Informationen zu Armenien

Allgemeines

Wir haben die Tour bei Mottouren gebucht. Jürgen Grieschat arbeitet in Armenien mit einer Reiseagentur und einem Motorradverleiher zusammen, die ihre arbeit super gemacht habe.
Unsere Anreise war von Hamburg bzw. von Frankfurt mit Tirol Airlines nach Wien und weiter nach Eriwan. Leider waren die Flugzeiten in die Nacht verlegt.

Das am Südrand des Kleinen Kaukasus liegende Gebirgsland Armenien ist etwa so groß wie Brandenburg. Es hat eine uralte Geschichte und gilt als erster stark christlich geprägter Staat der Welt. Im Jahr 2001 feierte die Armenische Apostolische Kirche ihr 1700-jähriges Bestehen. Sie war stets ein Symbol der Zusammengehörigkeit, weshalb die Armenier trotz häufiger Fremdherrschaft, verbunden mit Vertreibung und Massenexodus, ihre sprachliche, ethnische und kulturelle Identität bewahrten. Armenien entwickelte sich zu einer Hochkultur für Literatur und Baukunst. Es besitzt unzählige Baudenkmäler die UNESCO – Weltkulturerbe sind.

Armenien-Karte

Hauptstadt: Eriwan (Yerevan, Jerewan)
Staatsform: Semipräsidiale Republik
Währung: Dram (AMD) 1 Euro entspr. Ca. 510 Dram
Fläche: 29.800 km²
Bevölkerung 2,99 Mio
Sprachen Armenisch
Religionen: Armenisch-Apostolisch

Karten und Reiseführer:

 
Reise Know-How Landkarte Armenien 1:250.000 sehr gute Karte, hat auch viele Nebenstraßen
 
eins der wenigen Reiseführer mit sehr viel Informationen
ein leckeres Kochbuch, mit vielen Tips und Anregungen über die armenische Küche. Aha, das haben wir gegessen. Es erzählt auch viel von der Lebensweise der Armenier

 

über den Pass zum Ararat und der Abschied

über den Pass zum Ararat

Dienstag 07.10.14 – 11. Tag

Das Frühstück ist wieder ausreichend, und wir brechen bei Nieselregen zu unserer letzten Etappe mit Ziel Jerewan auf. Sobald wir das Stadtgebiet verlassen haben, wird der Nebel dichter und so tasten wir uns fast bis zum Vorotan-Pass vor. Die Schafherden übersehen wir fast, die Hirten tun uns ein wenig leid, dick eingepackt reiten sie mit den Pferden neben den Herden.

Ein Reiter hat eine kosaken-ähnliche Mütze an und winkt freundlich, leider können wir ihn wegen des feinen Nebels nicht fotografieren. Auf dem Pass kommt die Sonne fast durch. Wir halten nochmal an und genießen die Sonnenstrahlen auf dem Yermuk Highway und machen in einem Cafe wenig später Pause und wärmen ein wenig die Finger. Wir tanken und fahren über Arpi und Areni und dann auf die H10. Am Wegesrand wachsen auch die berühmten Kornelkirschen, wir hatten schon mehrfach Kornelkirsch-Marmelade zum Frühstück gegessen.

Wir halten auch an einem großen Tabakfeld, wo gerade geerntet wird. Jürgen spricht mit den Männern und gibt eine Runde Zigaretten aus, die Frauen bleiben hinter den großen Tabakblättern stehen und wollen auch nicht fotografiert werden. Der Lkw ist schon fast voll und die Männer erfreuen sich der kurzen Pause mit uns. Nach einer Weile kommen wir auf die H8 und auf die große ausgebaute vierspurige Straße Richtung Hauptstadt.

Die letzte Attraktion auf unserer Tour ist das Kloster Chor Virap, das in Sichtweite der Grenze zur Türkei unterhalb des Berges Ararat liegt. Eigentlich ist dieses Bild auf jedem Prospekt von Armenien-Reiseanbietern zu sehen, und wir hoffen natürlich auch das Kloster mit dem Ararat im Hintergrund gut ablichten zu können.

Wir halten an einem Weinfeld an, einige Leute sind bei der Weinlese und sie rufen uns heran.

Ein Mann erkennt Jürgen, er war ja vor drei Jahren schon mal hier und stoppte an der gleichen Stelle. Auch sie geben uns Weintrauben, die uns dann letztlich auch nicht über den fehlenden Blick zum Ararat hinweg trösten. Der Berg ist in Wolken gehüllt und gibt seinen schneebedeckten Gipfel nur ab und zu mal zu erkennen.

Das Kloster ist nicht weit, wir stellen die Motorräder auf dem Parkplatz in den Schatten und gehen die Treppenanlage hoch zum Kloster. Der Legende zufolge sperrte König Trdat III. im Jahre 288 n. Chr. auf der kleinen Anhöhe Gregor den Erleuchter in eine Höhle ein und hielt ihn dort 13 Jahre lang gefangen, um ihn vom christlichen Glauben abzubringen. Gregor beugte sich nicht, sondern heilte den König von einer unheilbaren Hautkrankheit. Woraufhin sich Trdat III. mit seiner Familie im Jahre 301 taufen ließ und das Christentum als Staatsreligion einführte. Diese Höhle soll unterhalb der Klosteranlage sein, die Gruften sind begehbar aber sehr eng, sodass wir darauf verzichten.

Nachdem wir vergeblich auf den Ausblick zum Ararat warteten und die Anlage komplett besichtigten, fahren über die mehrspurige Straße mit heftigem Verkehr zurück in die Hauptstadt.

Wir geben zunächst die Motorräder ab, sie haben ihren Dienst getan, obwohl ein paar Mängel während der Fahrt aufgetreten waren. Außer tropfende Stoßdämpfer, Ölleckagen bei der Kawa und ein paar klappernde Teile war alles ok.

Der Check der Maschinen fällt aus, Vardan soll uns am Abend die Kaution zurückgeben. Wir werden mit dem Taxi in unser Hotel, das Ararat-Hotel gefahren. Wir duschen schnell und packen die Sachen schon mal zusammen. Helmuth, Bernd und ich gehen noch kurz in die Stadt und suchen ein paar Mitbringsel, so richtig viel fällt uns nicht ein – eine Flasche Ararat und Kornelkirschen-Marmelade.

Das Wichtigste ist aber unsere Erinnerung an die Reise, davon nehmen wir vieles mit und gehen in ein kleines Restaurant. Bernd hat Hunger und bestellt sich ein Chorowatz, einen Fleischspieß in Lavasch mit Salat eingewickelt, während wir anderen einen Kaffee zu uns nehmen.

Draußen treffen wir auf einen BMW-Fahrer. Hubert steht mit seiner alten 1100er GS an der Straße, er erzählt ein wenig von seinem Vorhaben. Als Frührentner möchte er fast zwei Jahre bis nach Neuseeland fahren, in seinem Blog Richtung aufgehender Sonne kann man seine Reise verfolgen.

Auf dem Rückweg zum Hotel lernen wir die super Leistung der Jerewaner Polizei kennen. Zwei Polizeiautos fahren an die Kreuzung, Polizisten steigen aus und winken den Autos zu, schneller die Kreuzung zu verlassen, innerhalb von maximal vier Minuten ist die Kreuzung wie auch die ganze Straße leer. Eine Armada von schwarzen Limousinen rauscht nach meiner Schätzung mit hundert Sachen an uns vorbei. Kurze Zeit später ist wieder „normaler“ Verkehr, d.h. Die Straßen sind wieder voll.

Vardan holt uns um 19:00 Uhr beim Hotel ab, und wir gehen durch das Jerewaner Zentrum zu einem Restaurant, wo unser Abschiedsessen sein wird. Die Innenstadt ist gigantisch bei Dunkelheit. Alle großen Gebäude sind beleuchtet, und es herrscht reger Verkehr, sowohl auf als auch neben der Straße.

Nach einer dreiviertel Stunde sind wir am Ziel, ein typisch armenisches Restaurant, nicht wie es auf der Werbung steht, versichert Vardan.

Es ist gemütlich in dem Lokal, im Erdgeschoss spielt eine Gruppe kaukasische Musik. Varche und Vahe, zwei Freunde von Jürgen kommen dazu, und wenig später erscheint auch Milena, die armenische Reiseveranstalterin. Wir essen nationale Gerichte, trinken auch ordentlich, es macht Spaß, uns mit den Reiseleitern auszutauschen.

Milena hat uns ein Abschiedsgeschenk mitgebracht und wir unterhalten uns noch lange, feiern die schöne Reise bis tief in die Nacht.

