Informationen zu Armenien

Allgemeines

Wir haben die Tour bei Mottouren gebucht. Jürgen Grieschat arbeitet in Armenien mit einer Reiseagentur und einem Motorradverleiher zusammen, die ihre arbeit super gemacht habe.
Unsere Anreise war von Hamburg bzw. von Frankfurt mit Tirol Airlines nach Wien und weiter nach Eriwan. Leider waren die Flugzeiten in die Nacht verlegt.

Das am Südrand des Kleinen Kaukasus liegende Gebirgsland Armenien ist etwa so groß wie Brandenburg. Es hat eine uralte Geschichte und gilt als erster stark christlich geprägter Staat der Welt. Im Jahr 2001 feierte die Armenische Apostolische Kirche ihr 1700-jähriges Bestehen. Sie war stets ein Symbol der Zusammengehörigkeit, weshalb die Armenier trotz häufiger Fremdherrschaft, verbunden mit Vertreibung und Massenexodus, ihre sprachliche, ethnische und kulturelle Identität bewahrten. Armenien entwickelte sich zu einer Hochkultur für Literatur und Baukunst. Es besitzt unzählige Baudenkmäler die UNESCO – Weltkulturerbe sind.

Armenien-Karte

Hauptstadt: Eriwan (Yerevan, Jerewan)
Staatsform: Semipräsidiale Republik
Währung: Dram (AMD) 1 Euro entspr. Ca. 510 Dram
Fläche: 29.800 km²
Bevölkerung 2,99 Mio
Sprachen Armenisch
Religionen: Armenisch-Apostolisch

Karten und Reiseführer:

 
Reise Know-How Landkarte Armenien 1:250.000 sehr gute Karte, hat auch viele Nebenstraßen
 
eins der wenigen Reiseführer mit sehr viel Informationen
ein leckeres Kochbuch, mit vielen Tips und Anregungen über die armenische Küche. Aha, das haben wir gegessen. Es erzählt auch viel von der Lebensweise der Armenier

 

2.10 – Grenzgebiet und Bekanntschaft mit Hirten

Donnerstag 2.10.14 – 6. Tag

Am Morgen frühstücken wir auf dem Balkon, die Sonne scheint und drängt den Nebel weg, es ist schon früh recht warm. Das Frühstück ist toll, mit süßem Kuchen, gefüllten Blätterteigtaschen, leckerem Schafkäse, das übliche Brot und Lavasch mit verschiedenen Marmeladen und Botok (eingelegte grüne Walnüsse), dazu gibt es wie oft Tomate und Gurken.
Wir verabschieden uns von der überaus gastfreundschaftlichen Familie und vom Kleinen und fahren die Schotterpiste runter zur Hauptstraße. Auf der Straße laufen Pferde, die Reißaus nehmen als wir näher kommen. Im Galopp rennt die Herde entlang der Straße und verschwindet an einem Tor.
In Ijevan tanken wir und suchen nach einem Reifenhändler, wo Vardan Jürgens Reifen flicken möchte.

An einem Nightclub halten wir und schieben Jürgens XT zur anderen Straßenseite, wo der Reifenhändler Vardan alles zur Verfügung stellt. Vardan tauscht den Schlauch in kurzer Zeit, und das Hinterrad ist auch schnell wieder montiert, während wir die Menschen und den Verkehr auf der belebten Hauptstraße beobachten.

Nachdem alles wieder verstaut ist fahren wir wieder in das Zentrum Ijevan und biegen links Richtung Berd ab. Anfangs ist die Straße noch asphaltiert, wir passieren einige kleine Vororte von Ijevan und schließlich wird die Straße zur Piste. Es staubt ganz ordentlich und wir fahren die Serpentinen hoch. Dann treffen wir auf eine Baustelle, die Lkw und Bagger stehen auf dem Weg und wühlen alles kaputt, die Serpentinen sind schwer zu fahren, der Sand ist rutschig und von dem Schwerverkehr aufgewühlt.

Aber wir schaffen die 2 km und gelangen auf eine Ebene, wo Vardan an einem Schuppen anhält. Zwei Männer stehen draußen und winken uns zu. Wir halten alle, und schnell gesellen sich vier weitere Männer dazu. Wir möchten doch einen Kaffee mit ihnen trinken, sagt Vardan und wir freuen uns auf das Angebot.

