Das war Marokko

So schön wie die Landschaft auch ist, uns hat das Land ein wenig enttäuscht. Die Sinne sind nicht geweckt worden, es hat sich keine Leidenschaft entwickelt. Die Armut ist sehr groß, grenzt schon an Verzweiflung, die jungen Menschen wollen da raus, können den Druck des alt hergebrachten nicht mehr standhalten. Die Moderne und die Tradition sind so dicht zusammen und treffen jeweils auf Gegensätze. Vielleicht war es aber auch der ständige Darmreiz, der das Land uns unsympathisch macht und wir nicht auf dem Damm waren, das wirklich Schöne in dem Land wahrzunehmen und zu entdecken. Ob wir die Traute haben, Marokko noch mal zu bereisen?

Infos

das Land ist im Moment gut zu bereisen, Tips und Infos gibt es reichlich im Internet. Die wichtigste Seite ist eigentlich folgende: www.auswaertiges-amt.de – Marokko

Hotels und Kasbahs

Hotels und Unterkünfte sind ausreichend vorhanden, wir haben nicht vorgebucht. Wenn man etwas besonderes sucht, sollte man vieleicht vorbuchen.

Fähre

Unsere Fähre war die GNV, die wir über die Voigt Seereisen Agentur gebucht haben, man kann direkt bei GNV buchen, aber über Voigt ist es einfacher. Es gibt auch Frühbucher Rabatt.

An Bord der Fähre muß das Einreiseformular

Einreiseformular

ausgefüllt werden, die Zettel, die in Genua übergeben wurden, wurden nicht benötigt. Die Beamten sind sehr höflich und helfen weiter

Reiseführer und Karte

Edith Kohlbach
Band 3: Reisehandbuch Marokko: Marokko zum selbst erfahren: Routen, GPS-Waypoints, Städte, Hotels, Camping, Insider-Tipps (mobil unterwegs) Taschenbuch – 2. Oktober 2014
Astrid Därr / Erika Därr
Reise Know-How Marokko
Reiseführer für individuelles Entdecken
Reise Know-How Landkarte Marokko
Reise Know-How Verlag Peter Rump
Maßstab 1 : 1.000.000

GPS – Kartenmaterial:

wir haben die Openstreetmaps Marokko genutzt, reicht vollkommen, jede kleine Straße ist verzeichnet, jeder Wegpunkt passte.

3.10. auf dem Weg nach Chefchaouen

Das Abendessen ist mir überhaupt nicht gut bekommen und das Frühstück fällt für mich eher spärlich aus. Am Nachbartisch sitzen vier Letten, die beim Kellner nach einer Führung durch die Medina für nur eine Stunde nachfragen. Erstaunt antwortet er, das sich das nicht lohne, die Medina sei zu groß aber sie lassen sich nicht beirren, sie haben nur wenig Zeit, sie wollen am Tag noch bis Erfoud. Auch von uns lassen Sie sich nichts erzählen, wir grinsen und wünschen den Jungs viel Glück als wir gehen, schließlich haben sie noch eine stolze Strecke vor sich.

Wir finden gut aus der Stadt raus und fahren über die 501 in die Berge. Mit flauem Magen fällt mir die Fahrt etwas schwer. Wir halten öfter mal an und pausieren an der Strecke. Von der 501 biegen wir auf die 408 entlang des Stausees Oued Ouergha bis nach Ouezzane. In der quirligen Stadt tanken wir und trinken eine Cola und fahren auf der R13 weiter nach Chefchaouen. Von der Straße aus sehen wir die blaue Stadt im Tal liegen. Chefchaouen galt über Jahrhunderte als heilige Stadt, die Ausländern unter Androhung der Todesstrafe versperrt war; dies hat dazu beigetragen, dass in ihr mittelalterliche Architektur erhalten blieb.
Wir fahren zu unserem ausgewählten Hotel Dar Echchaouen. Weil wir hier mindesten zwei Nächte verbringen wollen, haben wir uns ein Hotel mit Pool ausgesucht und wir freuen uns schon auf ein paar Tage Ruhe. Vor dem Haus erwartet uns ein Parkwächter und zeigt den Weg zum Hotel. Die Motorräder können wir gerne stehen lassen, er passe schon auf. Ich bleibe dennoch am Motorrad, weil es mir nicht besonders geht und Barbara geht zur Rezeption. Leider schüttelt sie den Kopf, die haben nur ein Zimmer für eine Nacht, schade. Der Parkwächter zeigt auf das Hotel Alkhalifa direkt an der Straße und meint es wäre „good“ Hotel. Barbara macht sich auf den Weg und kommt lächelnd wieder. Die Motorräder stellen wir auf dem Hof ab und wir bekommen ein super Zimmer mit Terrasse und wunder schönem Blick auf die Stadt.
Nachdem wir uns häuslich eingerichtet haben gehen wir in City. Die gesamte Altstadt mit ihren engen Gassen, kleinen Plätzen, blau- und weißgetünchten Häusern lädt zum Spazieren ein. Die blaue Farbe soll angeblich vor dem Bösen Blick schützen. Uns erscheint es fast kitschig, überall weiß blaue Farben, Blumentöpfe hängen an den Wänden, hier und da kleine Lädchen.

Wir gehen runter bis zum Marktplatz und suchen ein Restaurant um eine Kleinigkeit zu essen und finden eine Art Imbissbude, wo wir uns Fleischspieß mit Reis bestellen. Das Fleisch wird auf einem Salatblatt mit Reis und ausreichend Brot serviert, dazu trinken wir wie sooft Wasser. Nachdem ich das Essen halb gegessen habe, merke ich schon, dass mein Magen rebelliert und wir gehen bergauf zum Hotel. Wir sitzen noch auf der Terrasse und bewundern die Aussicht auf die blaue Stadt.