 

Mittwoch 08.10.14 – 12. Tag

Der Abend ist sehr sehr lang und natülich feucht, wir überlegen ernsthaft ob wir uns nicht in die Bar setzen sollen, um auf das Taxi zu warten. Wir legen uns aber schlafen, werden aber schon nach einer halben Stunde geweckt. Es ist ziemlich heftig.

Pünktlich aber völlig erschlagen kommen wir am Flughafen an und hängen bis zum Abflug um kurz nach vier Uhr herum. Der Flug ist kurz, wir schlafen alle und kommen noch müder in Wien an. Jürgen und ich verabschieden uns von Helmuth und Bernd, die nach Frankfurt weiterfliegen. Unser Flieger geht auch pünktlich, und wir kommen ebenso pünktlich aber total erschlagen in Hamburg an. Ich brauche auch den ganzen Tag um wieder anzukommen.

Noch heute komme ich ins Grübeln über Armenien, über das was wir gesehen und erfahren haben. Armenien ist ein gebeuteltes Land, das trotz seiner Armut reizvoller und überraschender nicht sein könnte. Seit fast 3.000 Jahren sind die Armenier Prellbock zwischen den Kulturen, und vor allem die jüngere Geschichte ist von Konflikten geprägt. Die Vertreibung und Ermordung von 1,5 Millionen Armeniern 1915 durch die Türken, später der Zerfall des Sowjetreichs, verheerende Erdbeben und der immer noch schwelende Konflikt mit Aserbaidschan um die armenische Exklave Berg-Karabach haben das Land in tiefe Krisen gestürzt.

Teile des Landes sind durch dichte Wälder und die hohen Berge unerreichbar, und abseits vom schnellen Leben der armenischen Hauptstadt hinkt die wirtschaftliche Entwicklung sehr nach. Das Land ist wohl auf die etwa acht Millionen Auslandsarmenier angewiesen, die es mit ihren Devisen füttern.

Dennoch es ist ein sehr schönes Reiseland mit extrem freundlichen Menschen. Wir haben uns nie auch nur einmal unwohl gefühlt, im Gegenteil.

6.10 – durch Nationalparks zur iranischen Grenze

Montag 06.10.14 – 10. Tag

Frühstück gibt es erst um acht Uhr, und wir stehen schon früher in dem kahlen Saal und warten auf den Morgenkaffee. Vardan sagt kurz an, dass wir heute die iranische Grenze erreichen werden und dann am Grenzfluss nicht fotografieren sollten. Die Grenzer würden alles sehen und es wäre gefährlich, erwischt zu werden.

Auf die Frage ob wir uns an der Grenze zu Aserbaidschan befinden, antwortet er kurz und knapp. „that´s far away“. Wir sind an der Grenze einer armenisch kontrollierten Pufferzone, die Aserbaidschan zugehörig ist und das mittlerweile eigenständige Nagorny Karabach absichern soll. Der Konflikt zwischen den Staaten ist auch in den Köpfen der Armenier nicht beendet, es besteht nur Waffenruhe und die Konflikte bleiben, wie wir es in den Gesprächen immer wieder feststellen.

Es hat in der Nacht geregnet und die Straße ist nass, wir fahren zunächst tanken, bevor wir uns in die Berge des Shikahogh-Reservat auf super ausgebauter Straße begeben. Das Schutzgebiet mit einer Fläche von 100 km² wurde im Jahr 1958 vor allem zum Schutz der Wälder gegründet. Eichen-dominierte Laubwälder begleiten uns in eine Höhe von über 1000m. Über den Wäldern, etwa in Höhen von 2.200 m und mehr dominiert Gebirgsgrasland. Zwischen beiden Lebensraumtypen gibt es einen breiten Übergangsbereich.

Die beiden wichtigsten Flüsse sind der Tsav und der Shikahogh.

Nach eine knappen halben Stunde bleiben wir an einem Aussichtspunkt stehen und sind beeindruckt von der Landschaft aber auch erstaunt über einen türkisfarbenen See mit weißen Ablagerungen. Vardan erklärt dass sei Abfall der Kupferindustrie, rund um Kapan gab es Kupfer- und Goldabbau. Die Umrandung des Sees ist wie der See selber tot, dort herrscht kein Leben mehr, eben Industrieabfall.

Die Landschaft ist sonst aber wunderschön, und wir treffen auf das nächste von Menschen gemachte Unheil – wir treffen auf das Minengebiet von Srashen. Wie auch in anderen Dörfern rund um Kapan, leben die Menschen hier seit über 20 Jahren mit den Minenfeldern, die während des Konfliktes mit Aserbaidschan gelegt wurden.

Wir treffen auf ein Team des Halo Trust, eine amerikanische Organisation, die in diesem Gebiet die Minenbeseitigung organisiert. Die aufgestellten Schilder warnen vor der Minengefahr, ab hier gehen die Männer nur gepanzert in das Tal um die gefährlichen Minen zu finden und zu entschärfen. Vardan erzählt, dass hier immer wieder auch Kinder verunglücken.

Wir kommen an die Baumgrenze heran und es wird kühler, die Aussicht ist atemberaubend. Wir durchfahren ja auch den Arevik-Nationalpark, der mit einer Fläche von 344 Quadratkilometern das größte Schutzgebiet Armeniens ist. Hier in den Laubwäldern, offenen Waldlandschaften, subalpinen Grasländern, Halbwüsten und Gebirgssteppen sollen alle möglichen bedrohten Tierarten beheimatet sein. Allerdings begegnen wir auf unserer Fahrt auf wunderschöner Straße keinen Tieren.

An einem Gartenzaun direkt neben der Straße machen wir halt. Vardan springt eine angestellte Holzrampe hinauf und geht durch die Pforte des Gartenzauns, er pflückt Weintrauben und verteilt sie an uns. Richtig lecker, leicht süßlich. Wir sehen auch noch Granatäpfel an den Bäumen, auch hier pflückt Vardan ein paar, schneidet sie durch und wir testen die leckere Frucht.

Nach einer halben Stunde Pause mit ordentlicher Vitaminzufuhr erreichen wir Shvanidzor, hier wird die Landschaft trocken und Sonne brennt uns auf die Helme. Wir haben den Grenzfluss Aras erreicht.

Die Grenze zwischen Armenien und Iran bildet auf armenischer Seite ein 3m hoher Zaun mit Stacheldraht, davor ist ein Draht montiert, der anscheinend Strom führt. Die Fläche von der Straße bis zum Zaun ist geharkt.In Blickweite sind Aussichtstürme aufgebaut, wir sehen dort keine Grenzer, wobei Vardan meint, sie wären da und beobachten uns. Auf der anderen Seite sehen wir ab und zu Gebäude mit iranischer Flagge und einige Autos auf der Straße.

Wir fahren bis Agarak, dem Grenzübergang, eine Schlange steht davor, anscheinend ist Mittag, und die Grenzer machen Pause. Wir fahren zurück und fahren durch Meghri, eine wichtige Handelsstadt zwischen dem Iran und Armenien.

An einem Café halten wir an, es scheint alles geschlossen zu sein, doch die Hunde wecken den Barbesitzer und er serviert uns einen leckeren Kaffee und ein paar süße Croissants. Die Hunde sind friedlich und fangen an zu kläffen als wir wieder die Motorräder starten und der Straße Richtung Kajaran folgen. Die Bäume an den Hängen und in den Tälern tragen bereits herbstliche Farben.

An einem Parkplatz treffen wir auf zwei Radfahrer, ein Deutscher und ein Schweizer. Sie wollen noch nach Meghri fahren und dann weiter in den Iran. Sie ziehen sich gerade warm an, für sie geht es jetzt bergab, und der Fahrtwind ist schon recht kühl. Der Schweizer ist auf Welttour und hat noch zwei Jahre vor sich, der deutsche Radfahrer weiß noch nicht genau ob er weiter fährt.

Die Landschaft ist immer noch teilweise karg und wir sehen an den Hängen zwischen all der schönen Landschaft immer wieder Abraumhalden der Goldbergwerke.

Wir kommen schließlich wieder in Kapan an und trinken in einem Parkcafé einen Kaffee. Kapan ist eine große, aber auch hässliche Stadt, teilweise modern, teileweise zerfallen.

Durch Kapan führt die einzige Schnellstraße des Landes (M2), die Armenien über den Grenzübergang bei Meghri mit dem Iran verbindet. Alle aus dem Iran kommenden Güter werden auf dieser Straße transportiert. Un dso sieht die Stadt auch aus – verkehrsreich und schmuddelig.