Der scheinbar Ältere zeigt uns den Weg in die Hütte durch die kleine Tür. Die Wände sind mit weißer Plastikfolie aus alten Plastiksäcken mit dem Aufdruck „50kg Wheat flour Gift of Russia“, der Boden besteht aus verdichtetem Lehm. Ein Tisch und rechts und links davon stehen Betten, der Raum wird von einem Stahlofen beheizt.
Der Hausherr stellt einen Kunststoffbehälter mit eingelegtem Krautsalat und zwei Teller mit verschiedenem Schafkäse auf den Tisch, das Brot wird auf dem Stahlblechofen geröstet.

Er braut den Kaffee und reicht jedem eine Tasse. Es ist richtig warm in der Hütte. Wir unterhalten uns prächtig, Vardan übersetzt fleißig und die Hirten freuen sich, endlich mal wieder fremde Leute zu sehen. Wir sind auf ungefähr 2.200m und die Leute wohnen hier mit fünf Familien im Sommer.
Sie fahren nur ab und zu mal in die Stadt Ijevan oder Berd. Im Spätherbst bringen sie das Vieh in das Tal.

Der Pass wurde im Zuge des Krieges gegen Aserbaidschan ausgebaut, heute verlieren sich hier selten Menschen.
Sie leben völlig autark, Lebensmittel pflanzen sie selber an, ab und zu gehen sie zur Jagd, der Hausherr zeigt uns seine Waffe. Die Kuh- und Schafsherden müssen vor wilden Tieren beschützt werden, sagt der ältere. Wölfe und Bären sind hier häufig zu sehen, aber auch Wildkatzen und Luchse reißen schwache Tiere.

Nachdem wir gut gestärkt sind, gehen wir wieder in die frische Luft und starten die Motorräder, die Hunde bellen und die Männer winken freundlich zum Abschied.
Bei Navur biegen wir rechts ab, teilweise ist die Straße befestigt, doch überwiegend haben wir Schotter auf der Piste. Die Landschaft ist herrlich, weite Täler mit Wiesen und teilweise Wälder.

Wir kommen in das Dorf Gosh, wo sich ein ehemaliges armenisches Kloster aus dem 12. bis 13. Jahrhundert befindet. Das gut erhaltene Bauwerk wird nicht mehr kirchlich genutzt und wird wie schon häufiger gesehen restauriert. Auf dem Vorhof ist die Statue von Gregor dem Erleuchter, oder auch Gregor der Illuminator. Mit Kapuze und bitterer Mine hält die Bronzestatue eine Waage in der Linken und beobachtet die Kirchgänger.
Nachdem wir die Kirchen besichtigt haben, erholen wir uns in einem Café, die gute Frau serviert Thymiantee, mit etwas Zucker ist der Tee richtig erfrischend. Ich nehme mir auch einen Beutel getrockneten Tee mit.
Wir erreichen wieder die Hauptstraße, und die Motorräder laufen schön ruhig auf dem guten Asphalt, irgendwie erholsam.

Doch Vardan biegt wieder ab und wir fahren auf einer halbwegs zerstörten Straße mit vielen Kurven in dichtem Wald zum Parz Lich, d.h. klarer See. Er soll zu den schönsten Seen Armeniens gehören und befindet sich auf 1400m. Der See scheint aber nicht klar, sondern eher grünlich verdreckt. Am See hat sich eine Gastronomie niedergelassen, ein Restaurant mit sehr vielen Tischen, ein Imbiss ist direkt daneben. WiFi ist auf großen Schildern propagiert, und wir haben Empfang.

Wir spazieren auf und ab bis wir auf eine Gruppe älterer Damen treffen. Eine kann etwas deutsch und sie haben viel Spaß, als wir uns mit ihnen unterhalten. Ganz überrascht sind sie als Jürgen etwas auf Russisch sagt. Sie fangen an zu singen und lachen.
Den holprigen Weg fahren wir wieder zurück und fahren nun etwas zügiger, denn ab Dilijan wird die Straße besser. Vardan gibt Gas, es ist ja auch schon wieder nach 17:00 Uhr.

Irgendwo bei Margahovit hält Vardan an und erklärt, dass die neuen Gebäude unterhalb der Straße eine internationale Schule seien. 2.500 bis 3.000€ pro Monat soll der Schulplatz kosten. Wir stehen gerade bewundernd an der Straße und sehen uns den gepflegte Campus mit mehreren Gebäuden, verschiedenen Sportplätzen an, als uns einer von drei Jungs in englisch anspricht. Where do you come from? Fragt er in akzentfreiem Englisch.
Er stellt sich und seine Kollegen freundlich vor und fragt uns, warum wir Armenien besuchen. Die Jungs sind an der Schule und kommen aus Georgien, der Ukraine und Armenien. Der Armenier lebt aber in St. Petersburg. Die Jungs sind gut gekleidet und fragen sehr höflich aber bestimmt und verabschieden sich mit netten Worten. Die müssen viel Geld zu Hause haben.