2.10. Fes und die Gerber

nach dem Frühstück auf der Dachterrasse gehen wir wieder in die Medina und gehen direkt zum Gerberviertel. Unterwegs werden wir zweimal angesprochen und werden eingeladen uns die Gerbereien anzusehen, die ja die besten und schönsten Lederprodukte produzieren, die es in Marokko gibt. Beim dritten jungen Mann können wir nicht widerstehen und gehen mit.

Die gemauerten Bottiche sind zwischen den Häusern eng eingebaut, sehen sauber aus und es ist nicht viel los. Der Gestank des Gerbprozesses ist schon extrem, dafür erhalten wir am Eingang Minzeblätter, die den Geruch übertönen sollen. Wir verweilen und sehen den Gerbern bei der Arbeit dort unten in der Brühe zu, ganz schön mühsam und sicher nicht gesund.

Nach der Besichtigung muss man durch das Ledergeschäft gehen, an alle Lederprodukte vorbei und natürlich halten wir an einer sehr schönen Tasche an, die uns der kleine Händler für 1000 Dirham anbietet aber Barbara lehnt ab und sagt maximal 400DH. Mit einem enttäuschtem Gesicht versucht er den Preis anzuheben, Barbara bleibt standhaft und wir gehen zum Ausgang, einen Meter vorher fängt der Händler uns ein und sagt 500Dirham, seiner Familie ginge es schlecht aber der Chef sagt er müsse verkaufen. Na gut, 450 und der Deal geht klar. Nach dem Bezahlen war er trotzdem sehr zufrieden und wünscht uns einen schönen Tag.

Wir gehen noch weiter, es soll noch das große Gerberviertel sein, das wir unbedingt besichtigten wollen. Wir werden wieder von jungen Männern eingeladen, durch die Lederläden zur Besichtigung der Gerber zu gehen. Auf einer Terrasse kann man die Bottiche gut erkennen. Die Männer stehen in kurzer Hose in der penetrant stinkenden Brühe, trampeln barfuß auf dem darin befindlichen Leder herum. Zuerst wird gegerbt, dann getrocknet und schließlich gefärbt. Die Händler betonen, dass hier im Gerberviertel von Fès nur traditionelle Methoden angewandt werden. Keine moderne Chemie sondern Extrakte aus Baumrinden stammen, zusätzlich wird leicht ätzender Taubenkot eingesetzt, der die Häute zusätzlich weich werden lassen soll.
In den Läden sollen wir logischerweise wieder Ware kaufen, da wir bereits bedient sind verlangen die Händler je Person 10 Dirham – ist ja auch ok.
Auf einem großen Platz außerhalb der Medina setzen wir uns auf die Steinbank im Schatten und beobachten Jungs beim Fußballspiel. Taschen bilden das Tor, die Jungs laufen in kaputten Turnschuhen, Schlappen oder auch barfuß über den Platz und spielen richtig gut, die meisten haben irgendwelche Trikots ihrer Idole. „Messi“ ist ganz oft zu lesen.
Wir schlendern wieder durch die Medina zurück zum Hotel und machen uns für den Abend frisch. Aus dem Reiseführer hatten wir uns das Lokal „The Ruined Garden“ ausgesucht und gehen durch die nun schon dunklen Gassen der Medina und nehmen in dem botanischen Restaurant Platz. Es gibt nur eine geringe Auswahl und das angebotene Essen entspricht nicht meinem Geschmack. Aber die Lokalität ist schon witzig.

01.10. von der Einsamkeit in die Stadt


Wir frühstücken am Tisch vor dem Büro des Chefs und werden gut bedient. Wir packen als bald und bezahlen und erhalten noch zwei schöne Aufkleber des Campingplatzes – Amazigh bedeutet „Die Freien“ und stolz gibt er uns die Kleber und deutet auf unsere Koffer.
Wir fahren direkt auf die N8 über Ifrane in Richtung Fes, überall kommen uns Kolonnen mit Parteiwerbenden entgegen oder sie stehen auf der Straße und verteilen Zettel. In Imouzzer-el-Kandar ist richtig Stau, wir fahren an der Schlange vorbei, weil uns die Autofahrer zu winken. Der Grund des Staus ist eine Parteikundgebung – wieder einmal die Trecker Fahrer. Sie bilden eine schmale Gasse und lassen uns durch. Ein junger Mann drückt mir ein Fähnchen in die Hand und ich stecke sie am Lenker fest und fahre vorsichtig durch Menschenmenge. Alle sind lustig und freuen sich, unter anderem sind sie augenscheinlich auch stolz uns durchzulassen.
An einem Café halten wir und trinken eine Cola bzw. einen Kaffee. Auch hier kommen die Trecker Fahrer und verteilen Flugblätter. Die Fahne war blöderweise vom Motorrad weggeweht und so muss ich ohne Werbung in die Stadt Fes fahren. Es ist nicht viel los und uns fällt es leicht auf der Einfallstraße zum Zentrum zu kommen. Lediglich die Kreisverkehre sind nicht ohne. Während die Straße mehrspurig genutzt wird, werden im Kreisverkehr beide Spuren vereinigt und als nur eine Spur genutzt, die Autofahrer schneiden die Kreisverkehre derart, dass es für einen weiteren Verkehrsteilnehmer keinen Platz mehr gibt. Wir bleiben vor den Kreisverkehren einfach etwas zurückhaltend und lassen die Einheimischen vor. Blöderweise sehe ich zweimal die rote Ampel nicht und knalle bei voll ROT über die Kreuzung – es hat sich aber auch keiner beschwert.