Unser Ziel ist Goris und wir verlassen die Stadt während es leicht anfängt zu regnen. Die Nebenroute nach Goris soll sehr schön sein, verspricht Vardan, aber wir sehen davon überhaupt nichts. Je höher wir kommen, desto nebeliger wird es. Jeder kann kaum seinen Vorfahrer sehen und den entgegenkommenden Verkehr erkennen wir auch sehr spät. Der Nebel bleibt so dicht, bis wir das Hotel in Goris erreicht haben, und wir brauchen extrem lange für die sechzig Kilometer.

Die Stadt Goris liegt in einem Talkessel des Flusses Vararak, umgeben von hohen Sandsteinbergen. Da es schon wieder spät ist gehen wir auch gleich nach dem Duschen zum Abendessen im Speisesaal. Da wir von dem Nebel ziemlich geschlaucht sind, gehen wir nach dem zweiten Bier auch schon ins Bett.

5.10. – verlassenes Dorf und einsame Klöster

Sonntag 05.10.14 – 9. Tag

Wir fahren über kleine Straßen zu dem Dorf mit dem absolut unaussprechlich wie unleserlichen Namen Khndzoresk. Der neue Teil des Dorfes ist in den 50er Jahren auf dem Plateau gebaut worden, vorher haben die Menschen in den Höhlen der bizarren Felsformationen gewohnt. Wir stehen auf dem Portal eines guten Aussichtspunktes und können das gesamte Tal einsehen.

Neben Gebäuderuinen aus dem 19. Jahrhundert blieben im Tal eine dreischiffige Basilika aus dem 17. Jahrhundert, sowie eine ein schiffige Kirche und die Ruinen einer Einsiedelei erhalten. Nach ein paar Minuten fahren wir rauf in das Dorf und über einen kleinen Weg wieder runter in die Tuffstein-Landschaft. Ein paar Höhlen sind zugänglich, wir können uns kaum vorstellen, dass jemand da wohnen kann.

Seit dem 16. Oktober 2010 ist das Kloster Tatev durch eine Seilbahn, die sich auch „Wings of Tatev“ nennt, über die Worotan-Schlucht mit dem Ort Halidsor verbunden. In elf Minuten können Besucher ganzjährig das Kloster erreichen. Die Seilbahn ist mit 5750 Metern die längste in einer Sektion mit einem durchgehenden Tragseil ausgeführte Pendelbahn der Welt. Wir freuen uns auf die Seilbahn, doch als wir den Berg hinauf fahren wird es stetig nebeliger, und wir einigen uns darauf zu verzichten und die Strecke mit dem Motorrad zu bewältigen.

Auf dem Weg runter nimmt der Nebel ab, wir halten an einer kleinen Kirche, wo wir ein Paar aus dem Schwäbischen treffen. Sie sind schon 6 Wochen unterwegs und wollen langsam wieder zurück. Von der Kapelle aus haben wir einen schönen Ausblick in das Tal und auf das Kloster Tatev, dass ja unser Ziel ist. Wenn der Nebel nicht wäre könnte man hier stundenlang stehen bleiben und in die herrliche Landschaft sehen.

Auf dem Weg zu diesem Kloster gibt es eine Naturbrücke genannt Devils Bridge (Teufelsbrücke) auf armenisch Satani Kamurj. Wir halten kurz an und gehen die Stiege herunter. Am Rand des schmalen Wanderwegs sind verschiedene Quellen, aus denen warmes Mineralwasser sprudelt. Die Wände des Canyons sind vom Wasser pink und gelbgrün gefärbt. An den Rändern der Brücke, direkt auf dem Wasser hängen riesige Eiszapfen-Stalaktiten von phantastischen Formen.

Der Fluss verschwindet dann mit einer Breite von fast dreißig Metern unter Steinbögen und kommt nach etwa hundert Metern wieder zum Vorschein. Bernd wäscht seine Stiefel in dem warmen Wasser und wir gehen die Stiege wieder rauf, wo Jürgen auf uns wartet.

Wir fahren die Schotterpiste in herrlich engen Serpentinen rauf zum Kloster Tatew. Bevor wir die Klosteranlage betreten, gehen wir in das kleine Café und trinken einen Kaffee. Der Parkplatz ist nahezu voll, und die Seilbahn ist nun auch frei von Nebel. Wir ärgern uns aber nicht, dass wir die Straße genommen haben, die Route war toll, einfach eine herrliche Strecke in wunderschöner bewaldeter Landschaft.

Das Kloster wurde im 9. Jahrhundert am Ort eines alten Heiligtums erbaut. Es war ein sehr bedeutendes intellektuelles Zentrum Armeniens und zwischen 1390 und 1453 eine anerkannte Universität. Wie viele armenische Klöster des Mittelalters wurde Tatev mit einer Mauer zur Abwehr der Invasionen dieser Zeit umgeben. Das Hauptdenkmal ist die Kirche von Peter und Paul aus dem 9. Jahrhundert, daneben die St. Grigor-Kirche ca. 300 Jahre später.

Auf das Nordportal wurde 1087 die Muttergottes-Kirche gesetzt. Leider wurde der Komplex bei einem Erdbeben in 1931 erheblich zerstört, teilweise wurden die Schäden schon restauriert, aber viele Teile sind einfach leer. In der Hauptkirche findet gerade eine Hochzeit statt, wie in Armenien üblich laufen Touristen umher und fotografieren einige Szenen mit dem Priester und dem Brautpaar.

Im Innenhof treffen wir ein deutsches Paar aus Darmstadt, sie sind mit ihrem Feuerwehrauto unterwegs nach Indien. Wir geben ihnen ein paar Tips für Armenien udn verabschieden uns.

Wir sehen uns das Gefährt noch an, bevor wir die wenig befahrene Erdstraße nach Süden über Tandzaver bis Kapan fahren. Der Nebel lichtet sich und wir halten noch kurz an, um die Klosteranlage noch mal in Gänze zu sehen.

Wir halten an einem Platz wo mehrere Menschen auf einer Decke sitzen und zu Mittag essen. Lavasch, Wurst, Käse und Salat wird von Ihnen stehend und sitzend verspeist. Die Nebelschwaden werden wieder dicker, und wir fahren weiter.

Die Sandpiste ist schön zu fahren und wir durchfahren ein paar einsame Dörfer bis wir schließlich Kapan erreichen, die Hauptstadt der Provinz Siunik und mit ca. 45 tausend Einwohnern die größte Stadt im Süden des Landes.

Wir kommen im Hotel Diana an und stellen erstmal die Motorräder ab. Leider hat der Hotelier kein Bier, und Vardan fährt schnell in die Stadt um das Stiefelbier zu besorgen. Wir sitzen in der Sonne und trinken unser leckeres Gyumri-Bier. Als David mit dem Auto ankommt, bringen wir das Gepäck auf die Zimmer, duschen und ruhen uns ein wenig aus.

Abends gehen wir in die Stadt essen. Das Restaurant ist voll von jungen Menschen, überwiegend Frauen. Nach einer Stunde wechselt aber die Gesellschaft, kleine Gruppen von Männern besetzen nun die Tische und Stühle. Wir flanieren nach dem üppigen Mal die Hauptstraße rauf und runter.

Dabei schauen wir in einen Barbier-Laden und scherzen: „nun muss der Bart ab, Jürgen“. Er gibt sich einen Ruck und lässt den Frisör an seinen Bart und ruckzuck ist er auf wenige Zentimeter gestutzt. Jürgen ist zufrieden, obwohl der Bart wirklich minimiert wurde und zahlt die verlangten 1000 Dram, was etwa 2€ entspricht.

Wir gehen wieder zurück und trinken im Hotel noch ein Schnäpschen.

4.10 – Weinfest, wichtige Steine und Brot

Samstag 04.10.14 – 8. Tag

In Areni ist am Samstag Weinfest, und da wir an diesem Tag keine lange Strecke zu fahren haben, schlägt Jürgen vor das Weinfest zu besuchen. Die Klamotten können wir im Hotel lassen. Wir fahren mit dem Auto nach Areni und sind wieder bei Davids Eltern zum Kaffee eingeladen. Danach bummeln wir langsam an den mittlerweile voll aufgebauten Ständen entlang.

Das Dorf liegt auf ca. 1800 Meter über dem Meeresspiegel, und hier wächst eine der ältesten Weinsorten der Welt, Areni. Trockene, halbtrockene und liebliche Eliteweine werden hier hergestellt. Die Weine haben ein spezielles Aroma und einen speziellen Geschmack aufgrund der Erde und des Klimas in der besonderen Lage.