Wir haben es nicht mehr weit zum Hotel, das aus dem Haupthaus mit Rezeption und Restauration sowie einigen Häusern Besteht. In den Häusern sind die Zimmer, die eigentlich schon als Wohnung bezeichnet werden können. Vardan wartet die Motorräder, Jürgens Reifendruck ist noch konstant, aber die Ketten werden geprüft und gefettet. Danach treffen wir uns zum Abendessen im Haupthaus.
Leider hat eine Busreisegruppe alle Tische rund um das Buffet belegt und wir weichen in die Halle aus. Heute gibt es Suppe, natürlich auch Salat und Geschnetzeltes, als Nachtisch Baklava.
Die Bustouristen, die überwiegend aus London kommen, sind schon lange weg, und es ist Ruhe im Haus eingekehrt und wir verbringen noch einige Zeit in der warmen Halle bei einem leckeren Bier und lassen den Tag Revue passieren.

01.10 – Nordarmenien und die russische Geschichte

01.10 – Nordarmenien und die russische Geschichte

Mittwoch 01.10.14 – 5. Tag

Das Frühstück fällt ebenso spärlich aus wie das Abendessen, wir sind dennoch satt geworden und es hat auch geschmeckt, nur fehlt ein wenig die bislang gewohnte Vielfalt. Wir packen unsere sieben Sachen und fahren zu einem Reifenservice, der Jürgens Hinterrad wieder mit ordentlichem Druck versieht. Am Hotel war er wieder platt und wir haben gemeinsam abwechselnd die Handpumpe bedient. Die Mechaniker bewundern unsere Motoräder und freuen sich über unseren Besuch, für ihre Arbeit nehmen sie kein Geld.

Wir fahren bis kurz vor der Ortsgrenze und fahren über kleine Weidewege zu der Festung Lori Berd. Die Festung befindet sich am rechten Ufer des Flusses Dzoraget, der sich eine tiefe Schlucht gegraben hat.
Das mittelalterliche Schloss Lori-Berd wurde schon um 1.000 nach Chr. gebaut, und heute sind nur einige Ruinen der Burg erhalten und gehören zum historischen Schutzgebiet.
Wir bewundern neben den Restmauern ganz besonders das Fahrrad eines Mannes, der wahrscheinlich rein zufällig hergefahren kommt. Mit Fransen und Verzierungen steht das Fahrrad in der Sonne, während er auch unsere Motorräder begeistert ansieht.

Auf staubigen Straßen und Sandpisten fahren wir Richtung Kobayr. An einem Feld halten wir und wir werden von den Bauern begrüßt, sie bestellen gerade das Feld und freuen sich über die kurze Ablenkung durch uns. Die Saat liegt in weißen Kunststoffsäcken auf dem Lkw,und ein alter Raupentrecker fährt über den Acker. Auf dem Weg herrscht reger Verkehr, da wir uns im fruchtbaren Teil Armeniens befinden. Die alten russischen Lkw werden mit allerlei beladen, u.a. sehen wir Kühe auf der Ladefläche.

Mit unheimlich freundlichem Wesen erzählen die Bauern Juri alles in russischer Sprache, sie sind begeistert, dass wir anhalten und uns für sie interessieren. Uns machen die alten Geräte Spaß, die gab es bei uns so nicht. Auf den großen Weideflächen sehen wir Schafherden, Pferde und Kühe, die in der Endlosigkeit grasen.

Die Ortschaften sind nur über diese sandigen Pisten erreichbar, es gibt aber auch Linienbusse, die die Menschen abholen.
Die typischen Gasleitungen sind überall zu sehen, mal in gelb, mal verrostet verlaufen sie parallel der Dorfstraße. Die Hausanschlüsse sind von der Straße zugänglich. Vardan erzählt, dass die Verlegung der Leitungen unterirdisch zu gefährlich sei. Einmal wegen der Erdbebengefahr und zum zweiten, dass jeder ohne Genehmigung buddeln darf und so eine Leitung zerstören könnte.

Ein paar Kilometer weitern halten wir an einem Kartoffelacker, die Menschen ernten die Kartoffeln mit einem Kartoffel Ernter, wie wir ihn von vor 50Jahren bei uns kennen. Auch hier werden wir freundlich begrüßt, wir erhalten jeder eine große Weintraube, die Beeren schmecken sehr lecker, aber wir können sie nicht verstauen und geben einige zurück. Ein kleiner Junge ist ganz stolz, einmal auf dem Motorrad zu sitzen, starten sollen wir aber nicht. Wir fahren weiter, und die Frauen und Männer auf dem Feld winken zum Abschied.