Gegen 14:00 kommen wir nach etlichen Kreisverkehren am Hotel Blue Sky an. Ich gehe ins Gebäude und der Hotelrezeptionistin schickt den Pagen raus, um uns das Tor zur Garage zu öffnen. Blöderweise steht ein Auto vor dem Tor, dass ich die Motorräder über den Bürgersteig bugsieren muss, um in die Garage, die gleichzeitig zum Wäschetrocknen genutzt wird, zu gelangen. Die Motorräder stehen trocken und wir sind froh die Sachen nicht komplett ab rödeln zu müssen.
Wir gehen auf unser Zimmer und duschen kurz, bevor uns die Rezeptionistin den Weg zur Altstadt erklärt. Keine 50m müssen wir zurücklegen, um das Tor zur Medina zu durchschreiten. Ein Getümmel empfängt uns. Da wir hungrig sind, nehmen wir an dem ersten Straßenrestaurant Platz und bestellen Spieß mit Reis. Während wir essen können wir den Trubel in den engen Gängen beobachten, wie die Touristen von den Kellnern überredet werden, Platz zu nehmen und etwas zu verzehren. Zu gleicher Zeit kommt ein Gaukler und singt, tanzt und haut Schellen zusammen, echt krass – das Publikum fühlt sich von dem herum hüpfenden Mann nicht belästigt, er belustigt nur.
Wir gehen dann weiter in die Medina Richtung südlichem Stadttor und sehen jede Menge Kleiderstände, Geschirr- und Porzellan und später Obststände, Wassermelonen sind in drei bis vier Etagen aufgetürmt. „Wenn ich die unterste Melone haben möchte, rollen alle runter“ denke ich bei mir. Es folgen Stände mit gerupften Hühnern und an Haken hängenden Lämmern.
Der Platz an dem Tor ist voller Kleinbusse, Autos, Eselkarren und Menschen. Ware wird angeliefert und abgeholt, es herrscht reger Austausch. Das Tor ist mit Mosaik verziert und ist wunderschön anzusehen, wie übrigens alle Tore, die in die Medina hineinführen. Wir gehen wieder zurück in die Medina und kommen wieder durch die Vielfalt der Stände, an dem Gewürzstand probieren wir die Gerüche aufzunehmen aber irgendwie riechen die Proben wie alles hier, man kann es kaum unterscheiden.

In einem Schuhladen kauft Barbara Schlappen aus Leder, sogenannte „Babuschen“ für ganze sieben Euro, ein paar Euros hatte sie doch noch abgehandelt – die Kaufleute wollen das auch so.
Wir besichtigen die islamische Hochschule Medersa Bou Inania, die zwischen 1350 und 1357 erbaut wurde. Der Gründer Sultan Abou Inan wollte hier eine Koranschule errichten, die an Größe und Schönheit aller bereits vorhandenen übertreffen sollte. Von 1995 bis 2004 wurde die Schule renoviert und die aufwändigen Fayence-Mosaike, Holzschnitzarbeiten konnten wir an den Wänden und Böden bewundern. Der Eintritt von 10DH war es wert.

Die Teppichhändler in den Gassen wittern Ihr Geschäft als wir vorbeischlendern und auf die an den Wänden hängenden Teppiche blicken. Aber wir bleiben hart und kaufen nichts – wir haben ja schon einen. Wir merken aber schnell, dass wir für unseren Teppich eindeutig zu viel bezahlt haben – egal, er gefällt uns.

Die engen Gassen in der Medina beherbergt alles, kleine Cafés, Lederwaren-, Kleidung-, Porzellan- und Zigarettenhändler, dazwischen hämmern Kupferschmiede ihre Kessel und Lampen. Vor einem Café an dem schönen Platz „Place Seffarine“  trinken wir eine Kaffee und beobachten das Treiben – mehrere Schmiede haben sich auf dem Platz breit gemacht und sind oft Fotomotiv für die internationalen Touristen – für uns ja auch. In der Mitte des Platzes ist der öffentliche Brunnen, mit dem aufwendigen Zelije-Mosaik aus dem 17.Jahrhundert platziert.
Die Händler sind schon aufdringlich und wollen ihre Ware an den Mann oder Frau bringen, doch sie wurden nie unverschämt, waren kaum beleidigt wenn man abdankte und weiter ging. Nur am Abend als wir uns ein Restaurant suchten wurde ein Typ auffällig unverschämt, dass wir nicht seine Karte anschauen sondern direkt zum Restaurant mit Dachterrasse gingen. Er schimpfte Barbara an, dass sein Essen besser wäre als das auf dem Dach und pöbelte eine Weile. Die Aussicht auf dem Dach war nett, leider hatte der Junge Recht, das Essen war nicht prickelnd, er hätte freundlicher sein müssen und wäre dann wohl überzeugender gewesen.

30.9 Nationalpark und Affen

Das Frühstück ist wie das Zimmer – eher schlecht und bescheiden. Wir brechen auch schnell auf, um den Laden zu verlassen und befahren die Nebenstraße durch den Park National de Aguelmame Azigza. Wir fahren eine Zeit lang parallel zum Fluß Oum er-Rbia, und kommen schließlich an den Quellen des der längsten und wasserreichsten Flusses Marokkos an.

Ich fahre in den kleinen Ort, während Barbara ein Stück die Straße hochfährt. Rings um den Platz mitten im Dorf rauscht das Wasser vorbei, die Quellen sind nicht weit entfernt, sagt mir ein Junge, der mich überreden will, dass er mich hinführt. Von einer Plattform direkt vor den Wasserfällen etwas unterhalb des Weges soll man die Quellen des Oum er-Rbia erkennen. Doch das Motorrad möchte ich nicht alleine lassen und fahre zur Straße zurück.