An den Ständen werden neben den verschiedenen Weinsorten Schnäpse und auch wieder getrocknete Früchte angeboten. Mehrere Stände verkaufen auch Fleischspieß vom Schwein oder gegrillter Hackfleischspieß (Rind- und Lammfleisch). Vardan erklärt uns, dass das Fleisch in einer speziellen armenischen Marinade eingelegt wurde.

Die Fleischspieße werden auf Holz Glut von Rebenholz gegrillt und mit Salat aus Gurke und Tomaten mit feinen Kräutern in das Lavasch gewickelt. „Im Prinzip wie bei den Türken“ sagt Bernd frech und bestellt zwei Spieße. Er gibt mir ein Stück zum Probieren ab und ich bin begeistert, echt lecker.

Wir fahren schließlich wieder zurück zum Hotel, ziehen uns um und fahren mit den Motorrädern los. Eine herrliche Landschaft erwartet uns, die Wiesen sind schon leicht bräunlich. Mehrmals müssen wir Schafherden ausweichen bzw. langsam daran vorbei oder auch mitten durch sie durch fahren. Ab und zu sehen wir auch Rinder und je weiter wir nach Süden kommen, desto öfter sehen wir Pferde auf der Koppel stehen und die Berggipfel werden höher und karger.

Auf dem Weg, die armenische Seidenstraße, nach Sissian überqueren wir dann den 2.344 m hoch gelegenen Vorotan-Pass. Zwei riesige Betonstelen aus der Sowjetzeit sind neben der Straße erbaut und einige Besucher stellen sich davor, um fotografiert zu werden. Vor dem Passhütte sitzen ein paar ältere Männer, die Früchte, Thymian und andere Kräuter und natürlich Schnaps verkaufen.

Vardan kauft ein paar uns nicht bekannte Früchte und verteilt sie unter uns, schmecken ganz gut, z.B. die Korneelkirsche, etwas bitter und mit einem harten Stein. Einige ältere Lkw aus dem Iran kommen uns schon entgegen, anfangs vermutete ich, es gibt nur alte Lkw aber da lag ich falsch, ziemlich gut gepflegte Lkw passieren den Pass, auch neue Busse fahren vorbei.

Es wird kühler und wir fahren bergab. Vardan biegt rechts zu einem Stausee ab, kurze Pause am See meint er und hält am Rand des Sees, ein Stausee des Vorotan. Jürgen fährt weiter am Ufer entlang und gräbt seine XT in den weichen Sand. Vardan läuft hinterher und beide manövrieren die Yamaha aus dem Sand und die XT kann wieder rollen und wir fahren die Piste wieder rauf zur Straße.

Als nächstes stand der Schaki-Wasserfall, kurz vor Sissian auf dem Programm. Der Vorotan-Fluss fällt hier ca. 18 m tief über eine Basalt-Kante. Doch leider gibt es nichts zu sehen. Weil der Fluss nicht genug Wasser führt und lediglich ein paar Tropfen, höchsten aber ein Rinnsal die 18m herunterfallen, fahren wir weiter nach Sissian. Wir suchen die Kirche und finden die kleine Kapelle auf der Anhöhe. Vardan geht zu den Häusern in der Nähe der Kirche während wir anderen uns die Kapelle ansehen. Als wir wieder an den Motorrädern stehen, kommt Vardan wieder.

Er hat eine Tüte in der Hand und sagt wir können dort beim Backen von Lavasch zusehen und zeigt auf eine Blechhütte, die fast ebenerdig ist. Wir klettern über den Zaun und gehen gebückt in die Hütte. Es riecht herrlich nach frisch gebackenem Brot. Zwei Frauen rollen Teigkugeln aus und werfen sie einer dritten Frau abwechselnd zu.

Sie wirft den Fladen mehrfach durch die Luft und legt den Teig schließlich auf ein mit Stoff umspanntes Brett und bückt sich in den heißen Erdbackofen, klatscht dabei den Teig an die heiße Wand oberhalb des Feuers aus Weinrebenholz. Ein Mädchen holt das Lavasch mit einem Haken von der Wand herunter, schwenkt es kurz über das Feuer und legt es auf einen Stapel.

Die Frauen erzählen sich was und müssen lachen. Vardan erzählt später, dass die Männer weg sind und dann lachen die Frauen über sie. Die Frauen können sich kaum halten vor Lachen und erzählen, kichern weiter aber backen immer weiter ihr Lavasch.

Wir dürfen das dünne Fladenbrot probieren und nehmen auch noch drei Lavasch mit. Die Frauen wollen kein Geld dafür und lachen weiter.

Wir klettern wieder über den Zaun und gehen zurück zu den Motorrädern. Vardan öffnet die Tüte und holt eine Wurst und ein Stück Käse aus seiner Tüte, schneidet alles in mundgerechte Stücke. Wir genießen das leckere Lavasch mit Wurst und Käse, ein super Mittagessen.

Nachdem wir gesättigt sind fahren wir zurück zur Hauptroute und kommen schließlich bei dem Zoro Karer einem bronzezeitlichen Gräberfeld an. Übersetzt heißt Zora Karer Steinarmee oder Stein-Sammlung und wird oft mit dem englischen Stonehenge in Verbindung gebracht. Es gibt zahlreiche Legenden über diesen Kreis aus Steinen.

Das etwa 7 ha große Feld liegt auf einem Höhenvorsprung auf dem sich ca. 30 zum Teil sehr große Kammergräber sowie Mauerreste einer Siedlung befinden.

Eine Reihe aus ca. 150 aufrecht stehenden Felsbrocken (Megalithen) begrenzt die Siedlung. Insgesamt befinden sich 223 solcher Felsbrocken in verschiedenen Formationen auf dem Gelände. Etwa 40 von ihnen bilden einen Kreis um das zentrale Steinkammergrab des Orts. Sie bestehen aus Basalt, haben eine Höhe von 2-3 m und ein geschätztes Gewicht von bis zu 10 t.

Vom Gräberfeld von Zoro Karer sieht man nicht mehr viel, es wurde schon vor langer Zeit ausgeraubt und bei den meisten Gräbern fehlen die Decksteine. Wir flanieren entlang der Megalithen, schießen Fotos und sind von der wunderschönen Landschaft begeistert.

Bei herrlichem Wetter fahren wir weiter Richtung Gorris, die Landschaft ist unheimlich weit. Auf und neben der Straße werden viele Schaf- und Kuhherden von Hirten auf Pferden in Begleitung ihrer großgewachsenen Hunde getrieben.

Als wir über einen Hügel kommen sehen wir im Tal eine dicke Wolke hängen. Wir kommen näher und es wird kälter und feuchter, bis wir mitten in der dicken Suppe fahren. Goris liegt in einer Talsenke, und es ist tief nebelig als wir das Hotel erreichen. Als wir auf den Hinterhof fahren, zeigt Helmuth auf sein Hinterrad.

Im Reifen steckt eine dicke Schraube, er ist platt. Vardan wartet nicht lange und packt das Werkzeug aus, vor dem Tor spaltet ein Mann Holz, wir nehmen einen Stumpen Holz, hieven das Motorrad darauf und ruckzuck ist das Hinterrad demontiert. Vardan fährt zum Reifenflicken und wir gehen schon mal duschen. Nach einer halben Stunde ist er wieder zurück und hat das Rad auch schon fast fertig montiert als wir frisch geduscht, helfend daneben stehen.

Es ist schon dunkel als wir zum Abendessen in den kalt wirkenden Saal gehen. Mehrere Tische sind von kleinen Gruppen besetzt. Die Atmosphäre in den Essbereichen der Hotels ist eher kühl und irgendwie wird auf die Zeremonie Abendessen kaum Wert gelegt.

Das Essen wird auf den Tisch gestellt, zunächst der Salat und Beilagen, nach fünf Minuten kommt die Hauptspeise dazu. Jeder fängt auch einfach an zu essen. Nicht nur bei unserer Gruppe fängt einer einfach an das Essen einzunehmen.

Die Teller werden je nachdem ob er schon leer ist abgeräumt, ungeachtet derer die noch essen. Das wäre bei uns fast undenkbar. Wir sitzen noch bei einem Bier und Schnäpschen zusammen, während sich der Saal geleert hat aber so ganz alt werden wir auch nicht.

03.10 – entlang der blauen Perle zur Seidenstraße

Freitag 03.10.14 – 7. Tag

Nach dem Frühstück fahren wir zurück zur Straße und biegen ab zu dem Molokanerdorf Semenovka. Vardan mahnt uns, auf die Ehre der Menschen Rücksicht zu nehmen und keine Fotos von ihnen zu machen.