In Odsun besichtigen wir die im 7. Jahrhundert erbaute Kathedrale von Odsun, die heute restauriert wird. Die Bauarbeiter hantieren die dicken Sandsteine per Kran, der aber auch reparaturbedürftig scheint. Wir verweilen in der Sonne und sehen uns auf dem Gelände die vielen Grabsteine des Klerus an.
Wir fahren weiter durch die Debetschlucht über herrliche Serpentinen über Alaverdi zum Haghpat Kloster. Wir sind nahe der armenisch-georgischen Grenze, die Landschaft an der Schlucht ist atemberaubend. Aus dem Tal kommt uns jedoch ein dunstiger Qualm entgegen. In der Sowjetzeit begann in der Bergbausiedlung der Ausbau der Kupferhütte zum Kupfer- und Chemiekombinat Alaverdi.

Auf den zumeist ungeschützten kargen und zugigen Bergplateaus wurden neue Stadtteile als Wohnblocksiedlungen angelegt und Seilbahnen für den Personen- und Materialtransport errichtet. Aus Gesundheits- und Umweltschutzgründen wurde das Kupfer- und Chemiekombinat geschlossen.
Zum Stadtgebiet gehört das Dorf Sanahin, der Geburtsort der Brüder Artjom und Anastas Mikojan.

Artjom Mikojan war zusammen mit Michail Gurewitsch Konstrukteur des russischen Düsenflugzeugs MIG. Anastas hatte als Politiker viele verschiedene Ministerposten unter Stalin, Chruschtschow und Breschnew inne. Wir besuchen das Museum, das zu Ehren der Stadtsöhne aufgebaut wurde. Am Eingang steht die MIG 21, wo wir von einer Verwandten der berühmten Brüder empfangen werden. Sie führt uns durch das Museum und erklärt die Exponate mit viel Freude.


Wir fahren weiter zum Kloster Sanahin, das in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts gegründet wurde und als die vollkommenste Klosteranlage Armeniens gilt. Das Kloster war auch eine Art Akademie bzw. Universität mit einer großen Bibliothek.
Auf dem Gelände befindet sich ebenfalls ein Friedhof, wo wieder die typischen Abbildungen der Toten und deren Todesursache zu sehen sind.

Auf dem Weg zum Kloster sind verschiedene Stände aufgebaut, wo meistens Frauen Gestricktes, Magneten und Kruzifixe zum Kauf anbieten. Jürgen entdeckt eine alte Frau, die gerade Schnaps brennt. Die Destillieranlage ist aus Fässern und Bottichen zusammengebaut. Sie bietet auch uns Flaschen zum Kauf an, aber mit dem Hinweis, dass wir Motorrad fahren, verzichten wir darauf-

Der Klosterkomplex Haghpat ist nicht weit entfernt, über Serpentinen erreichen wir den Komplex aus dem 9. Jh. Wir trinken als erstes einen Kaffee, dazu werden Frischkäse, Gurken und Tomaten serviert. Wir ruhen uns ein wenig vom anstrengenden Vormittag aus, bevor wir die alten Gemäuer besichtigen. Das gesamte Kloster ist von einer Wehrmauer umgeben. Über das Gelände verteilt finden wir Steine mit kunstvollen Gravuren, die meist Kreuze darstellen und bischöfliche Grabstätten. Nach eine dreiviertel Stunde fahren wir wieder weiter.

Die Straße führt uns über Ayrun entlang der Georgischen Grenze und dann Richtung Süden entlang der Grenze zu Aserbaidschan nach Ijevan. Ein paar Kilometer hinter dem Ort biegen wir rechts auf die Schotterstrecke ab und fahren ungefähr eine Viertelstunde auf schwerem Schotterweg hoch zu einem Freund von Vardan, der uns für die Nacht in sein Haus einlädt. Die Familie ist im Haus und wir werden auch von den Kindern begrüßt.
Es gibt zwei Zimmer für uns, die mit Etagenbetten ausgestattet sind. Nachdem wir uns etwas frisch gemacht und umgezogen haben, essen wir zu Abend. Der Gastgeber erzählt einiges vom Leben auf dem Land, er spricht relativ gut deutsch und wir haben in dem mit einem kleinen Stahlofen gut aufgeheizten Wohnraum einen kurzweiligen Abend.