Am Ufer des Flusses stehen einigen Hütten direkt am bzw. fast im Wasser, einige sind mit Teppichen ausgelegt, wir vermuten, dass hier Teppiche gereinigt werden. Auf der Straße kommen einige Eselskarawanen mit Wasserbehältern entgegen, sie wollen wohl an den Quellen frisches Wasser holen.

Die Straße ist klasse, kurvig, eben und führt durch wunderschöne Landschaft, ähnlich wie im Schwarzwald. Wir kommen an mehreren Zeltdörfern vorbei, wo Schafhirten mit ihren Familien wohnen. Die Schafherden sind so groß, wie wir sie noch nicht gesehen haben, sie verteilen sich aber gut in dem hügeligen Gebiet. In einem Waldstück treffen wir nun auf Berberaffen, die hier in den höhergelegene Eichen- und Zedernwälder einen guten Lebensraum finden. Sie stehen auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten (IUCN). Als ich den ersten Affen sehe halte ich an, wir stellen die Motoren aus und warten. Die Affen sind ja meistens in Gruppen unterwegs und so ist es auch hier, nach und nach kommen die Tiere über die Straße, große Erwachsene und kleine, einige Affen haben ihr Kleines am Bauch. Wir haben nicht gezählt aber es waren bestimmt zwanzig Tiere, die nach und nach die Straßenseite wechseln. Versteckt unter den Eichenbäumen spielen die Jungtiere und tollen umher.
Wir fahren weiter durch den Zedernwald, treffen immer mal auf Schafherden und kommen bald in Azrou an. Wir hatten uns den Campingplatz Camping Amazigh auf halber Strecke zwischen Azrou und Ifrane ausgesucht. Als wir auf den Hof rollen, steigt Amed aus seinem Auto, wo er Mittagschlaf gehalten hatte. Er zeigt uns die Zimmer und wir entscheiden uns für das Erdgeschosszimmer. Ein total einfaches aber sauberes Zimmer mit Bett und zwei Hockern bestückt.
Nachdem wir uns kurz frisch gemacht haben fahren wir zurück nach Azrou. Leider sind wir zu früh und alle Geschäfte sind noch verschlossen. Wir bummeln ein wenig umher, trinken in einem Café eine Cola und gehen wieder umher. Gegenüber von unserem Parkplatz nehmen wir in einem Restaurant Platz und essen wie üblich Spieß und Reis – das können wir am besten vertragen – so gibt es keinen Ärger mit Durchfall hoffen wir.
Gleich neben an ist ein Teppichladen – ein grüner Teppich gefällt uns auf Anhieb, als wir nach dem Preis fragen können wir nur zustimmen – ohne Verhandeln kaufen wir den Teppich, er war für uns 80€ wert, bei uns kriegt man den dafür nicht – im nach hinein fanden wir uns doof, wir hätten handeln sollen aber nun ist´s zu spät. Letztlich sind wir zufrieden und der Teppichhändler erst recht. Er hat nämlich seine Laden geschlossen, nachdem wir weg waren.

Der Bummel durch die nun belebte Medina brachte keine neuen Erkenntnisse und wir gehen durch eine Gasse, wo lauter Frisörgeschäfte aneinander gereiht sind, alle sind voll besetzt. Etwas weiter im gleichen Gang stinkt es widerlich und wir treffen auf völlig überfüllte Hühnerställe, der Gestank ist bestialisch und wir sind froh wieder draußen zu sein. An einem Autokreisel pfeift ein Polizist aus sicherer Entfernung den Verkehr an und glaubt ihn damit zu regeln. Das Chaos ist aber perfekt, alle fahren rein, drängeln und hupen – dazu das Pfeifen des Polizisten – einfach köstlich.
Als der Muezzin noch dazu ruft fahren wir wieder zurück zum Campingplatz, wo mittlerweile ganz schön was los ist. Einige Auto und auch zwei Motorräder stehen auf dem Platz. Wir genießen den Abend noch vor unserer Tür, unterhalten uns noch kurz mit einem der beiden Motorradfahrer und legen uns bald schlafen.

29.9 durch den Antiatlas bei Regen


Die Frau hat eine nette Abwechslung beim Frühstück, wieder gibt es Leckeres. Nachdem alles verstaut ist, bezahle ich die Rechnung, die nicht gerade klein ausfällt aber die Tage sind es wert.
Zunächst fahren wir den gleichen Weg bis zur Abbiegung nach Ouzouf, wir bleiben auf der R304 bis Azilal. Hier halten wir am Straßenrand an und bestaunen den riesigen Markt – auf mehr als 5km² findet hier ein riesiger Markt statt. Während wir hier pausieren und den Markt beobachten, kommt eine Gruppe der Vogelpartei vorbei, drückt uns einen Zettel in die Hand. Auch hier ist wieder zu beobachten, dass es überwiegend junge Leute sind, ausgestattet mit Laibchen und Kappe, jeweils mit dem Symbol der Partei bedruckt, grölend durch die Straßen laufen. Auf uns macht es den Eindruck, dass die Parteien sich die jungen Leute kaufen um für sich zu werben.
Unterwegs kommen uns auch immer wieder Gruppen mit Auto entgegen, gleiches Schema, junge Leute mit den Utensilien bestückt, grölend mit Fahnen winkend auf und in den Autos.