Die Molokaner sind eine Gemeinschaft des spirituellen Christentums, die sich von der Russisch-Orthodoxen Kirche getrennt hat. Übersetzt bedeutet Molokaner „Milchtrinker“, weil sie an den Fastentagen Milch zu sich nehmen. Wir fahren langsam durch das Dorf, sehen aber auch niemanden, wir nehmen die Aufforderung ernst und lassen die Kameras unberührt. Am Ende des Dorfes biegen wir wieder auf die Hauptstrasse.

Wir fahren die M8 wieder zurück bis Dilijan und nähern uns über die M4 dem Sevan-See. Leider ist die Sicht auf den See durch den dicken Nebel versperrt, es wird kälter als wir die Serpentinen rauf fahren. Auf der anderen Seite des Passes ändert sich am Wetter leider nichts.

Der größte See in Armenien wird auch „Blaue Perle Armeniens“ genannt und liegt auf ca. 1.900 m über dem Meeresspiegel. Der See ist mit einer Fläche von etwa 940 km² fast doppelt so groß wie der Bodensee. Durch Wasserentnahme ist der See um 30% kleiner geworden, 1984 waren es noch 1.262 km². Sevan am Nordufer des Sees war einer der beliebtesten Badeorte zu Sowjetzeiten.

Wir besuchen die Reste des Sewanawank, ein ehemaliges Kloster am nordwestlichen Ufer des Sewansees. Heute sind nur noch zwei Kirchen davon übrig, die Mauerreste liegen etwas abseits. Das Kloster liegt idyllisch auf der kleinen Halbinsel.

Die beiden Kirchen „Heilige Apostel“ und „Mutter Gottes“ haben die typischen kreuzförmigen Grundrisse und sind recht klein, 12×15 Meter und 8×10 Meter. Die Kirchen sind auch nicht besonders hervorzuheben, aber die Lage ist einmalig.

Auf der Treppenanlage stellen Maler ihre Künste aus, etwas sehr bunt für meinen Geschmack. Unten am Parkplatz ist mehr Trubel, einige Busladungen schlendern an den Souvenirständen vorbei, während wir Thymiantee trinken.

Nach der Pause fahren wir dann weiter und sehen auf der linken Seite immer wieder das Seeufer. An der Straße sind einzelne Stände, die Sanddornzweige und Früchte verkaufen, teilweise sind auch wieder die getrockneten Früchte im Angebot. Der Nebel löst sich langsam auf, und wir können den See auf der Linken gut sehen.

Im Dörfchen Noratus finden wir den historischen Friedhof mit seinen rund 1000 Kreuzsteinen. Rundgänge sind ausgeschildert, wir halten uns aber nicht an das vorgeschlagene Konzept der Hinweistafeln und gehen langsam entlang der mit Flechten bewachsenen Steine. Plötzlich kommt aus einer Grotte eine alte Frau, mit tiefen Furchen in ihrem braunen Gesicht und bietet mit traurigem Blick gestrickte Topflappen für 1.000 Dram an, Jürgen und ich kaufen ihr welche ab und die alte Frau drückt Bernd eine Strickmütze in die Hand. Bernd setzt sie auf und behält sie, 2000 Dram gibt er für die Mütze. Die alte Frau setzt sich glücklich in die Grotte zurück und wartet auf die nächsten Kunden.

Entlang des Sees geht es noch ein paar Kilometer und wir folgen der M10 bis Martuni, bleiben auf der M10 Richtung Yeghegnadzor.

Wir fahren durch eine wunderschöne leicht hügelige Landschaft, dem Selimgebirge mit spektakulären Ausblicken auf die Berge. Wir stehen oft an der Straßenseite und fotografieren.

An der Selim Karawanserei halten wir an. Es ist wieder nebelig geworden, auf dem Parkplatz steht ein Händler mit Früchten aus der Region.

Die im Jahr 1332 vom Prinzen Kesar Orbelian gebaute kleine Karawanserei bot Übernachtungsplätze für Reisende und Karawanen, die mit Ware beladen unterwegs waren. Die Seidenstraße war ein wichtiger Handelsweg für Waren, die für die Märkte in Europa und Orient bestimmt waren.

Die Straße runter vom Pass ist noch schöner, alle Farben sind an den Hängen zu sehen und da macht das Fahren richtig Spaß. Auch auf dieser Seite fotografieren wir wieder viel, wobei die Kurven auch zum Fahren einladen, Fahrspaß pur. In Yeghegnadzor angekommen, biegen wir zunächst nach rechts ab und besuchen das Kloster Noravank aus dem 13. Jahrhundert. Die Straße nach Areni ist schlecht und macht wenig Spaß, doch als wir links in die Schlucht des Amaghu einbiegen, kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wir durchfahren die massiven Felswände in schön geschwungenen Kurven

Ein besonderes Merkmal des Klosters ist die Fassade der zweigeschossigen Mausoleums Kirche, auf einer schmalen Treppe ohne Geländer gelangt man in die zweite Ebene der Kirchs. Das Raufkommen wäre für mich kein Problem aber runter wird es ein Drama: Ich verzichte auf den Aufstieg, aber Helmuth traut sich. Das Kloster ist ein Touristenmagnet, weil wir aber recht spät dran sind, sind nicht mehr viele Touristen da, und wir können die Idylle genießen.

Wir fahren durch die schöne Schlucht zurück zum Anfang und besuchen einen Freund von David, der uns in die Grotte Areni I zeigt. In der Höhle, die gar nicht tief in den Berg hinein führt, wurden zahlreiche gut erhaltene Artefakte gefunden. Darunter der weltweit älteste, vollständig erhaltene Lederschuh und die älteste Weinfabrikation mit Fermentationsbottichen, einer Weinpresse, Krügen sowie einem Trinkhorn.

Im stabilen kalten und trockenen Klima der Höhle hatte sich der über 5000 Jahre alte Schuh extrem gut erhalten. Ein weiterer Grund für die guten Erhaltungsbedingungen war wohl eine dicke Schicht aus Schafsdung, durch die die darunter liegenden Schichten quasi versiegelt waren. Wir steigen in die Höhle, wo noch die Drähte der Archäologen gespannt sind. Der Höhlenführer ermahnt uns nichts zu zerstören, die Arbeiten sind noch lange nicht abgeschlossen, und man hofft auf weitere Funde.

Wir fahren zurück zur Pension nach Yeghegnadzor, beziehen die Zimmer und duschen uns, bevor wir zu Davids Familie nach Areni fahren.

Die Eltern von David sind vor kurzem erst in Ihre alte Heimat von Jerewan gezogen und bauen nun Wein an. Sie begrüßen uns herzlich, und wir setzen uns in das Wohnzimmer, Weine aus Areni werden gereicht, ein halbsüsser und ein trockener Rotwein und was ganz besonderes, einen Granatapfelwein. Wir kosten alle drei und sogar der halbsüsse schmeckt mir. Die Mutter tischt auf, als erstes gibt es Salat und Brot, dann eine Bohnensuppe mit Kichererbsen. Davids Vater bereitet die Hauptspeise vor, Fisch aus dem Arpa, der Fluss, der durch das Tal fließt. Der Fisch ist klein und wird zusammen mit Paprika und Tomate gekocht und man isst ihn mit den Fingern. Ich nehme das Brot (Lavasch) zur Hilfe und bin von dem Gericht begeistert. Neben dem Wein kennt der Gastgeber auch noch den „Wodka“, hier sind es ganz edle Schnäpse und wir probieren alles einmal.

Davids Vater ist Weinbauer und beschäftigt sich mit der Geschichte Armeniens. Er schrieb schon drei Bücher u.a. auch ein Buch zum geschichtlichen Verhältnis zu Aserbaidschan. Er erzählte viel von dem Verhältnis und dass die Christen in der Gegend immer benachteiligt wurden. In der Sowjetzeit war die Religionsfreiheit nicht gegeben, und die Nachbarn sind alle dem Islam zugewandt und stehen Armenien negativ gegenüber. Nach 23:00 fahren wir zurück zur Pension, recht müde und ein wenig angetrunken.

2.10 – Grenzgebiet und Bekanntschaft mit Hirten

Donnerstag 2.10.14 – 6. Tag

Am Morgen frühstücken wir auf dem Balkon, die Sonne scheint und drängt den Nebel weg, es ist schon früh recht warm. Das Frühstück ist toll, mit süßem Kuchen, gefüllten Blätterteigtaschen, leckerem Schafkäse, das übliche Brot und Lavasch mit verschiedenen Marmeladen und Botok (eingelegte grüne Walnüsse), dazu gibt es wie oft Tomate und Gurken.
Wir verabschieden uns von der überaus gastfreundschaftlichen Familie und vom Kleinen und fahren die Schotterpiste runter zur Hauptstraße. Auf der Straße laufen Pferde, die Reißaus nehmen als wir näher kommen. Im Galopp rennt die Herde entlang der Straße und verschwindet an einem Tor.
In Ijevan tanken wir und suchen nach einem Reifenhändler, wo Vardan Jürgens Reifen flicken möchte.