30.09. Durch das Erdbebengebiet nach Stepanavan

Dienstag 30.09.2014 – 4. Tag

Das Frühstück ist üppig und findet statt in einem Saal mit Gemälden aus der griechischen Mythologie, sehr verwegen das Ganze. Schon um 8:30 fahren wir los, es geht über Asphaltstraße in Richtung nördliche Provinz Lori. Wir fahren zunächst talwärts und dann die Hauptstraße nach Aparan, wo wir im Zentrum an der neu gebauten Großbäckerei halten.

Wir beobachten den Bäcker, der sich im Minutentakt Hals über Kopf in den traditionellen Ofen hängt und den Brotteig an die heiße Tonwand des Ofens presst. Genauso sportlich holt er die fertig gebackenen Brote wieder heraus. Wir nehmen ein wenig Gebäck mit Käsefüllung mit und fahren weiter über den Spitak-Pass nach Spitak.

Wir durchfahren auf einer super angelegten Straße eine wunderschöne Landschaft, mit unheimlich weitem Blick in die Täler.
Im Gebiet um Spitak gab es am 7.Dezember 1988 ein schweres Erdbeben, bei dem nach Schätzungen mindestens 25.000 Menschen umkamen und ca. eine Millionen Menschen obdachlos wurden.

Auf einem Berg in der Stadt wurde gleich nach dem Erdbeben eine Metallkirche aufgebaut, um den Trauernden einen Ort der Zusammenkunft zu bieten. Rund um die Kirche liegt der Friedhof, auf vielen Grabsteinen sind Abbildungen der Verstorbenen und die Todesursache, nämlich eingestürzte Häuser abgebildet. Viele junge Menschen und Kinder sind dargestellt, einige halten Uhren mit der Uhrzeit des Erdbebens in den Händen.

Wir fahren mit den Enduros auf die Anhöhe und besichtigen die seltsam anmutende Kirche. „Das ist das erste Mal dass ich auf einem Friedhof Enduro fahre“ merkt Helmuth an und wir fahren zurück in die Stadtmitte, um in einem YMCA-Cafe eine Pause ein zu legen und den dicken Wolken zu entgehen, die sich tief schwarz am Himmel entwickeln. Wir erreichen gerade das Café, als es anfängt in Strömen zu regnen.
Wir warten den Schauer ab und fahren weiter Richtung Gyumri.

Der Regen hat die Schlaglöcher mit Wasser gefüllt, und die nasse Straße lässt es kaum zu, diese Schlaglöcher rechtzeitig zu erkennen, deshalb knallt es ab und zu mal. Jürgens Hinterrad verliert Druck, in Gyumri halten wir deshalb an einer Tankstelle, die eigentlich nur aus einem Container besteht. Hier werden Cola-Flaschen mit Benzin und Öl auf Stühlen angeboten, der Boden ist von Öl, Benzin oder Diesel schon mächtig gesättigt. Wir führen den Zustand auf das Erdbeben zurück, denn überall sind Ruinen aus der Zeit zu sehen, teilweise stehen neue Häuser daneben.

Auf einer Kreuzung hält Vardan an, sofort kommen ein paar Männer und fragen, ob wir Hilfe benötigen. Vardan verneint das und meint zu uns, dass es möglich wäre die Piste zum Wasserfall Trchkan zu fahren – wir nicken sofort und fahren durch eindrucksvolle Landschaften auf engsten Pfaden, einfach herrlich. Die Strecke ist sehr eng, einige Matschkuhlen sind zu umfahren.

Schließlich haben wir eine Wasserdurchfahrt durch den gleichnamigen Flusses Trchkan und sehen vom Rand der Schlucht den wegen Wassermangel nur dünn strömenden Wasserfall. Die Landschaft ist genial, und es macht einfach Spaß über die engen Wege weiter runter zu fahren.
Die Schwierigkeit besteht während der Fahrt darin, die großen Schlammlöcher zu umfahren oder nicht stecken zu bleiben. Das meistern aber alle gut, und gemeinsam freuen wir uns über die schöne Etappe.

Auf der Hauptstraße fahren wir dann weiter zum Lori Hotel in Stepanavan. Freundlicherweise dürfen wir unsere Motorräder in den Schuppen stellen.
Wir werden freundlich empfangen und genießen erstmal das Stiefelbier, was auch das letzte Bier am Abend sein wird, da das Hotel nichts mehr hat. Nach dem Abendessen ist die Küche, wo der Kühlschrank steht, geschlossen, und die Köchin ist weg. So bleibt uns nur der Schnaps.