Die Landschaft ist fantastisch, zunächst fahren wir nördlich am Stausee Barrage Bin-el-Ouidane vorbei – teilweise ist hier militärisches Sperrgebiet, das Schild ist eindeutig – Fotografier-Verbot.
Die Straße führt auf über 1800m, die Farben der Berge wechseln von Rot bis Gelb. Irgendwann machen wir im Schatten eines einzelnen Baumes Pause und essen das Brot, das wir noch in Demnate gekauft haben. Oberhalb der Berge ziehen die Wolken verdächtig schwarz zusammen und wir fahren dann auch weiter und erreichen die N8 bei El Ksiba, die wir dann bis Khenifra fahren wollen. Wir werden aber von einem Regenschauer gestoppt, den wir ja schon von weitem gesehen haben. Es gießt wie aus Eimern, die Straßen stehen schnell voller Wasser, braun-rote Soße fließt überall und wir erkennen kaum noch die Straße geschweige die Schlaglöcher. An einer Tankstelle halten wir an und warten mit hundert anderen auf das Ende des Schauers. Neben mir steht ein verschleiertes Mädchen, sie starrt immer nur auf den Boden, erst als wir wieder aufsteigen und weiter fahren grinst sie kurz rüber. Wir sind trotz fehlender Regensachen nicht wirklich nass geworden und fahren weiter. Auf der Straße liegt nun der Schlamm des Wassers die Schlaglöcher sind mit dem bräunlichem Wasser gefüllt und wir erkennen diese kaum. Wir dürfen eben nicht durch die Pfützen fahren, sie könnten auch tief sein.
Als wir halbwegs in Khenifra ankommen scheint auch wieder die Sonne. In einer Bäckerei kauft Barbara Brot und leckere Kekse ein, bevor wir die ausgesuchte Unterkunft auf der Nebenstraße hinter Khenifra suchen. Die Unterkunft entpuppt sich als verlassene Ruine, kein Wunder, dass wir keine Antwort auf unsere Mail bekommen haben. Obwohl der Reiseführer recht aktuell ist, steht das Hotel als gute Unterkunft beschrieben im Buch. In Realität ist sie seit Jahren verlassen und mittlerweile verfallen, teilweise zugewachsen, der Pool ist trocken und vollgewachsen mit Büschen – da sind alle Zimmer frei.

Wir fahren zurück Richtung Khenifra, wo wir bald ein weiteres Hotel finden – es sieht schon merkwürdig aus, Barbara fragt dennoch und kommt kopfschüttelnd zurück. Also fahren wir wieder nach Khenifra zurück und suchen dort ein Hotel. Wir werden bald fündig, nichts Besonderes – ein großes Haus mit großen Zimmern, die Motorräder stehen sicher im Hof. Auf Abend essen verzichten wir und essen die Brotreste, Tomaten und Gurken. Bei offenem Fenster legen wir uns schlafen und hören wie es draußen wieder regnet.

28.9. die Wasserfälle von Ouzoud

Am liebsten würde ich liegen bleiben aber das Frühstück ruft und wir überlegen ob wir zu den Ouzoud Wasserfällen fahren. Die Vermieterin meint, es sei nicht weit. Das Frühstück ist wie das Abendessen mehr als ausreichend und wir gehen pappsatt in unser Häuschen und ziehen uns zur Ausfahrt um. Noch ist es kühl aber als wir nach dem Tanken aus Demnate herausfahren kommt uns der warme Wind schon entgegen, knapp 30°C zeigt das Thermometer schon an. Die R307 endet an der R304, wo wir rechts nach Tanannt abbiegen. In dem Ort herrscht reges Treiben, am Straßenrand entladen Taxibusse ihre Fahrgäste, die wohl zum Markt wollen. Auf dem weiteren Weg sehen wir oft, dass viele Esel und Muli unter Bäumen an Kreuzungen angebunden sind, offensichtlich kommen die Leute mit den Tieren bis hier hin geritten und werden von den Taxen weiter in die Stadt befördert.

Als wir in Ouzoud ankommen werden wir gleich heran gewuncken, um auf einen bestimmten Parkplatz zu fahren. Ich suche mir aber einen Platz im Schatten aus, von wo wir durch Oliven- und Feigenbaumhaine zu den Wasserfällen gehen. Einige Führer bieten sich an, doch wir glauben den Weg schon zu finden – ist auch nicht schwer. Wir sind am oberen Punkt der Wasserfälle angekommen und sehen das Wasser in mehreren Etagen über rote Felsen fallen. Der Rand ist von Feigenbäumen und urwaldähnlichen Lianen bewachsen und überall ist wohltuender Schatten. Wieder bieten sich Führer an, uns nach ganz unten zu geleiten, doch auch dieser Weg ist leicht zu finden. Der Gehweg ist mit Ständen bestückt und wir sparen den Einkauf für den Rückweg auf. An der ersten Ebene können wir das Wasser schön fallen sehn, insgesamt sollen es 110m sein, überall ist es grün und der Sprühnebel kühlt angenehm. Wir gehen nicht weiter runter weil wir uns den mühsamen Aufstieg in der Motorradkluft nicht gut vorstellen können. Die Verkaufsstände bieten nichts was uns wesentlich interessiert, bis auf ein kühles Getränk. Wir machen nochmal Pause und haben mit der Rückfahrt noch etwas Geduld. Konditionell sind wir am Rande, der Durchfall macht doch ziemlich zu schaffen, auch wenn z.Zt. Ruhe ist.

Der Rückweg nach Demnate ist auch schnell erledigt, wir kaufen noch schnell Geld ein und etwas zum Knabbern für heute Abend ein. Dabei wird Barbara freudig überrascht, der Verkäufer kommt ihr aus dem Laden hinterhergelaufen, um Ihr das passende Wechselgeld zu geben. Er hatte wohl einen falschen Preis abgerechnet – es handelt sich um ein paar Cent aber umso wichtiger war der Fall. Ob bei uns einer seinen Laden dafür verlassen hätte?