An einem Nightclub halten wir und schieben Jürgens XT zur anderen Straßenseite, wo der Reifenhändler Vardan alles zur Verfügung stellt. Vardan tauscht den Schlauch in kurzer Zeit, und das Hinterrad ist auch schnell wieder montiert, während wir die Menschen und den Verkehr auf der belebten Hauptstraße beobachten.

Nachdem alles wieder verstaut ist fahren wir wieder in das Zentrum Ijevan und biegen links Richtung Berd ab. Anfangs ist die Straße noch asphaltiert, wir passieren einige kleine Vororte von Ijevan und schließlich wird die Straße zur Piste. Es staubt ganz ordentlich und wir fahren die Serpentinen hoch. Dann treffen wir auf eine Baustelle, die Lkw und Bagger stehen auf dem Weg und wühlen alles kaputt, die Serpentinen sind schwer zu fahren, der Sand ist rutschig und von dem Schwerverkehr aufgewühlt.

Aber wir schaffen die 2 km und gelangen auf eine Ebene, wo Vardan an einem Schuppen anhält. Zwei Männer stehen draußen und winken uns zu. Wir halten alle, und schnell gesellen sich vier weitere Männer dazu. Wir möchten doch einen Kaffee mit ihnen trinken, sagt Vardan und wir freuen uns auf das Angebot.

Der scheinbar Ältere zeigt uns den Weg in die Hütte durch die kleine Tür. Die Wände sind mit weißer Plastikfolie aus alten Plastiksäcken mit dem Aufdruck „50kg Wheat flour Gift of Russia“, der Boden besteht aus verdichtetem Lehm. Ein Tisch und rechts und links davon stehen Betten, der Raum wird von einem Stahlofen beheizt.
Der Hausherr stellt einen Kunststoffbehälter mit eingelegtem Krautsalat und zwei Teller mit verschiedenem Schafkäse auf den Tisch, das Brot wird auf dem Stahlblechofen geröstet.

Er braut den Kaffee und reicht jedem eine Tasse. Es ist richtig warm in der Hütte. Wir unterhalten uns prächtig, Vardan übersetzt fleißig und die Hirten freuen sich, endlich mal wieder fremde Leute zu sehen. Wir sind auf ungefähr 2.200m und die Leute wohnen hier mit fünf Familien im Sommer.
Sie fahren nur ab und zu mal in die Stadt Ijevan oder Berd. Im Spätherbst bringen sie das Vieh in das Tal.

Der Pass wurde im Zuge des Krieges gegen Aserbaidschan ausgebaut, heute verlieren sich hier selten Menschen.
Sie leben völlig autark, Lebensmittel pflanzen sie selber an, ab und zu gehen sie zur Jagd, der Hausherr zeigt uns seine Waffe. Die Kuh- und Schafsherden müssen vor wilden Tieren beschützt werden, sagt der ältere. Wölfe und Bären sind hier häufig zu sehen, aber auch Wildkatzen und Luchse reißen schwache Tiere.

Nachdem wir gut gestärkt sind, gehen wir wieder in die frische Luft und starten die Motorräder, die Hunde bellen und die Männer winken freundlich zum Abschied.
Bei Navur biegen wir rechts ab, teilweise ist die Straße befestigt, doch überwiegend haben wir Schotter auf der Piste. Die Landschaft ist herrlich, weite Täler mit Wiesen und teilweise Wälder.

Wir kommen in das Dorf Gosh, wo sich ein ehemaliges armenisches Kloster aus dem 12. bis 13. Jahrhundert befindet. Das gut erhaltene Bauwerk wird nicht mehr kirchlich genutzt und wird wie schon häufiger gesehen restauriert. Auf dem Vorhof ist die Statue von Gregor dem Erleuchter, oder auch Gregor der Illuminator. Mit Kapuze und bitterer Mine hält die Bronzestatue eine Waage in der Linken und beobachtet die Kirchgänger.
Nachdem wir die Kirchen besichtigt haben, erholen wir uns in einem Café, die gute Frau serviert Thymiantee, mit etwas Zucker ist der Tee richtig erfrischend. Ich nehme mir auch einen Beutel getrockneten Tee mit.
Wir erreichen wieder die Hauptstraße, und die Motorräder laufen schön ruhig auf dem guten Asphalt, irgendwie erholsam.

Doch Vardan biegt wieder ab und wir fahren auf einer halbwegs zerstörten Straße mit vielen Kurven in dichtem Wald zum Parz Lich, d.h. klarer See. Er soll zu den schönsten Seen Armeniens gehören und befindet sich auf 1400m. Der See scheint aber nicht klar, sondern eher grünlich verdreckt. Am See hat sich eine Gastronomie niedergelassen, ein Restaurant mit sehr vielen Tischen, ein Imbiss ist direkt daneben. WiFi ist auf großen Schildern propagiert, und wir haben Empfang.

Wir spazieren auf und ab bis wir auf eine Gruppe älterer Damen treffen. Eine kann etwas deutsch und sie haben viel Spaß, als wir uns mit ihnen unterhalten. Ganz überrascht sind sie als Jürgen etwas auf Russisch sagt. Sie fangen an zu singen und lachen.
Den holprigen Weg fahren wir wieder zurück und fahren nun etwas zügiger, denn ab Dilijan wird die Straße besser. Vardan gibt Gas, es ist ja auch schon wieder nach 17:00 Uhr.

Irgendwo bei Margahovit hält Vardan an und erklärt, dass die neuen Gebäude unterhalb der Straße eine internationale Schule seien. 2.500 bis 3.000€ pro Monat soll der Schulplatz kosten. Wir stehen gerade bewundernd an der Straße und sehen uns den gepflegte Campus mit mehreren Gebäuden, verschiedenen Sportplätzen an, als uns einer von drei Jungs in englisch anspricht. Where do you come from? Fragt er in akzentfreiem Englisch.
Er stellt sich und seine Kollegen freundlich vor und fragt uns, warum wir Armenien besuchen. Die Jungs sind an der Schule und kommen aus Georgien, der Ukraine und Armenien. Der Armenier lebt aber in St. Petersburg. Die Jungs sind gut gekleidet und fragen sehr höflich aber bestimmt und verabschieden sich mit netten Worten. Die müssen viel Geld zu Hause haben.

Wir haben es nicht mehr weit zum Hotel, das aus dem Haupthaus mit Rezeption und Restauration sowie einigen Häusern Besteht. In den Häusern sind die Zimmer, die eigentlich schon als Wohnung bezeichnet werden können. Vardan wartet die Motorräder, Jürgens Reifendruck ist noch konstant, aber die Ketten werden geprüft und gefettet. Danach treffen wir uns zum Abendessen im Haupthaus.
Leider hat eine Busreisegruppe alle Tische rund um das Buffet belegt und wir weichen in die Halle aus. Heute gibt es Suppe, natürlich auch Salat und Geschnetzeltes, als Nachtisch Baklava.
Die Bustouristen, die überwiegend aus London kommen, sind schon lange weg, und es ist Ruhe im Haus eingekehrt und wir verbringen noch einige Zeit in der warmen Halle bei einem leckeren Bier und lassen den Tag Revue passieren.

01.10 – Nordarmenien und die russische Geschichte

01.10 – Nordarmenien und die russische Geschichte

Mittwoch 01.10.14 – 5. Tag

Das Frühstück fällt ebenso spärlich aus wie das Abendessen, wir sind dennoch satt geworden und es hat auch geschmeckt, nur fehlt ein wenig die bislang gewohnte Vielfalt. Wir packen unsere sieben Sachen und fahren zu einem Reifenservice, der Jürgens Hinterrad wieder mit ordentlichem Druck versieht. Am Hotel war er wieder platt und wir haben gemeinsam abwechselnd die Handpumpe bedient. Die Mechaniker bewundern unsere Motoräder und freuen sich über unseren Besuch, für ihre Arbeit nehmen sie kein Geld.

Wir fahren bis kurz vor der Ortsgrenze und fahren über kleine Weidewege zu der Festung Lori Berd. Die Festung befindet sich am rechten Ufer des Flusses Dzoraget, der sich eine tiefe Schlucht gegraben hat.
Das mittelalterliche Schloss Lori-Berd wurde schon um 1.000 nach Chr. gebaut, und heute sind nur einige Ruinen der Burg erhalten und gehören zum historischen Schutzgebiet.
Wir bewundern neben den Restmauern ganz besonders das Fahrrad eines Mannes, der wahrscheinlich rein zufällig hergefahren kommt. Mit Fransen und Verzierungen steht das Fahrrad in der Sonne, während er auch unsere Motorräder begeistert ansieht.