29.09. Klöster, Tempel und Mount Aragats

Montag 29.09.2014 – 3. Tag – mit den Motorrädern

Um 8:00 werden wir von Vardan und David abgeholt und zum Vermieter gefahren. Wir übernehmen die Motorräder, drei XT660R, eine KLR600, Vardan fährt die DR650.
Das Gepäck wird im Pkw verstaut und wir fahren durch das Gewusel Jerewans
Wir dürfen zwischen den Autoschlangen hindurch fahren – wir machen es Vardan einfach nach und folgen ihm.
Kurz vor Stadtgrenze hält helmuth an, sein Vorderrad ist platt und schnell sind helfende Hände da um den Schaden zu beheben.
Nach einer knappen Stunde fahren wir weiter über Bergstraßen zum Höhlenkloster Geghard und erhalten schon Bald den Blick auf den Ararat.

Das Kloster wird auch heute noch als ein kulturelles und geistiges Zentrum in Armenien betrachtet und gehört seit 2000 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Der Hl. Gregor, Patron der armenischen Apostolischen Kirche, soll das Kloster im 4. Jahrhundert n. Chr. gegründet haben. Die dunkle Grotte in der Höhle wirkt erschreckend, dazu singt ein Frauenchor typische armenisch apostolische Gesänge, einfach beeindruckend.

Vor den Toren der Klosteranlage sind Stände aufgebaut, wo getrocknete und kandierte Früchte verkauft werden. Wir probieren ein paar Sorten und kaufen schließlich getrocknete Äpfel am Seil.

Wir fahren nun wieder ein Stück zurück zum Tempel Garni, einer Tempelanlage mit 24 gigantischen ionischen Säulen mit kunstvoll ornamentierten Kapitellen und bewundernswerten Steinmetzarbeiten an den Decken der Galerie. Zu dem reich geschmückten Eingang führt eine vielstufige Treppe, die für unsere Gewohnheiten viel zu steil ist. Auch die Mosaiken in dem römischen Bad unweit des Tempels sind noch gut erhalten, und man erkennt noch die einzelnen Figuren.

Der Ausblick auf die Schlucht des Azat-Flusses ist fantastisch, einige Wanderer kommen gerade von unten hoch, sie schwitzen auffällig. Ein Wanderer bewundert uns und fragt nach den Motorrädern, tauschen möchte ich aber im Moment nicht.
Wir gehen zurück in das Dorf, wo wir Frauen in einer Bäckerei bei der Arbeit zusehen dürfen, die Wandergruppe steht auch um den Ofen herum und jeder kann mal das leckere Lavasch (dünnes Fladenbrot) probieren, als Füllung gibt es leckeren Schafkäse.
Leicht gesättigt gehen wir zu den Motorrädern und fahren durch Stadtteile Jerewans, um weiter Richtung Norden zum Mount Aragats zu fahren. Die Durchfahrt durch die Stadt ist beschwerlich, rechts, links, wieder links, dann rechts und an Autoschlangen vorbei. Wir bleiben trotz der schwierigen Verhältnisse in der Stadt zusammen und gelangen auf die Ausfallstraße.

Entspannt fahren wir Richtung Norden und stoppen an einem ungewöhnlichen Skulpturenpark, dem Ajbuben-Park. 2,5-3,0 m große armenische Buchstaben sind aufgestellt. In der Sonne ist das Ganze ein herrliches Lichtspiel.

Wir ziehen nun die warmen Sachen an, denn es geht aufwärts zum Berg Aragats. Die Wolken hängen schon tief, das satte Grün verschwindet und die Landschaft wird bräunlich, ein leichter Graupelschauer fängt an. Der Berg Aragats ist ein erloschener Schichtvulkan und ist mit seinen 4.091 m der höchste Gipfel im Südkaukasus.

Wir kommen am Hochgebirgssee Kari Lich, dem Stein See an. Der See liegt auf 3.190 Metern. Es ist sehr kalt, Schnee liegt hier überall und wir treffen auf Jugendliche aus Kanada und den USA. Sie erzählen, sie seien Mormonen und arbeiten in ihrem sozialen Jahr in Armenien.
Nach kurzem Aufenthalt fahren wir wieder zurück, der Schneematsch ist weniger geworden und wir fahren zum Guest House in Byurakan. Es gibt dann auch das Stiefelbier im Garten, wir hatten uns mit jedem Meter talwärts langsam wieder aufgewärmt und sitzen nun in der Sonne.

