2.10. Fes und die Gerber

nach dem Frühstück auf der Dachterrasse gehen wir wieder in die Medina und gehen direkt zum Gerberviertel. Unterwegs werden wir zweimal angesprochen und werden eingeladen uns die Gerbereien anzusehen, die ja die besten und schönsten Lederprodukte produzieren, die es in Marokko gibt. Beim dritten jungen Mann können wir nicht widerstehen und gehen mit.

Die gemauerten Bottiche sind zwischen den Häusern eng eingebaut, sehen sauber aus und es ist nicht viel los. Der Gestank des Gerbprozesses ist schon extrem, dafür erhalten wir am Eingang Minzeblätter, die den Geruch übertönen sollen. Wir verweilen und sehen den Gerbern bei der Arbeit dort unten in der Brühe zu, ganz schön mühsam und sicher nicht gesund.

Nach der Besichtigung muss man durch das Ledergeschäft gehen, an alle Lederprodukte vorbei und natürlich halten wir an einer sehr schönen Tasche an, die uns der kleine Händler für 1000 Dirham anbietet aber Barbara lehnt ab und sagt maximal 400DH. Mit einem enttäuschtem Gesicht versucht er den Preis anzuheben, Barbara bleibt standhaft und wir gehen zum Ausgang, einen Meter vorher fängt der Händler uns ein und sagt 500Dirham, seiner Familie ginge es schlecht aber der Chef sagt er müsse verkaufen. Na gut, 450 und der Deal geht klar. Nach dem Bezahlen war er trotzdem sehr zufrieden und wünscht uns einen schönen Tag.

Wir gehen noch weiter, es soll noch das große Gerberviertel sein, das wir unbedingt besichtigten wollen. Wir werden wieder von jungen Männern eingeladen, durch die Lederläden zur Besichtigung der Gerber zu gehen. Auf einer Terrasse kann man die Bottiche gut erkennen. Die Männer stehen in kurzer Hose in der penetrant stinkenden Brühe, trampeln barfuß auf dem darin befindlichen Leder herum. Zuerst wird gegerbt, dann getrocknet und schließlich gefärbt. Die Händler betonen, dass hier im Gerberviertel von Fès nur traditionelle Methoden angewandt werden. Keine moderne Chemie sondern Extrakte aus Baumrinden stammen, zusätzlich wird leicht ätzender Taubenkot eingesetzt, der die Häute zusätzlich weich werden lassen soll.
In den Läden sollen wir logischerweise wieder Ware kaufen, da wir bereits bedient sind verlangen die Händler je Person 10 Dirham – ist ja auch ok.
Auf einem großen Platz außerhalb der Medina setzen wir uns auf die Steinbank im Schatten und beobachten Jungs beim Fußballspiel. Taschen bilden das Tor, die Jungs laufen in kaputten Turnschuhen, Schlappen oder auch barfuß über den Platz und spielen richtig gut, die meisten haben irgendwelche Trikots ihrer Idole. „Messi“ ist ganz oft zu lesen.
Wir schlendern wieder durch die Medina zurück zum Hotel und machen uns für den Abend frisch. Aus dem Reiseführer hatten wir uns das Lokal „The Ruined Garden“ ausgesucht und gehen durch die nun schon dunklen Gassen der Medina und nehmen in dem botanischen Restaurant Platz. Es gibt nur eine geringe Auswahl und das angebotene Essen entspricht nicht meinem Geschmack. Aber die Lokalität ist schon witzig.