Auf staubigen Straßen und Sandpisten fahren wir Richtung Kobayr. An einem Feld halten wir und wir werden von den Bauern begrüßt, sie bestellen gerade das Feld und freuen sich über die kurze Ablenkung durch uns. Die Saat liegt in weißen Kunststoffsäcken auf dem Lkw,und ein alter Raupentrecker fährt über den Acker. Auf dem Weg herrscht reger Verkehr, da wir uns im fruchtbaren Teil Armeniens befinden. Die alten russischen Lkw werden mit allerlei beladen, u.a. sehen wir Kühe auf der Ladefläche.

Mit unheimlich freundlichem Wesen erzählen die Bauern Juri alles in russischer Sprache, sie sind begeistert, dass wir anhalten und uns für sie interessieren. Uns machen die alten Geräte Spaß, die gab es bei uns so nicht. Auf den großen Weideflächen sehen wir Schafherden, Pferde und Kühe, die in der Endlosigkeit grasen.

Die Ortschaften sind nur über diese sandigen Pisten erreichbar, es gibt aber auch Linienbusse, die die Menschen abholen.
Die typischen Gasleitungen sind überall zu sehen, mal in gelb, mal verrostet verlaufen sie parallel der Dorfstraße. Die Hausanschlüsse sind von der Straße zugänglich. Vardan erzählt, dass die Verlegung der Leitungen unterirdisch zu gefährlich sei. Einmal wegen der Erdbebengefahr und zum zweiten, dass jeder ohne Genehmigung buddeln darf und so eine Leitung zerstören könnte.

Ein paar Kilometer weitern halten wir an einem Kartoffelacker, die Menschen ernten die Kartoffeln mit einem Kartoffel Ernter, wie wir ihn von vor 50Jahren bei uns kennen. Auch hier werden wir freundlich begrüßt, wir erhalten jeder eine große Weintraube, die Beeren schmecken sehr lecker, aber wir können sie nicht verstauen und geben einige zurück. Ein kleiner Junge ist ganz stolz, einmal auf dem Motorrad zu sitzen, starten sollen wir aber nicht. Wir fahren weiter, und die Frauen und Männer auf dem Feld winken zum Abschied.

In Odsun besichtigen wir die im 7. Jahrhundert erbaute Kathedrale von Odsun, die heute restauriert wird. Die Bauarbeiter hantieren die dicken Sandsteine per Kran, der aber auch reparaturbedürftig scheint. Wir verweilen in der Sonne und sehen uns auf dem Gelände die vielen Grabsteine des Klerus an.
Wir fahren weiter durch die Debetschlucht über herrliche Serpentinen über Alaverdi zum Haghpat Kloster. Wir sind nahe der armenisch-georgischen Grenze, die Landschaft an der Schlucht ist atemberaubend. Aus dem Tal kommt uns jedoch ein dunstiger Qualm entgegen. In der Sowjetzeit begann in der Bergbausiedlung der Ausbau der Kupferhütte zum Kupfer- und Chemiekombinat Alaverdi.

Auf den zumeist ungeschützten kargen und zugigen Bergplateaus wurden neue Stadtteile als Wohnblocksiedlungen angelegt und Seilbahnen für den Personen- und Materialtransport errichtet. Aus Gesundheits- und Umweltschutzgründen wurde das Kupfer- und Chemiekombinat geschlossen.
Zum Stadtgebiet gehört das Dorf Sanahin, der Geburtsort der Brüder Artjom und Anastas Mikojan.

Artjom Mikojan war zusammen mit Michail Gurewitsch Konstrukteur des russischen Düsenflugzeugs MIG. Anastas hatte als Politiker viele verschiedene Ministerposten unter Stalin, Chruschtschow und Breschnew inne. Wir besuchen das Museum, das zu Ehren der Stadtsöhne aufgebaut wurde. Am Eingang steht die MIG 21, wo wir von einer Verwandten der berühmten Brüder empfangen werden. Sie führt uns durch das Museum und erklärt die Exponate mit viel Freude.


Wir fahren weiter zum Kloster Sanahin, das in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts gegründet wurde und als die vollkommenste Klosteranlage Armeniens gilt. Das Kloster war auch eine Art Akademie bzw. Universität mit einer großen Bibliothek.
Auf dem Gelände befindet sich ebenfalls ein Friedhof, wo wieder die typischen Abbildungen der Toten und deren Todesursache zu sehen sind.

Auf dem Weg zum Kloster sind verschiedene Stände aufgebaut, wo meistens Frauen Gestricktes, Magneten und Kruzifixe zum Kauf anbieten. Jürgen entdeckt eine alte Frau, die gerade Schnaps brennt. Die Destillieranlage ist aus Fässern und Bottichen zusammengebaut. Sie bietet auch uns Flaschen zum Kauf an, aber mit dem Hinweis, dass wir Motorrad fahren, verzichten wir darauf-

Der Klosterkomplex Haghpat ist nicht weit entfernt, über Serpentinen erreichen wir den Komplex aus dem 9. Jh. Wir trinken als erstes einen Kaffee, dazu werden Frischkäse, Gurken und Tomaten serviert. Wir ruhen uns ein wenig vom anstrengenden Vormittag aus, bevor wir die alten Gemäuer besichtigen. Das gesamte Kloster ist von einer Wehrmauer umgeben. Über das Gelände verteilt finden wir Steine mit kunstvollen Gravuren, die meist Kreuze darstellen und bischöfliche Grabstätten. Nach eine dreiviertel Stunde fahren wir wieder weiter.

Die Straße führt uns über Ayrun entlang der Georgischen Grenze und dann Richtung Süden entlang der Grenze zu Aserbaidschan nach Ijevan. Ein paar Kilometer hinter dem Ort biegen wir rechts auf die Schotterstrecke ab und fahren ungefähr eine Viertelstunde auf schwerem Schotterweg hoch zu einem Freund von Vardan, der uns für die Nacht in sein Haus einlädt. Die Familie ist im Haus und wir werden auch von den Kindern begrüßt.
Es gibt zwei Zimmer für uns, die mit Etagenbetten ausgestattet sind. Nachdem wir uns etwas frisch gemacht und umgezogen haben, essen wir zu Abend. Der Gastgeber erzählt einiges vom Leben auf dem Land, er spricht relativ gut deutsch und wir haben in dem mit einem kleinen Stahlofen gut aufgeheizten Wohnraum einen kurzweiligen Abend.

30.09. Durch das Erdbebengebiet nach Stepanavan

Dienstag 30.09.2014 – 4. Tag

Das Frühstück ist üppig und findet statt in einem Saal mit Gemälden aus der griechischen Mythologie, sehr verwegen das Ganze. Schon um 8:30 fahren wir los, es geht über Asphaltstraße in Richtung nördliche Provinz Lori. Wir fahren zunächst talwärts und dann die Hauptstraße nach Aparan, wo wir im Zentrum an der neu gebauten Großbäckerei halten.

Wir beobachten den Bäcker, der sich im Minutentakt Hals über Kopf in den traditionellen Ofen hängt und den Brotteig an die heiße Tonwand des Ofens presst. Genauso sportlich holt er die fertig gebackenen Brote wieder heraus. Wir nehmen ein wenig Gebäck mit Käsefüllung mit und fahren weiter über den Spitak-Pass nach Spitak.

Wir durchfahren auf einer super angelegten Straße eine wunderschöne Landschaft, mit unheimlich weitem Blick in die Täler.
Im Gebiet um Spitak gab es am 7.Dezember 1988 ein schweres Erdbeben, bei dem nach Schätzungen mindestens 25.000 Menschen umkamen und ca. eine Millionen Menschen obdachlos wurden.

Auf einem Berg in der Stadt wurde gleich nach dem Erdbeben eine Metallkirche aufgebaut, um den Trauernden einen Ort der Zusammenkunft zu bieten. Rund um die Kirche liegt der Friedhof, auf vielen Grabsteinen sind Abbildungen der Verstorbenen und die Todesursache, nämlich eingestürzte Häuser abgebildet. Viele junge Menschen und Kinder sind dargestellt, einige halten Uhren mit der Uhrzeit des Erdbebens in den Händen.