Nach Einbruch der Nacht gehen wir zum Byurakan-Observatorium, einer Sternwarte der Armenischen Akademie der Wissenschaften. Eine Besuchergruppe ist noch vor uns, und wir warten im Wachhaus des Pförtners. Nach 20 Minuten springt der alte Mann auf und führt uns mit der Taschenlampe zur Sternwarte, wo uns ein weiterer in Empfang nimmt und auf die Station wo das lange Teleskop steht führt.
Der dunkel gekleidete Mann erklärt die Sterne und das Teleskop in gebrochenem Englisch. „Don‘t lean onnn Telleskopp“ ist der häufigste Satz, den wir bei der Vorführung hören.

Jeder darf mal durch das Teleskop linsen und der eine erkennt mehr, der andere weniger, so wirklich viel sieht man nicht. Wir schlendern zurück und werden vom Gastgeber erwartet. Er zeigt uns mit Stolz sein Winterlager, das mit Langlaufskier und Snowboards voll steht. Dann zeigt er uns seinen Schießstand, wo die Luftgewehre schon parat liegen, die Flaschen in ca. 20m Entfernung sollen abgeschossen werden. Hier zeigt sich, wer eine ruhige Hand hat.
Anschließend zeigt er wieder mit gleichem Stolz sein Planetarium, das er auf dem Dach des Hauses erbaut hat. Die Sterne sind sein Hobby und er hat den runden Kuppelsaal mit Sternzeichen und Göttern der Antike geschmückt. Etwas kitschig, wie wir finden, aber ebenso imposant.
Danach setzen wir uns noch zusammen und trinken eine Kleinigkeit, bevor wir in die Betten fallen.

28.09. Wir suchen Radio Eriwan

Samstag 27.09.2014 – 1. Tag Anreise

Am späten Nachmittag begleitet mich Barbara zum Flughafen wo ich verabredungsgemäß Jürgen treffe. Nach dem Einchecken und Wartezeiten fliegen wir Richtung Wien. Als wir aus dem Flieger steigen treffen wir auch sofort auf Helmuth und Bernd, die aus Frankfurt anreisen.
Der Nachtflug nach Jerewan dauert nicht lange, aber aufgrund der Zeitverschiebung von zwei Stunden landen wir gegen 3:45 Uhr Ortszeit. Anni, unsere deutschsprachige Reiseführung, holt uns mit Fahrer ab und bringt uns zum Diamond House Hotel. Auf dem Weg erklärt Sie schon einiges über die Stadt. Müde trinken wir noch ein Bier und gehen auf die Zimmer.

Sonntag 28.9.2014 – 2. Tag – Eriwan

Um 11:00 holt uns Anni wieder vom Hotel ab, und wir beginnen die Stadtrundfahrt im Mercedes-Bus. Das Wetter ist gut, Sonne und etwas über 20°C, ideal um die Stadt samt Sehenswürdigkeiten kennen zu lernen.

Die am Fluss Hrasdan gelegene armenische Hauptstadt Eriwan, Yerevan oder Jerewan wurde vor etwa 2.800 Jahren gegründet und zählt wohl mit zu den ältesten Städten der Welt.
Der Mercedes fährt angepasst durch die Straßen, und Anni erzählt uns von der Geschichte Eriwans und erklärt auch einzelne Gebäude, an denen wir auf dem Weg zur Etschmiadsin, dem religiösen Zentrum des Landes, vorbeifahren.

Hier sind viele wichtige sakrale Baudenkmäler wie etwa die Kathedrale von Etschmiadsin zu besichtigen. Die Kathedrale ist ein Paradebeispiel klassischer armenischer Architektur. Sie wurde im Jahre 303 auf den Fundamenten eines heidnischen Tempels erbaut und zählt zu den ältesten christlichen Kirchen der Welt. Heute ist in Etschmiadsin der Sitz des Katholikos aller Armenier, des geistlichen Oberhauptes der Armenischen Apostolischen Kirche. Anni erklärt uns die verschiedenen Bauabschnitte und auch Details des Bauwerkes.

In der Kathedrale wird gerade die mindestens zweistündige Messe zelebriert, wir dürfen eintreten und einen kleinen Einblick bekommen. Wir sind erstaunt über die mystische Atmosphäre in der Kirche und der Ausstrahlung des Priesters.

Wir gehen in das Taufhaus und weiter zur Kirche der Heiligen Hripsime, die vom Katholikos Komitas über dem von Isaak dem Großen gebauten Mausoleum der heiligen Hripsime errichtet wurde. Die Hripsime-Kirche ist gemeinsam mit der Kathedrale und zwei anderen Kirchen von Etschmiadsin seit 2000 als UNESCO-Weltkulturerbe gelistet.