Wir kühlen uns noch im Pool ab und genießen die Ruhe in der Auberge, die Franzosen kommen erst später und dann wird´s lauter. Bevor es wieder leckeres Abendessen gibt bereiten wir unsere Route für den nächsten Tag vor.

27.09. über den Atlas

Wir schlafen fest, stehen aber morgens recht früh wieder auf, packen alles und gehen frühstücken. Der alte Pförtner ist schon wieder da und wünscht uns einen guten Morgen. Das Frühstück schmeckt wieder und wir lassen uns Zeit, weil das Essen wieder schmeckt.

Ich hole die Motorräder aus dem Hof und stelle sie auf den Vorplatz, die Koffer sind schnell angebaut und die Rollen sind schnell verpackt. Wir zahlen unsere Rechnung und die beiden alten Herren winken uns zu als wir vom Hof rollen.

Es ist extrem windig und die Motorräder fahren leicht geneigt auf der gut ausgebauten Straße, der N10 bis Boumalne. Danach geht es auf der nicht ganz so breit ausgebauten N10 weiter nach Skoura. Der Wind ist der gleiche und überall wehen Plastikbeutel, Plastikflaschen und Büschel über die Straße. Der Sand peitscht über die Straße. Wir halten gar nicht an und fahren relativ langsam auf der Route de Kasbah, die Route soll eine der schönsten Reiserouten Südmarokkos sein, vorbei an jahrhundertealten Lehmburgen der Berber, ausgedehnten Palmenoasen. Leider ist es dicht bewölkt und stürmisch und die Luft wird durch herum wirbelnde Sandkörnchen getrübt.

Erst in Skoura lässt der Wind nach und wir biegen nach Vorgabe des Navi rechts ab in den Ort. Durchqueren die Händlerstraße und biegen wiederum links ab auf eine kleine Schotterpiste. Barbara ruft von hinten, das könne nicht sein, ich bestehe aber auf die Weiterfahrt und wir kommen an einem Flussbett mit losem Schotter an. Mir macht die Fahrt auch auf dem weiteren leichten Schotterweg richtig Spaß aber werde von Barbara gestoppt. Wir kehren um und fragen nach dem Weg, der alte Mann versucht zu erklären, dass der Weg gar nicht geht und wir sollten zurück auf die Hauptstraße. Dem folgen wir schließlich und fahren auf der N10 bis zur „richtigen“ Abbiegung auf die R307.

Zunächst ist die Straße eher langweilig weil sie endlos gerade ist aber nach etwa 30km geht es aufwärts und die Straße wird kurviger, die Berge sind braun bis schwarz gefärbt und das Ganze wirkt ein wenig wie eine Mondlandschaft.

Auf der schmalen Straße, die sehr unregelmäßig ausgebaut ist, kommen uns immer wieder plötzlich und unerwartet diese kleinen Mercedes-Busse entgegen. Die Busse sind vollgeladen mit Menschen, auf dem Dach werden oftmals Material, Stroh, irgendwelche Pakete gepackt und auch Personen transportiert. Atemberaubend, wie die Busse durch die Kurven preschen, vor allem bergab haben sie echt Tempo drauf, bergauf hat der Motor echt zu arbeiten, was der schwarze Qualm am Auspuff andeutet.

Wir erreichen bald den bis zu 2150m hohen Tizi-n-Outfi-Pass, ab hier ist die Straße auf unserer Karte als besonders schön gekennzeichnet und die Karte lügt nicht. Die Straße wird nun auch zusehend schlechter, Einige Flüsse überfahren wir über kleine Brücken, die bei Regenfällen sich überspült werden. Hier überwiegt die Piste und wenn sich Asphalt durchsetzt, sind tiefe Löcher drin.

Aber die Aussicht ist gigantisch, wir schauen mehrfach in ein Tal und über Bergrücken. Leider kommen auch die Kleinbusse entgegen, in einer Kurve muss ich von der Straße runter und halt am Randstreifen ausweichen, Gott sei Dank ist ein Randstreifen da und ich habe Platz genug. An anderen Stellen wäre es eng geworden.

Ein paar Kilometer vor Demnate halten wir bei der Naturbrücke Imi-n-Ifri an, Die Brücke ist über den Fluss gespannt, der gleichzeitig bei entsprechendem Wasser in die tiefe Schlucht fällt. Wir halten nur kurz an, um uns einig zu werden ob wir in Demnate eine Unterkunft suchen – dem Wasserfall statten wir keinen Besuch ab, zu einem ist es schon wieder richtig warm und der Fluß ist eher ein Rinnsal.

An einer an der Straße liegenden Kasbah halten wir an und Barbara geht hinein um sich das Zimmer anzusehen, während ich draußen mit einem Mann unterhalte. Im gebrochenen Englisch erzählt er mir dass die Kasbah die Beste in der Gegend sei, super Zimmer und „small Price“ hat. Barbara kommt kopfschüttelnd zurück, von außen sieht die Kasbah romantisch und schick aus aber von innen total schmuddelig, für den Preis finden wir was Besseres. Ein paar Kilometer weiter sehen wir das Schild der Maison d’hotes Tizouit. Der Weg ist extrem uneben aber nach eineinhalb Kilometer sind wir am Ziel. Gerade wird ein Auto mit französischen Damen ausgeladen. Barbara geht in die Anlage und kommt grinsend wieder – Wahnsinns Anlage. Wir stellen die Motorräder unter den Olivenbäumen am Weg ab und tragen die Klamotten in unser Häuschen. Die Aubérge besteht aus dem Haupthaus und verschiedenen kleinen Häusern. Unser Haus liegt weiter unten und beherbergt das Schlafzimmer und das Bad, davor ist eine eigene Terrasse mit zwei Schaukelstühlen. Das Häuschen ist super eingerichtet und wir sind uns einig hier mindesten zwei Nächte zu bleiben.