Wir fahren mit den Enduros auf die Anhöhe und besichtigen die seltsam anmutende Kirche. „Das ist das erste Mal dass ich auf einem Friedhof Enduro fahre“ merkt Helmuth an und wir fahren zurück in die Stadtmitte, um in einem YMCA-Cafe eine Pause ein zu legen und den dicken Wolken zu entgehen, die sich tief schwarz am Himmel entwickeln. Wir erreichen gerade das Café, als es anfängt in Strömen zu regnen.
Wir warten den Schauer ab und fahren weiter Richtung Gyumri.

Der Regen hat die Schlaglöcher mit Wasser gefüllt, und die nasse Straße lässt es kaum zu, diese Schlaglöcher rechtzeitig zu erkennen, deshalb knallt es ab und zu mal. Jürgens Hinterrad verliert Druck, in Gyumri halten wir deshalb an einer Tankstelle, die eigentlich nur aus einem Container besteht. Hier werden Cola-Flaschen mit Benzin und Öl auf Stühlen angeboten, der Boden ist von Öl, Benzin oder Diesel schon mächtig gesättigt. Wir führen den Zustand auf das Erdbeben zurück, denn überall sind Ruinen aus der Zeit zu sehen, teilweise stehen neue Häuser daneben.

Auf einer Kreuzung hält Vardan an, sofort kommen ein paar Männer und fragen, ob wir Hilfe benötigen. Vardan verneint das und meint zu uns, dass es möglich wäre die Piste zum Wasserfall Trchkan zu fahren – wir nicken sofort und fahren durch eindrucksvolle Landschaften auf engsten Pfaden, einfach herrlich. Die Strecke ist sehr eng, einige Matschkuhlen sind zu umfahren.

Schließlich haben wir eine Wasserdurchfahrt durch den gleichnamigen Flusses Trchkan und sehen vom Rand der Schlucht den wegen Wassermangel nur dünn strömenden Wasserfall. Die Landschaft ist genial, und es macht einfach Spaß über die engen Wege weiter runter zu fahren.
Die Schwierigkeit besteht während der Fahrt darin, die großen Schlammlöcher zu umfahren oder nicht stecken zu bleiben. Das meistern aber alle gut, und gemeinsam freuen wir uns über die schöne Etappe.

Auf der Hauptstraße fahren wir dann weiter zum Lori Hotel in Stepanavan. Freundlicherweise dürfen wir unsere Motorräder in den Schuppen stellen.
Wir werden freundlich empfangen und genießen erstmal das Stiefelbier, was auch das letzte Bier am Abend sein wird, da das Hotel nichts mehr hat. Nach dem Abendessen ist die Küche, wo der Kühlschrank steht, geschlossen, und die Köchin ist weg. So bleibt uns nur der Schnaps.

29.09. Klöster, Tempel und Mount Aragats

Montag 29.09.2014 – 3. Tag – mit den Motorrädern

Um 8:00 werden wir von Vardan und David abgeholt und zum Vermieter gefahren. Wir übernehmen die Motorräder, drei XT660R, eine KLR600, Vardan fährt die DR650.
Das Gepäck wird im Pkw verstaut und wir fahren durch das Gewusel Jerewans
Wir dürfen zwischen den Autoschlangen hindurch fahren – wir machen es Vardan einfach nach und folgen ihm.
Kurz vor Stadtgrenze hält helmuth an, sein Vorderrad ist platt und schnell sind helfende Hände da um den Schaden zu beheben.
Nach einer knappen Stunde fahren wir weiter über Bergstraßen zum Höhlenkloster Geghard und erhalten schon Bald den Blick auf den Ararat.

Das Kloster wird auch heute noch als ein kulturelles und geistiges Zentrum in Armenien betrachtet und gehört seit 2000 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Der Hl. Gregor, Patron der armenischen Apostolischen Kirche, soll das Kloster im 4. Jahrhundert n. Chr. gegründet haben. Die dunkle Grotte in der Höhle wirkt erschreckend, dazu singt ein Frauenchor typische armenisch apostolische Gesänge, einfach beeindruckend.

Vor den Toren der Klosteranlage sind Stände aufgebaut, wo getrocknete und kandierte Früchte verkauft werden. Wir probieren ein paar Sorten und kaufen schließlich getrocknete Äpfel am Seil.

Wir fahren nun wieder ein Stück zurück zum Tempel Garni, einer Tempelanlage mit 24 gigantischen ionischen Säulen mit kunstvoll ornamentierten Kapitellen und bewundernswerten Steinmetzarbeiten an den Decken der Galerie. Zu dem reich geschmückten Eingang führt eine vielstufige Treppe, die für unsere Gewohnheiten viel zu steil ist. Auch die Mosaiken in dem römischen Bad unweit des Tempels sind noch gut erhalten, und man erkennt noch die einzelnen Figuren.

Der Ausblick auf die Schlucht des Azat-Flusses ist fantastisch, einige Wanderer kommen gerade von unten hoch, sie schwitzen auffällig. Ein Wanderer bewundert uns und fragt nach den Motorrädern, tauschen möchte ich aber im Moment nicht.
Wir gehen zurück in das Dorf, wo wir Frauen in einer Bäckerei bei der Arbeit zusehen dürfen, die Wandergruppe steht auch um den Ofen herum und jeder kann mal das leckere Lavasch (dünnes Fladenbrot) probieren, als Füllung gibt es leckeren Schafkäse.
Leicht gesättigt gehen wir zu den Motorrädern und fahren durch Stadtteile Jerewans, um weiter Richtung Norden zum Mount Aragats zu fahren. Die Durchfahrt durch die Stadt ist beschwerlich, rechts, links, wieder links, dann rechts und an Autoschlangen vorbei. Wir bleiben trotz der schwierigen Verhältnisse in der Stadt zusammen und gelangen auf die Ausfallstraße.

Entspannt fahren wir Richtung Norden und stoppen an einem ungewöhnlichen Skulpturenpark, dem Ajbuben-Park. 2,5-3,0 m große armenische Buchstaben sind aufgestellt. In der Sonne ist das Ganze ein herrliches Lichtspiel.

Wir ziehen nun die warmen Sachen an, denn es geht aufwärts zum Berg Aragats. Die Wolken hängen schon tief, das satte Grün verschwindet und die Landschaft wird bräunlich, ein leichter Graupelschauer fängt an. Der Berg Aragats ist ein erloschener Schichtvulkan und ist mit seinen 4.091 m der höchste Gipfel im Südkaukasus.

Wir kommen am Hochgebirgssee Kari Lich, dem Stein See an. Der See liegt auf 3.190 Metern. Es ist sehr kalt, Schnee liegt hier überall und wir treffen auf Jugendliche aus Kanada und den USA. Sie erzählen, sie seien Mormonen und arbeiten in ihrem sozialen Jahr in Armenien.
Nach kurzem Aufenthalt fahren wir wieder zurück, der Schneematsch ist weniger geworden und wir fahren zum Guest House in Byurakan. Es gibt dann auch das Stiefelbier im Garten, wir hatten uns mit jedem Meter talwärts langsam wieder aufgewärmt und sitzen nun in der Sonne.

Nach Einbruch der Nacht gehen wir zum Byurakan-Observatorium, einer Sternwarte der Armenischen Akademie der Wissenschaften. Eine Besuchergruppe ist noch vor uns, und wir warten im Wachhaus des Pförtners. Nach 20 Minuten springt der alte Mann auf und führt uns mit der Taschenlampe zur Sternwarte, wo uns ein weiterer in Empfang nimmt und auf die Station wo das lange Teleskop steht führt.
Der dunkel gekleidete Mann erklärt die Sterne und das Teleskop in gebrochenem Englisch. „Don‘t lean onnn Telleskopp“ ist der häufigste Satz, den wir bei der Vorführung hören.

Jeder darf mal durch das Teleskop linsen und der eine erkennt mehr, der andere weniger, so wirklich viel sieht man nicht. Wir schlendern zurück und werden vom Gastgeber erwartet. Er zeigt uns mit Stolz sein Winterlager, das mit Langlaufskier und Snowboards voll steht. Dann zeigt er uns seinen Schießstand, wo die Luftgewehre schon parat liegen, die Flaschen in ca. 20m Entfernung sollen abgeschossen werden. Hier zeigt sich, wer eine ruhige Hand hat.
Anschließend zeigt er wieder mit gleichem Stolz sein Planetarium, das er auf dem Dach des Hauses erbaut hat. Die Sterne sind sein Hobby und er hat den runden Kuppelsaal mit Sternzeichen und Göttern der Antike geschmückt. Etwas kitschig, wie wir finden, aber ebenso imposant.
Danach setzen wir uns noch zusammen und trinken eine Kleinigkeit, bevor wir in die Betten fallen.