Der Legende nach wurden Hripsime und Gayane hingerichtet, weil sie sich weigerten, ihr Gelübde als Nonne zu brechen und den armenischen König Trdat III zu ehelichen. Diese konsequente Haltung bewirkte, das der König später zum Christentum konvertierte und es in 301 zur Staatsreligion erklärte.

Anni drängt ein wenig, weil wir um 14:00 Uhr einen Führungstermin im Mashtots Matenadaran-Institut, kurz Matenadaran haben. Das Zentralarchiv für alte armenische Handschriften ist nach dem Heiligen Mesrop Maschtoz benannt, der im frühen 5. Jh. das armenische Alphabet mit 36 Buchstaben entwickelte. Eine ältere Dame mit knallrotem Lippenstift erklärt uns mit hohem Engagement im Detail die kleine Ausstellung, die von der UNESCO zum Weltdokumentenerbe erklärt wurde.
Nach knapp zwei Stunden verlassen wir die sehr halligen Räume und fahren zu den Ruinen der Festung Erebuni, die im Jahre 782 vor Christus erbaut wurde und sehr prächtig gewesen sein muss.

Heute sieht man nur noch Reste der Mauern, wir haben aber einen wunderschönen Ausblick über die Stadt.
Leider sehen wir das Denkmal für die Opfer des Völkermords nicht. Das Genozid-Denkmal erinnert an die 1,5 Mio. Opfer des Völkermords von 1915, den die Türkei zu verantworten hatte. Aufgrund der anstehenden 100-Jahre-Gedenkfeier wird es nun restauriert und ist komplett eingerüstet.

Auf geht´s zum Highlight des Tages: Die Ararat Cognac Fabrik. Wir werden von der Führerin empfangen, die junge Dame erklärt uns den Herstellungsprozess des Brandys, der sich in Armenien auch Cognac nennen darf.
Die Ararat Brandys werden ausschließlich mit Trauben aus dem Ararat Tal hergestellt. Der Charakter des Ararat Weinbrands entsteht beim Reifen in den Eichenfässern.

Im Jahre 2002 nahm die Yerevan Brandy Company die Herstellung ihrer eigenen Fässer aus der kaukasischen Eiche, die in Armenien wächst, wieder auf.
Die Reaktion des Brandy mit der Oberfläche des Holzes erzeugt das einzigartige Bouquet des Ararat Brandys.
Nach der Führung durch die Holzfasslagerung werden wir zur Verkostung eingeladen, wir probieren den 5 und den 10 Jahre alten Brandy, dazu wird Zartbitterschokolade gereicht. Das war ein echtes Erlebnis.

Der Name Ararat stammt von dem berühmten Berg Ararat, auf dem Noahs Arche nach der biblischen Flut gestrandet sein soll. Dieser mystische Berg Armeniens ist auf vielen Produkten, unter anderem auch Bier, als Symbol nationaler Kultur und Identität verewigt.
Danach werden wir in ein Restaurant gefahren, wo wir ein köstliches Abendessen erhalten. Im Hotel erwarten uns der Vermieter der Motorräder und unser Tourguide Vardan, um uns über den nächsten Tag zu informieren. Müde sinken wir später in die Betten.

Armenien 2014

Մոտոտուր Հայաստանում

Motorradtour durch Armenien

Das am Südrand des Kleinen Kaukasus liegende Gebirgsland Armenien hat eine uralte Geschichte und gilt als erster stark christlich geprägter Staat der Welt. Die Apostolische Kirche war stets ein Symbol der Zusammengehörigkeit, weshalb die Armenier trotz häufiger Fremdherrschaft, verbunden mit Vertreibung und Massenexodus, ihre sprachliche, ethnische und kulturelle Identität bewahrten. Wir besuchen das kleine Land mit den Motorrädern und haben Jürgen Grieschat als Tourguide:

28.09. Wir suchen Radio Eriwan

29.09 Klöster, Tempel und Mount Aragats

30.09. durch das Erdbebengebiet nach Stepanavan

01.10 Nordarmenien und die russische Geschichte

02.10 Grenzgebiet und Bekanntschaft mit Hirten

03.10 entlang der blauen Perle zur Seidenstraße

04.10 Weinfest, wichtige Steine und Brot

05.10 verlassenes Dorf und einsame Klöster

06.10 durch Nationalparks zur iranischen Grenze

07.10 über den Pass zum Ararat und der Abschied

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