Wir gehen dann auch bald in den Naturpool, kühlen uns ab und genießen auf der großen Terrasse den Blick über die Landschaft. Essen gibt es erst um 20:00 Uhr, so haben wir Zeit genug uns frisch zu machen und uns noch auf ein Bier zu freuen.

Das Abendessen wird im Haupthaus eingenommen – Vorspeise, Hauptspeise und Nachtisch, dazu einen marokkanischen Wein – ein luxuriöser Abend geht langsam zu Ende. Nach der langen Überfahrt auf der R307 haben wir uns dieses Tagesende verdient und gehen auf unsere Terrasse wo wir den Grillen ein Zeit lang zu hören.

26.9. die Schluchten Todra und Dardes

Ich muss in der Nacht doch noch einige Mal raus und bin auch nicht optimal ausgeschlafen aber wir wollen zur Todra-Schlucht und fahren auch zügig nach dem Frühstück los. Am Stadtrand tanken wir voll und fahren bei angenehmen Temperaturen durch die Stadt. Der Verkehr ist schon heftig, überholt wird auf beiden Seiten, da wo Platz ist und wir haben einige Male Glück nicht von der Straße abgedrängt zu werden. Irgendwann sind wir auf der engen Straße Richtung Todra und biegen auf die R703 Richtung Tamtatuchte.

An Straßenrändern sind viele Stände aufgebaut und zig Hinweise auf Kasbahs und Hotels sind zu erkennen. Doch es herrscht kaum verkehr, die Straßen sind fast leer und es sind keine Busse, keine Touristen unterwegs und werden wohl auch nicht erwartet. Schließlich erreichen wir die Todra Schlucht.

Bis zu dreihundert Me­ter hohe Wände ragen rechts und links des Flusses und an der engsten Stelle sind kaum zehn Me­ter Abstand zwischen den Fels­wän­den zu messen. Wir stellen die Motorräder ab und sehen uns die rot-gelben Felsen an. Am Ende der Schlucht kommt eine Frau mit Eseln an, die Wasserbehälter schleppen, um wohl am Fluss Wasser zu schöpfen. Wir fahren weiter und sind von den grünen Flächen beeindruckt. Hier direkt am schmalen Fluss ist Landwirtschaft angesiedelt, in den Feldern arbeiten einige Menschen. Es sind überwiegend die Frauen, die meistens gebückt im Grün stehen und irgendetwas grünes herausrupfen und an der Seite stapeln. Die Männer bewegen die Esel und Maultiere, beladen diese oder reiten mit Beladung auf den Tieren.

Die Felswände entfernen sich vom Fluss und wir sehen noch eine Herd von Schafen und Ziegen einen schwierigen Weg entlang klettern, wie an der Schnur gezogen laufen die Schafe und Ziegen hintereinander den engen Weg am Felsen. Die Schafe haben ein helles Fell, die Ziegen sind in schwarz gehalten – es sieht lustig aus, wenn sie abwechselnd hintereinander her laufen.

Ein Stückchen weiter kommen wir in Tamtatuchte an. Hier könnten wir links die Abkürzung zum Dardestal fahren, die Wegstrecke soll aber nach Hörensagen nicht ohne sein, deshalb entschließen wir uns die R703 weiter nach Agoudal zu fahren. Es wird diesiger und kühler, die Landschaft verliert aber durch die nun gewonnene Weite nicht den Reiz. Wir kommen an vielen kleinen Dörfern vorbei und fahren schließlich in Agoudal ein. Dort fragen wir Jugendliche, die an der Straße stehen nach dem Weg. Ganz stolz zeigen sie auf einen schmalen Weg zwischen zwei Häuser, den wir mit etwas Skepsis folgen. Ein paar Kinder folgen uns und wollen nach Süßigkeiten fragen, wir halten aber nicht wieder an und fahren die Schotterpiste und es ist der richtige Weg.

Der Weg schlängelt sich durch die rot-gelbe Berglandschaft, ab und zu tauchen kleine Dörfer auf, die verlassen wirken. Da überall Schafe herumlaufen, vermuten wir, dass auch hier Menschen leben, sie lassen sich nur nicht blicken. Ab und zu treffen wir auf Frauen, die mit Eseln den Weg herunterkommen. Welten prallen auf einander, wir mit den modernen Motorrädern und die Frauen mit Eseln vom Feld. Als eine Frau bemerkt, dass ich sie von weitem fotografiere, als Barbara an der Gruppe vorbeifahren will, fängt sie an zu schimpfen.

Die Schotterpiste schlängelt sich weiter auf und ab, und wir sehen ab und zu im tiefen Talausschnitt den Fluss Dardes. Mit langen Serpentinen geht es abwärts und wir erreichen in Moussa Wichou das Niveau des Flusses. Ab hier wechselt der Weg die Flussseiten und wir durchqueren das Flussbett mehrfach. Das Wasser ist ganz flach, die Schotterpiste gut geschoben, die Flussbettdurchfahrten sind überhaupt kein Problem. Es mag bei oder nach Regen anders aussehen, wir fahren leicht durch das trockene Flussbett.

In Msemir kommt die Querung von Tamtatuchte, der Beginn der Schotterpiste sieht aber noch leicht aus. Wir blicken mal kurz dahin und  fahren weiter.

