aufdringlich und wollen ihre Ware an den Mann oder Frau bringen, doch sie wurden nie unverschämt, waren kaum beleidigt wenn man abdankte und weiter ging. Nur am Abend als wir uns ein Restaurant suchten wurde ein Typ auffällig unverschämt, dass wir nicht seine Karte anschauen sondern direkt zum Restaurant mit Dachterrasse gingen. Er schimpfte Barbara an, dass sein Essen besser wäre als das auf dem Dach und pöbelte eine Weile. Die Aussicht auf dem Dach war nett, leider hatte der Junge Recht, das Essen war nicht prickelnd, er hätte freundlicher sein müssen und wäre dann wohl überzeugender gewesen.