Bald treffen wir auf Asphalt, eine herrlich ausgebaute Straße führt uns direkt zur Schlucht. Vorbei an Feldern, wo Bauern hauptsächlich Pappeln, Feigen, Mandeln, Nüsse, Granatäpfel und Gerste ernten. Dies alles wirkt etwas unwirklich vor dem roten Hintergrund.

Der Fluss hat die Berge ausgewaschen, so dass man fast Jahres- oder gar Jahrhundertringe in den Steilhängen erkennen kann. Dann erreichen wir das eigentliche Highlight – die Dardes Schlucht – in der engen und beeindruckenden Stelle der Schlucht ragen die Gebirgswände steil empor, die schmale Straße verläuft nun parallel zum Fluss und wir halten zum x-ten Fotostopp an. Die Straße schlängelt sich zwischen Felsen und Fluss hindurch und steigt schließlich in schönen Serpentinen in die Höhe.

Wir treffen auf das strategisch günstig gelegene Restau­rant, von dem wir einen gi­gan­tischen Blick hin­unter in die Schlucht und auf die Ser­pen­ti­nen haben. Wir halten an, suchen uns einen schönen Platz mit Blick auf die Schlucht und bestellen einen Café. Wir genießen die Aussicht und lassen uns einfach mal Zeit, die Gegend auf uns wirken zu lassen. Der Blick auf die Uhr und auf das Navi verrät uns, dass wir uns doch nicht mehr so gehen lassen sollten, wenn wir nicht im Dunkeln ankommen wollen. Wir kaufen noch 3 Postkarten und 2 Marokko-Aufkleber und bemerken erst auf der Abfahrt, dass wir abgezockt wurden – für 2 Kaffee, 3 Postkarten du 2 kleinen Aufklebern haben wir 19€ gezahlt – so eiskalt. Wir belassen es aber bei dem Ärger – doof bleibt doof.

Die Serpentinenabfahrt ist nicht so toll, da auf halber Strecke Straßenreparaturen stattfinden und die Straße wegen der Staubentwicklung nass gehalten wird und so den Belag spiegelglatt ist. Ganz vorsichtig fahren wir über die nasse Fläche und freuen uns als es wieder geradeaus geht.

Am Ende des Tales kommen wir in Boumalne de Dades an, vorher halten wir an einem Parkplatz, von wo aus ich eine witzige Felsformation fotografieren möchte. Ein in grün gekleideter Mann steht im Bild, bewegt sich auf uns zu, als er nah genug herangekommen ist kann ich ihn ausblenden und die Landschaft fotografieren. Als motorradfahrender Ire stellt er sich vor und erzählt mit heftigem Dialekt über seine V-Strom und fragt uns nach den Heidenaus. Wir gucken auf die Uhr, der Ire hat Verständnis und wir fahren in Boumalne auf die N10 Richting Tineghir. Die Straße ist breit ausgebaut und wir kommen mit knapp 110km/h gut voran.

Kurz vor Tineghir tanken wir und kommen gegen 18:30 an und werden vom Pförtner begrüßt. Sie haben sich schon Sorgen gemacht und er fragte wor wir gewesen sind. Wir unterhalten uns kurz und der alte Mann bewundert uns: „very long distance“

Den Abend lassen wir bei einem leckeren Bier – Casablanca- und Fleischspieße mit Reis zu Ende gehen.

25.9. Ruhepool

Als wir wach werden, ist schon mächtig Krach im Hof, die Gruppe hat schon gefrühstückt und nach und nach fahren die einzelnen Gruppen ab. Nick fährt ganz am Schluss hinterher.

Dann ist Ruhe und wir gehen runter. Gerne hätte ich Nick Sanders kurz gesprochen aber der kleine Quirling ist extrem besorgt um die Gruppe und hat kaum Zeit für andere.

Das Frühstück schmeckt mir noch ganz gut, doch danach geht es mir immer schlechter, Darmkrämpfe und Durchfall wechseln sich ab. Irgendwie schlafe ich am Rand des Pools ein und bemerke nicht, dass meine Beine langsam aber sicher verbrennen.

Am späten Nachmittag raffe ich mich auf und wir gehen wir in die Stadt. Wir werden mehrfach auf Deutsch angesprochen, jeder will uns den Weg zu irgendeinem Shop zeigen, wo sein Freund uns empfangen möchte. Wir schütteln aber alle ab, der Durchgang durch die Medina mit dem außergewöhnlichen Markt ist für mich anstrengend und wir suchen ein Restaurant an der Straße. Mit Händen und Füßen erklären wir was wir essen möchten – Hackbällchen mit Reis. Der Junge geht in ein Nachbarshop und holt Fleisch, dreht es durch den Wolf und brät uns kleine Bälle und wundern sich, dass wir auf Salat verzichten. Das Ganze schmeckt lecker und wir haben mit der Verdauung so auch keine Probleme mehr. Während wir in dem Straßenlokal sitzen, formiert sich eine Parteiendemo, die Partei nennen wir Treckerpartei, weil auf den T-Shirts, Kappen und Fahnen sowie auf den tausend Plakaten und Handzettel blaue Trecker abgedruckt sind. Autos fahren vor, alle mit Plakaten der Treckerpartei beklebt, junge Leute steigen aus, andere steigen ein, ein reges Treiben. Wir gehen schließlich wieder zurück zum Hotel, natürlich mit Handzettel.

Von der Dachterrasse hatten wir sehr gute Sicht, doch wir sollen in das nun freigewordene Zimmer ziehen. Das Zimmer und das Bad ist bedeutend größer und luxuriöser aber eben ohne Aussicht auf die Stadt.